LORD ROCHESTER

Foto© by Despeina Dos

Roadrunner, Rhabarbertorte und Feminismus

LORD ROCHESTER sind immer unterwegs. Sie begannen 2025 mit einem Neujahrskonzert in Australien, flitzten nach Spanien, von dort zu Gigs nach England, spielten im Frühjahr mehrere Shows in Mexiko, zurück nach Spanien, von dort nach Deutschland, weiter nach Neuseeland und wieder nach Australien und sie beendeten das Jahr mit Gigs in England und Schottland.

Saskia Holling spielt Bass und singt. Sie ist bekannt durch SALLY SKULL, THE NETTELLES, THEE GIRL FRIDAYS, unzählige selbstveröffentlichte Fanzines sowie ihre zwei Bücher „Girlsville: The Story of the Delmonas and Headcoatees“ und „You & Me Against the World“. Russ Wilkins spielt Gitarre und singt. Ihn kennt man durch THE POP RIVETS, THE MILKSHAKES, THE DELMONAS, THE LEN BRIGHT COMBO, THE NATURAL BORN LOVERS, THE WILDEBEESTS, THE MINDREADERS. Im Vereinigten Königreich spielen Ex-THANES-Drummer Mike Goodwin oder Lois Tozer von THE EMBROOKS Schlagzeug. Im Rest der Welt: Wer ein Paar Rumbakugeln halten kann und rechtzeitig ins Auto steigt.

Ich stieg rechtzeitig ein, passte aber kaum in den 1964er metallicblauen Mini. „Du bist also auch Bo Diddley-Fan?“, fragte mich Russ. „Kennst du sein Live-Album, ‚Beach Party‘? Wenn nicht, halt dich fest!“ Anschnallgurte gab es nicht. Wir rasten irgendwo in Chatham einkaufen und aus dem improvisierten Kassettendeck röhrte mir „Road runner“ entgegen, ich war begeistert. Russ schenkte mir das Tape. Ein irrer Interrail-Trip. Das war im Juli 1988. Im September 2025 schlichen wir zusammen mit Saskia Holling in einem Ford Transit durch Deutschland. Diesmal fuhr ich. Mini-Tour vom 12. bis 21.09., während zahlreicher Staus und Sperrungen auf der A1, A2, A3, A11 und A40 sammelten wir Gespräche. Ergänzt und geordnet wurde dieses Interview beim Verzehr eines riesigen Bread-Puddings beim Medway Takeover Festival in Canterbury am 22.11.25.

Saskia und Russ sind Partner im Leben wie auf der Bühne. Sie ergänzen sich, teilen alles, essen, genießen, leben, lieben und spielen Rock and Roll – sie sind pünktlich, zufrieden, offen für alles und neugierig: Bessere Tourpartner kann man nicht haben! Die Tourplanung basierte auf drei Anforderungen von Saskia und Russ: Nette kleine Clubs mit direktem Kontakt zum Publikum; interessante Sehenswürdigkeiten unterwegs; nicht jeden Abend Pizza – lieber typisches regionales Essen. Russ hat lange als Koch gearbeitet und eine Tour mit LORD ROCHESTER ist zu gleichen Teilen lukullische Entdeckungsreise und Rock-and-Roll-Odyssee. Es werden mindestens genauso viele Koch- und Backrezepte ausgetauscht wie Musikeranekdoten.

Doch wie formt das Reisen den Charakter und wie beeinflusst es das Schaffen? „Ich bin auf der Isle of Lewis aufgewachsen und wir sind kaum gereist“, sagt Saskia. „Meine Familie blieb meist zu Hause. Also bin ich los, sobald ich konnte – ich wollte die Welt sehen: Ich habe Aushilfsjobs gemacht, alles gespart und dann in Tickets investiert. Ich bin als sehr junge Frau mit Greyhound-Bussen quer durch die USA gefahren; habe Autos überführt. Ich war damals auch in Mexiko. Für mich bedeutet Reisen Wissen: Je weiter du dich aus deiner Komfortzone heraus bewegst, desto mehr lernst du über die Welt und über dich selbst. Meine ganzen Tagebücher – Wutausbrüche, Beobachtungen, das Erkennen sozialer Ungerechtigkeiten – sind irgendwann in meine Songs und Fanzines eingeflossen. Als junge Frau allein zu reisen, auch im Europa der frühen 1990er Jahre, hat mein feministisches Bewusstsein geschärft. Mit Belästigungen umgehen, lernen, nein zu sagen, Raum einzufordern – all das hat meine Stimme geformt.“
Russ ergänzt: „Reisen inspiriert: Wir fahren durch eine Wüstenlandschaft, reden irgendeinen Unsinn und plötzlich bleibt ein Satz hängen. Unsere Handys sind voll davon.“ Ich frage mich, wann sie es schaffen, die Handynotizen abzuarbeiten. „Australien war irre“, fährt Russ fort. „Wir spielten diesmal nur einen Gig. In Perth, der abgelegensten Stadt der Welt, wie man uns ständig sagte. Dann überführten wir für eine Agentur ein Wohnmobil von Perth nach Broome, das ersparte uns Reisekosten. Wir waren vielleicht ein wenig zu sorglos, plötzlich ohne Internet, ohne Telefonempfang, die Sonne ging unter, ein Moment existenzieller Panik. Wir haben die Warnung, nach Sonnenuntergang nicht zu fahren, nicht ernst genug genommen“, räumt Saskia ein. „Der einzige Campingplatz war geschlossen. Plötzlich war die digitale Welt nicht mehr da, um uns zu retten. Und wir waren Stunden von der nächsten Siedlung entfernt“, fährt sie fort. Russ: „Da wird man demütig und hat auch ein bisschen Muffensausen. Zudem gibt es Wildwechsel ungeahnter Art und du siehst nichts mehr. Kängurus springen rasant durch die nächtliche Wüste und können dich rammen, dann ist die Reise vorbei – das bleibt hängen“. Ich muss lachen und werfe ein, dass ich angesichts der endlosen Reihe schräger LORD ROCHESTER-Lieder jetzt auf einen Song über „road runnin’, car bumpin’ kangaroos“ hoffe.

In Neuseeland war es nicht so einsam und verloren, aber die Distanzen waren auch unglaublich und die Erlebnisse nicht weniger skurril: Saskia: „Auf Stewart Island, dem südlichsten Punkt des Landes, waren wir die erste internationale Band überhaupt, die dort spielte, nicht wahr, Russ?“ „Ja“, lacht er, „für den örtlichen Veranstalter waren wir internationale Versuchskaninchen“. Die Vorzeichen schienen jedoch gut; der Hafen von Stewart Island ist nach der schottischen Stadt Oban benannt. „Wir mussten unsere Vintage-Amps in eine Metallkiste laden, zuschauen, wie ein Kran sie auf ein winziges Boot hievte, und sind zwischen Albatrossen hindurch zur Show gefahren. Die Fähre, der Kran, das ganze Drumherum wurden vor Ort ausschließlich von ein paar ziemlich toughen Frauen bedient! Wir spielten drei Sets, die Leute drehten irgendwann durch. Aus einem Junggesellenabschied wurde plötzlich eine Schlägerei. Wir schafften es gerade noch aufs letzte Boot und die Frauen fuhren uns sicher zurück aufs Festland – begleitet vom Schwarm der Albatrosse.“ Der Festlandhafen heißt übrigens Bluff. „Herrliches Chaos“, erzählt Russ. „Und genau solche Gigs bleiben im Gedächtnis“, schmunzelt Saskia. Ich nehme aus dieser Episode mit, dass die Frauen vor Ort die wichtigen Jobs übernehmen. Männer betrinken und prügeln sich.

Ich frage, wie eine Garage-Rhythm’n’Blues-Band auf ein Gitarrenfestival in Mexiko kommt und ob die anschließende Tour vor Ort spontan aus dem Hut gezaubert wurde. „Ja, auf wundersame Weise“, nickt Russ. „Eine befreundete Musikerin, Amy Rigby, schlug vor, dass wir uns mit unserem anderen Projekt BIG LIGHTNING beim Zihuatanejo International Guitar Festival bewerben. Irre, ein hochkarätiges Treffen von Virtuosen. Eines Abends in unserem Garten in Schottland, nach ein paar Gläsern Wein, haben wir es einfach getan. Aber wir dachten, wenn wir einmal drüben sind, sollten wir auch als LORD ROCHESTER spielen. Also posteten wir auf Facebook: ‚Kennt jemand Veranstalter in Mexiko?‘ Und plötzlich hatten wir Shows“, fährt Saskia fort. „Mexiko war demütigend – im besten Sinne,“ erklärt sie den anhaltenden Eindruck. „Die LORD ROCHESTER-Gigs waren keine professionellen Setups; sie wurden von Enthusiasten organisiert, die zusammenkratzten, was ging: In Puerto Escondido zum Beispiel hingen die Amps an der Wand, die Mikrofonständer bestanden aus Holz und Gaffatape. Es war ein intensiver Gig und es gab herausragenden Mezcal! Überall waren alle Beteiligten sehr hilfsbereit und voller Leidenschaft! Es waren super Auftritte, tolle Erfahrungen.“

Es ist aus der Not geborene DIY-Mentalität. Pure Freude an der Sache. „Für Musiker mit Independent- und Punk-Background nichts Unbekanntes“, schmunzele ich. „Musik entsteht aus Gemeinschaft, dann erst Professionalität“, sagt Saskia. Ist DIY nicht eigentlich „Do It Together“? „Ja, das war wie in den frühen POP RIVETS-Zeiten“, bestätigt Russ. „Die Leute dort stellen die Dinge mit so viel Herzblut auf die Beine. Im Westen sind wir privilegiert – mit unserem Vintage-Equipment und unseren perfekten Setups. Aber Rock’n’Roll funktioniert auch, wenn die Mikrofone buchstäblich an die Wand genagelt wurden.“

Trotzdem ist es ungewöhnlich, dass ein Indie-Folk-Duo aus Schottland das Herz der Veranstalter des Zihuatanejo International Guitar Festivals erreicht hat. Vielleicht auch nicht: Saskia und Russ sprühen vor Herzblut und haben kein überkandideltes Auftreten. Sie sind authentisch. Ihre Band, LORD ROCHESTER, ist keine 08/15-Retro-Kapelle. Oberflächlich betrachtet wirkt die Liebe zum Detail und zum Chess-Sound für manche eventuell wie reine Nachahmerei. Unzählige Bands haben versucht, den Diddley-Groove und seinen wabernden Echo-Vibrato-Sound nachzubilden. Keiner kam dem so nah wie LORD ROCHESTER. Und doch sind weder Russ noch Saskia wirkliche Nerds. Was ist es also, weshalb sie überall auf der Welt abgefeiert werden? Es sind ihre Freundlichkeit im direkten Umgang, ihr Charme und ihre Natürlichkeit auf der Bühne, ihr unaufdringliches Können.

Was sie am meisten von anderen Bo Diddley-Interpreten wie etwa George Thorogood unterscheidet? Sie haben das Wesen von Chuck Berry und Bo Diddley erkannt – den Humor: Chucks lakonische Betrachtung und Bos prahlerische Verbalakrobatik – und mit britischer Trockenheit in unsere Zeit übertragen. Auch der schräge Bandname der Schotten klingt nach diesem humorvollen Ansatz, wirft aber Fragen auf: Lord Rochester/Lord Invader? Calypso-Tradition? Hatten Bo und Chuck ja auch im Sound! Woher kommt also der Name? „Das hat keinen spektakulären Hintergrund“, antwortet Russ. „Ich war total baff, als man mich mal fragte, ob er sich auf den berüchtigten John Wilmot, Earl of Rochester aus dem 17. Jahrhundert beziehe. Von dem hatte ich noch nie gehört“, lacht er. „Ich bin aus Rochester und fand einfach, es klingt gut.“ Trotzdem: Wortwitz und Wortverdrehungen sowie Anspielungen und Hommagen sind in LORD ROCHESTERS Welt und Liedern immer präsent. Jeder Lord braucht eine Lady und analog zu Bo Diddleys Bühnenpartnerin „Lady Bo“, nennt Russ Saskia „Lady Muck“. Hier läge die Verdrehung von „Lady Luck“ oder der bissige Witz in Anlehnung an „muck“, den Schmuddel, nah. Aber ein Lord heiratet standesgemäß: Ist im Bandnarrativ Saskia die adelige Tochter der schottischen Insel Isle of Muck? Alles wird verwoben. Saskia und Russ haben sich, wie Chuck Berry und Bo Diddley zuvor, ein eigenes kleines Universum aus Selbstreferenzen geschaffen.

Ich frage meine Reisegefährten: „Eure Musik ist tief in der Tradition von Bo Diddley verwurzelt, wirkt aber nie nachgeahmt. Was bedeutet Bo Diddley für die Band“? Russ: „Viele glauben, bei Bo Diddley ginge es nur um diesen Beat. Für mich ist er die Einladung zum Experiment: Er baute seine eigenen Gitarren, spielte mit Verstärkern herum, schrieb seltsam großartige Songs wie ‚Background to a music‘. Am meisten habe ich von ihm übers Singen gelernt. Er ist ein höchst unterschätzter Sänger: Mikrofontechnik, Phrasierung, Kontrolle – er hatte das alles drauf. Und dann diese überschäumende Freude. Wenn wir keinen Spaß auf der Bühne haben, wozu das Ganze?“ „Diese Überschwänglichkeit ist purer Bo, sein konsequentes Nicht-Stehenbleiben“, schwärmt Saskia. „Er war zuweilen sehr experimentell.“

Die Bewunderung von Russ und Saskia für Lady Bo (Peggy Jones) und The Duchess (Norma-Jean Wofford), Bo Diddleys weibliche Co-Stars, führt uns in den unzähligen Tourgesprächen immer wieder zu den Themen Image und Rolle der Frau sowie zum Sexismus im Rock’n’Roll. „Kaum jemand spricht über die beiden. Ihr Gitarrenspiel, ihr Selbstbewusstsein. Außergewöhnlich. Sie sind purer Rock’n’Roll“, merkt Saskia in Bezug auf die beiden afroamerikanischen Gitarristinnen an. „Die Duchess hatte eine unglaubliche Präsenz. Sie konnte dich von der Bühne aus niederstarren.“ Die Rockgeschichte hat so viele Frauen ausgelöscht, die Liste ist lang, wird aber bis heute nur selektiv erinnert. Rock’n’Roll gibt sich gern rebellisch, hält aber zugleich an erstaunlich konservativen Vorstellungen fest, was ein:e Musiker:in sein darf. Bedenkt man die lange und bedeutsame Tradition von Frauen im Blues und Jazz sowie in der Folk- und Hillbilly-Musik, ist das auffällig.

Im Rock’n’Roll beginnt die weibliche Selbstbehauptung erst in der Punkrock- und Indie-Szene; Frauen wurden zunehmend sichtbarer und selbstbewusster, haben aber bis heute mit Vorurteilen und Widerständen zu kämpfen. Saskia war und ist mittendrin: „Auf den ersten Shows von BIKINI KILL und HUGGY BEAR in Schottland lagen Fanzines beim Merch aus. Ich entdeckte in ihnen dieselben Inhalte und zum Teil identische Worte für das, was ich längst erlebt und in meinen Tagebüchern festgehalten hatte. Von nun an brachte Saskia eigene Fanzines heraus. „Ich dachte, ich lese die Zines von anderen, dann lesen vielleicht auch andere gerne meine“. Sie begann zudem, Musik zu machen, und nahm eine aktive und zentrale Rolle in der Szene Edinburghs ein. Sie gilt als eine der ersten Veranstalter:innen in Schottland, die bewusst All-Female-Bands buchten. In einem Guardian-Online-Artikel von Katie Hawthorne vom 21. August 2024 heißt es, dass viele Musiker:innen Saskia hoch anrechnen, die lokale Szene zusammengeschweißt zu haben. In ihrer bescheidenen Art weist sie das von sich und verweist auf die Gemeinschaft: „Wir dachten uns, wir können das auf unsere eigene Art machen und uns gegenseitig unterstützen“. Der Artikel von Hawthorne bezieht sich auf die Premiere von Carla Eastons Dokumentarfilm „Since Yesterday: The Untold Story of Scotland’s Girl Bands“, in dem Saskia und SALLY SKULL ebenfalls vorkommen. Eastons 2024er Doku erzählt die vergessene oder verdrehte Geschichte von Frauen in Schottlands Musikgeschichte genauso, wie es Saskia in ihrem Buch „You & Me Against the World: 2 Women, 5 Bands, ’80s Edinburgh“ (Spinout, 2025) ebenfalls tut. Sie erneuern das Narrativ.

Wie der innovative Bo Diddley teilen Saskia und Russ die Überzeugung, dass Rock’n’Roll keine Nostalgie braucht, sondern eine stetige Kurskorrektur. „Gibt es einen angepeilten Kurs in eurem Leben und auf Reisen?“, frage ich. „Ihr habt Familie, Kinder großgezogen und den alltäglichen Wahnsinn, wie alle anderen auch.“ „Man übernimmt und folgt dem Lauf der Dinge. Das gibt einem Stabilität, die alltäglichen Rhythmen des familiären Heims“, antwortet Saskia. „Und wenn nicht, improvisiert man, wie auf der Bühne“, sagt Russ. Nebenbei wird Merchandise gestaltet, Vintage-Equipment repariert – Russ ist gelernter Radio- und Fernsehelektriker –, ein Vinyl-Direktschnitt-Service angeboten und vieles mehr. Aber bei all dem, wann finden die beiden Zeit zum Schreiben? „Meist am Küchentisch zu Hause in Schottland, beim Kaffee. Dort setzt sich alles, die Reflexion nach dem Chaos“, sagt Russ. „Wir kehren zu den Schnipseln auf den Handys zurück. Witze, Streitigkeiten, aufgeschnappte Sätze.“ Ich füge schmunzelnd hinzu: „LORD ROCHESTER folgen somit der Tradition des Romantikers William Wordsworth. Songs entstehen durch Erlebnisse und Grenzerfahrungen in der Natur und werden in der Ruhe erinnert und geordnet.“ „Genau“, bestätigt Russ: „Man kann nicht Kontinente durchqueren, Kängurus ausweichen, mit Albatrossen segeln und Mezcal trinken, ohne am Ende neue Songideen zu haben.“

Und von einer früheren Australientour inspirierte Songs wie „Salmon gum“ und „Does your oyster have a pearl?“ landeten auf dem neuem Album „Mess Around“. Wie das Debüt „Hey!“ wurde es im beliebten Ravencraig-Studio von Angus McPake aufgenommen. Dort fand 2008 auch die erste Probe der Band statt. Saskia und Russ lernten sich 1995 im Mikrokosmos Edinburgh kennen. „Lenny, das ist der Sänger/Gitarrist von THANES sowie als Sänger/Trommler wie ich bei WILDEBEESTS, meinte damals, wir sollten mal für SALLY SKULL im Vorprogramm auftreten. Die hätten schon eine Platte raus“, grinst Russ. Es folgten einige Support-Gigs. „Später dann, bei einem Benefizkonzert, das Lenny organisiert hat, tauchte Saskia mit einer Frauen-Sambagruppe auf.“ Da war es um Russ geschehen. Saskia und die WILDEBEESTS nahmen kurz darauf eine (bislang unveröffentlichte) Toe-Rag-Session auf. Als Paar mit Kindern machten die zukünftigen Road Runner Musik erst nur zu Hause. Russ brachte tagsüber an einer Brennpunktschule Kindern das Kochen bei und Saskia hatte eine erfolgreiche Homepage-Installationsfirma. Kurz nach Bo Diddleys Tod am 2. Juni 2008 fragte ein Veranstalter Russ, ob er einen Diddley-Tribute-Abend gestalten möchte. Russ sagte zu und probierte mit Saskia Songs aus. Es machte ihnen so viel Spaß, dass sie eine Band gründeten: LORD ROCHESTER.

Der LP-Titel „Mess Around“ ist auch das Motto der „Welttournee“ und der allabendliche Rat fürs Publikum: „Macht, was ihr wollt und was euch Spaß macht. Wir sind nicht ewig auf Erden und wenn nicht jetzt, wann dann?“ In unserer Altersgruppe sind schon einige Musikerfreunde und Weggefährten nicht mehr da. Gesundheitliche Probleme tauchen auf und durchkreuzen Pläne. LORD ROCHESTER haben all das selbst erlebt und verbreiten dennoch Optimismus. „Mach, was du gut kannst. Und wenn es ein Problem gibt, such nach einer Lösung“, sagt Russ ganz selbstverständlich. Gesagt, getan: Bei einer akrobatischen Bühneneinlage in Neuseeland brach er sich das Handgelenk. Russ hielt sich mit Kühlung, Bandagen und guter Laune stabil und spielte die restliche Tour durch Neuseeland weiter – das Festival in Canterbury auch noch. Erst zurück am Küchentisch in Schottland wurde neu begutachtet und ein Orthopäde zu Rate gezogen. Das Zuhause gibt die Ruhe und weist den Weg nach vorn ...

Neue Reisen? Neue Aufnahmen? Saskia: „Wir haben ein komplettes Album für unser anderes Projekt BIG LIGHTNING fertig. Es wird 2026 bei Spinout Records erscheinen.“ „Philosophie, Nonsens, von allem ein bisschen. Unser Problem. Man kann uns auf kein Genre festlegen. Die neuen LORD ROCHESTER-Songs und aktuelle Tourangebote für 2026 und 2027 werden zur Zeit am Küchentisch in Schottland sortiert“, erzählt Russ. „Wir sagen zu und klären die Logistik später“, sagt Saskia. „Das ist unser Vorgehen.“ Russ ergänzt lachend: „Es ist der DIY-Ansatz, über Kontinente verteilt.“

Anzeige