
Mit dem zweiten Album hat sich LORD ROCHESTER etwas Zeit gelassen: Satte 14 Jahre sind seit dem Debüt „Hey!“ verstrichen. Die Band, gegründet von Ex-MILKSHAKES-Bassist Russ Wilkins zusammen mit Bassistin Saskia Holling sowie dem THANES-Drummer, setzt dabei nach wie vor auf wenig anderes als die Blaupausen, mit denen Bo Diddley seinen zauberhaften Voodoo-R&B inszenierte. „Mess Around!“ ist ein klar strukturiertes, traditionsbewusstes Album, das die Linie des britischen Medway Beat konsequent fortführt. Der Ansatz ist schlicht: Reduktion aufs Wesentliche – Gitarre, Bass, Schlagzeug, Maraccas, Harmonika, Gesang –, keine Effekte, keine Studioästhetik. Diese Reduktion ist kein Mangel, sondern Programm: der Bo Diddley-Beat als Fundament, der in nahezu jedem Stück spürbar bleibt. Die Band spielt das ohne Ironie, mit genauer Kenntnis der Tradition. Gitarren und Bass agieren sparsam, das Schlagzeug bleibt trocken und zurückhaltend, der Gesang steht ungeschminkt im Vordergrund. Songs wie „Does your oyster have a pearl“, „Salmon gums“ oder „Take me to your leader“ zeigen die Band in leicht formelhafter Ausdrucksweise, ohne allerdings in Routine zu verfallen. Die Tempi sind kontrolliert, die Dynamik bleibt konstant, kleine Variationen entstehen durch Rhythmusverschiebungen und Betonungen. Die Produktion von Wilkins sowie Angus McPake als Engineer im Edinburgher Ravencraig Studio setzt auf eine Vintage-Backline und ein gewisses LoFi-Flair. Insgesamt ein solides, konzentriertes Werk, das nicht auf Innovation zielt, sondern auf Kontinuität. LORD ROCHESTER pflegen hier eine Form des Rock’n’Roll, die sich ihrer historischen Bezüge bewusst ist und gerade deshalb glaubwürdig bleibt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Gereon Helmer