LEAVE.

Foto© by Out Of Line Records

Dann ist es eben Neo-Emo

Die Leipziger Band hat zum Sprung raus aus der Genreschublade angesetzt, nur um mit neuen Schubladen konfrontiert zu werden. Wir sprechen mit Sänger Martin über das neue Album „The Cost Of Compromise“ und seltsamen Genre-Bezeichnungen.

„The Cost Of Compromise“ ist ein ziemlich emotionales Werk geworden, das auch entsprechende Themen behandelt. Kannst du uns ein wenig erläutern, worum es geht und was euch dazu inspiriert hat? Gibt es einen roten Faden, der sich durch das Ganze zieht?

Ich denke, die Songs haben alle gemeinsam, dass es am Ende vielleicht doch noch ­irgendwie Hoffnung gibt. An sich behandeln wir aber eher düstere Themen, die uns beschäftigen oder schon mal irgendwie beschäftigt haben, die auch einfach menschlich sind. Es geht zum Beispiel um das Gefühl, nicht zu genügen zu können, um die Angst vor dem Sterben oder um Beziehungen, die sich auseinanderleben oder einem nicht guttun. Der Song „I just feel worse“ ist mir besonders wichtig, darin geht es um eine Essstörung. Das liest man wahrscheinlich nicht direkt heraus, aber wenn man es weiß, erkennt man die Intention. Die Lyrics sind eher metaphorisch, da ich finde, man kann solche komplexen Themen nicht in zwei Strophen und einem Refrain auf den Punkt bringen. Aber das Gute daran ist, dass es so jede Person auf ihre Weise interpretieren kann und vielleicht hilft es ja sogar irgendwie. Dadurch, dass es so persönlich ist, gibt es auch keinen roten Faden. Man kann die Geschichten nicht so erzählen, dass sie miteinander Sinn ergeben. Allerdings war „The Cost Of Compromise“ das Stichwort, um diese ganzen Inhalte irgendwie zu deckeln. Es geht darum, dass es die kleinen Dinge sind, die am meisten an einem nagen. Dinge, die man immer wieder durchgehen lässt oder entschuldigt, bis man sich selbst total verliert und vergisst, etwas für sich selbst zu tun.

In eurem Bandinfo steht, ihr hättet lange in der „Metalcore-Szene“ festgesteckt. Magst du das ein wenig erklären?
Also erst mal sollte das gar nicht so klingen, als wäre das etwas ganz Schlechtes, aus dem man ausbrechen will. Wir hören alle noch Metalcore und sind natürlich auch in der Szene verankert. Wie bereits erwähnt, hatten wir schon Bands vor LEAVE. und haben jahrelang Metalcore gemacht. Ungefähr 2012 wollte ich mit meiner damaligen Band schon von den typischen Shouts plus Clean-Vocals zu „nur noch Clean Vocals“ wechseln und mit dem Sound experimentieren, aber das hat die Szene gar nicht gut aufgenommen, haha! Diese Zeit kann man mit der heutigen natürlich nicht mehr ganz vergleichen, die Menschen sind schon viel aufgeschlossener geworden. Dennoch hat man schon das Gefühl, dass sich die Szene irgendwie oft selbst limitiert. Dieses Gatekeeping hat mich immer am meisten gestört. Metalcore muss so und so klingen und Bands, die dies oder jenes tun, sind Sellouts etc. Damit haben wir auf jeden Fall unseren Frieden geschlossen. Wir machen das, was wir schon immer machen wollten, und möchten uns auch nicht limitieren lassen. Wir machen einfach die Musik, die wir gerade fühlen. Wenn mir dann jemand sagt, so wie neulich passiert, dass wir keinen Post-Hardcore machen, sondern Neo-Emo, dann machen wir eben Neo-Emo.

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