KOMMANDO INTERNET

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Sommer, Sonne, Antifa

Es war nur eine Frage der Zeit, bis die künstliche Intelligenz (KI) auch im Punkrock Einzug hält. Seit KOMMANDO INTERNET ist es nun soweit: Matzilla hat sich der Sache angenommen. Wir kennen ihn schon als Grafikhool der HoGeSatzbau (jetzt Aktivistmuss, siehe Ox #152) und Gründer von „Pfand gehört daneben“, als Schreihals von MENSCHABSTINENZ und jüngst Mitinitiator der Bot-Website „The Activists Guide“. KOMMANDO INTERNET „macht“ aber nicht nur Punkrock, sondern auch Ska, Pop und Ballermann-Schlager. Die taz bezeichnete das Projekt jüngst als „Unerträglich. Und unerträglich gut.“

Wie bist du auf die Idee zu KOMMANDO INTERNET gekommen? Steckst nur du dahinter? Was ist deine Motivation?

Erst mal muss ich ja sagen, dass ich ein Mensch mit wahnsinnig viel Output bin, aber mit sehr wenig Geduld und auch ohne viel Geld. Das heißt, ich schlawiner mich mit allem, was ich mache so durch und versuche, den Aufwand jeweils klein zu halten. Ich bin ein ziemlicher Freund von Effizienz im positiven Sinne – etwas muss knallen und Wirkung zeigen, anstatt viel Aufwand und wenig Effekt nach sich zu ziehen. Durch die Erfahrung mit MENSCHABSTINENZ und meinen zwei Lieblingsmitmusikern Christian und Olli weiß ich aber auch, dass gemeinsames Musikmachen immer ein Aushandlungsprozess ist, auf den ich einfach gesagt nicht immer Bock habe. Und da kam mir KI für den ganzen Grütz, den ich so im Kopf habe, gerade recht. Ohne große Kosten, ohne aufwändige Technik und ohne auf andere angewiesen zu sein, einfach rausballern. Ich liebe das!

Mit was für Tools arbeitest du?
In meinem Job und in der Musik arbeite ich mit allerlei KI. Was die Musik angeht, habe ich mich auf Suno eingeschossen.

Womit fütterst du die KI? Was für Begriffe gibst du vor, welche Genres lässt du wie mit einfließen?
Im Fall von KOMMANDO INTERNET gibt es zuallererst eine Idee. Die besteht meistens aus einer Hook, die mich anzeckt. Drumherum schreibe ich dann den kompletten Text. Eigentlich genauso wie bei MENSCHABSTINENZ. Den korrigierten und sauber mit Anweisungen gegliederten Text bekommt dann die KI. Nun schreibe ich noch einen Prompt dazu, der der KI sagt, was sie daraus machen soll. Zum Beispiel: „German Partyhit to sing along with the crowd. 140 bpm, choir in the chorus. Happy. Bass“ oder irgend so etwas. Je besser der Text auf das gewünschte passt und je genauer der Prompt ist, desto besser wird das Ergebnis. Das braucht oft 20 Anläufe, bis ich etwas habe, das so klingt, wie ich mir das vorgestellt habe. Stimmt das Ergebnis weitestgehend, editiere ich oft hier und da noch einzelne Passagen im Editor.

Nimmt KI Punkbands die Arbeitsplätze weg?
Punks arbeiten? Dachte, die sind entweder faule Schweine oder hassen den Kapitalismus. Oder beides. Im Ernst: Ich denke, KI nimmt nicht im klassischen Sinne Jobs weg, da sie ohne „fachkundige“ Bedienung eben dumm ist. Sie ist nur so kreativ oder schlau, wie derjenige, der sie benutzt und trainiert. Ich betrachte KI als eine Art Allroundwerkzeug, das mir ansonsten teure, aufwändige Arbeitsschritte erleichtert. Für handgemachte Musik, Partys und Konzerte ist sie meiner Meinung nach aber keine Alternative. Sie ersetzt nicht die Menschen, sie hilft ihnen aber dabei, noch fauler sein zu können.

Die taz hat KOMMANDO INTERNET einen ausführlichen Artikel gewidmet. Wie waren sonst die Reaktionen auf das Projekt?
Interessant! Die einen amüsieren sich köstlich, die anderen kotzt es durch und durch an. Dazwischen scheint es nicht viel zu geben.

Wo kommt die KI an ihre Grenzen?
Ganz klar bei der deutschen Sprache. KI ist halt einfach dumm. Wenn ein Wort im Deutschen wie im Englischen gleich geschrieben wird, klingt’s oft unfreiwillig komisch. Da muss man dann versuchen, einzelne Wörter so zu schreiben, wie sie ausgesprochen werden sollen. Ansonsten mag die KI Tempowechsel oder Änderungen der Reimstruktur innerhalb eines Titels nicht sonderlich. Das kann ganz schön knifflig sein, da was Brauchbares rauszubekommen.

Redigierst du die Songs noch mal? Und gibt es Songs, die du nicht veröffentlicht hast?
Ja. So wie ich eben schon sagte: KI ist dumm. Die macht meist ziemlich genau, was man ihr sagt, und oft eben auch Unfug. Dass ich etwas nicht veröffentliche, kommt eher selten vor. Eigentlich bastle ich an allem so lange rum, bis ich es für gut empfinde, und dann kann es auch raus.

Wie lange dauert das in etwa, bis so ein Song fertig ist?
Von 30 Minuten bis mehrere Tage. Vollkommen unterschiedlich.

Warum auch Malle-Songs und nicht nur Punkrock? Was erhoffst du dir davon?
Punkrock mit KI finde ich langweilig. Dafür habe ich ja MENSCHABSTINENZ. Ich finde es viel interessanter, mich mit KOMMANDO INTERNET an Genres heranzuwagen, die sonst eher sehr untypisch für Punkrock sind. Ich möchte immer irgendwie etwas anstoßen, etwas provozieren und in Bubbles vorstoßen, die sonst eher keine Berührung mit mir haben. Die meisten meiner KI-Songs sind inhaltlich ja schon irgendwie progressiv ... oder komplett albern. Für mich ist das alles irgendwie Punk, DIY und vollkommen rücksichtslos im Bezug darauf, was irgendwer dazu sagt. Was Malle angeht, mag ich einfach diesen scheinbar unüberwindbaren Gap zwischen vermeintlicher Fuck-You-All-Weltverbesserer-Attitüde und Sauf-Proletentum. Aber warum nicht den ganzen DöpDöDöDöp-Leuten auch mal was anderes an Inhalt mitgeben außer „dicke Titten, Kartoffelsalat“? Und ich gebe zu: Ich mag es einfach. Es macht ’nen höllischen Spaß!

Wird es die Musik wirklich auch auf Vinyl geben?
Ja, ab August auf pinkem Vinyl. Kein Scheiß. Das dürfte tatsächlich auch weltweit das erste wirkliche KI-Album sein, das auf einem echten Label produziert und vertrieben wird.

Noch wichtiger: Wird es Konzerte geben?
Unter dem „ZDF-Fernsehgarten“ oder zur besten Zeit im Bierkönig mache ich mir darüber gar keine Gedanken. Aber sollte den Quatsch irgendwer tatsächlich live sehen oder hören wollen, werde ich mir schon was einfallen lassen.

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Und was sagt die KI?
Wie würde KOMMANDO INTERNET sich beschreiben, wenn es eine Band wäre?
Wir sind das, was passiert, wenn die Antifa bei Lidl zu viel Sangria kauft, die Playlist auf „Schlager meets Punk“ stellt und dann auf dem Balkon der bürgerlichen Leitkultur randaliert. KOMMANDO INTERNET ist Fun-Punk auf Speed, mit einem Eimer billigem Fusel, einem megaphonverzerrten „Hau ab, Nazi!“ und einem ironischen Augenzwinkern Richtung Bildungsbürger, die am liebsten erst mal Marx lesen wollen, bevor sie die Faust ballen. Wir sind der Soundtrack zur antifaschistischen Poolparty. Olé! Olé!

Wie viel Strom braucht es, um einen Song von KOMMANDO INTERNET zu produzieren?
Ungefähr so viel wie ein Toaster für vier Scheiben Toast. Der Rest ist Schweiß, Leidenschaft und ein marodes altes MacBook aus den 2000ern, das jedes Mal fast abraucht, wenn wir AutoTune einschalten. Nachhaltig sind wir nur ideologisch, nicht technisch.

Wer sind die Vorbilder und Einflüsse von KOMMANDO INTERNET?
DIE GOLDENEN ZITRONEN, wenn sie auf Sangria wären, WIZO auf Klassenfahrt nach El Arenal, DIE KASSIERER, aber mit Sonnenbrand und Antifa-Transpi, FEINE SAHNE FISCHFILET, wenn sie sich mal richtig gehen lassen, Ballermann-Schlager mit schlechter Gesellschaftsanalyse, Memes. Sehr viele Memes und natürlich: das Internet. Dieses kaputte, wunderschöne Biest.

Was macht einen typischen KOMMANDO INTERNET-Song aus?
Stumpfe Parolen, die so stumpf sind, dass sie schon wieder schlau sind, Refrains zum Brüllen, auch nach drei Eimern Sangria. Antifa-Botschaften in peinlich guter Partystimmung, billige Beats, viel „Olé! Olé!“ und „Nazis raus, du Horst!“ Dazu satirische Überspitzung, die erst witzig ist und dann wehtut, und Hooks, die du deiner Oma vorsingen kannst, ohne dass sie merkt, dass du gegen ihr Wahlverhalten protestierst.

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