MONOSPHERE

Foto© by Nico Bohr

Intendant des Konzepts

Rodney Fuchs schreibt nicht nur für das Fuze, er legt nun auch mit seiner Band das zweite Album „Sentience“ vor. Warum er aber kein Fan von Band-Demokratien ist und welche Beziehung zwischen ihren beiden Konzept­alben besteht, erklärt er uns hier.

Als wir das letzte Mal gesprochen haben, warst du alleiniger Songwriter des Albums. Damals war aber auch noch Corona und man konnte gar nicht groß gemeinsam in einem Raum sein. Hat sich das jetzt verändert, waren bei „Sentience“ jetzt mehr Leute am Songwriting beteiligt oder folgt die Band immer noch eher deiner Vision?

Es ist nicht ganz zu hundert Prozent alles von mir. Der sechste Track, „Ava“, stammt zu neunzig Prozent von unserem Bassisten Marlon. Ich habe dann so ein bisschen strukturell angepasst noch einen Part dazu geschrieben. Das betrifft auch „Human disguise“ und „Living flame“. Wobei das eigentlich auf einer Idee von ihm basiert, die ich dann einfach ausgearbeitet habe sozusagen. Das war im Endeffekt auch gut, weil es noch mal einen neuen Impuls gegeben hat und auch gut funktioniert hat, weil er diesen Sound, den ich so im Kopf hatte, ziemlich gut getroffen und um ein paar eigene Sachen erweitert hat. Aber prinzipiell ist es schon so, dass bei uns so ein bisschen das Credo war: Okay, das Debütalbum hat super gut funktioniert, warum sollten wir das jetzt ändern? Warum sollten wir jetzt versuchen, zu fünft in den Proberaum zu gehen, jeder spielt ein Riff und dann gucken wir, was wir daraus machen. Ich glaube, da würden wir super viel Zeit verlieren. Es war ja so, dass ich gar nicht vorhatte, schon ein neues Album zu schreiben damals. Aber ich habe es irgendwie geschrieben und es in die Gruppe geschickt. Dann waren alle auch so: Voll geil, lasst uns das machen. Und dann kam noch der Input von Marlon, den habe ich in diesen Albumkontext eingepasst habe und auch das hat funktioniert. Ich kann aber mir nicht vorstellen, dass jemand anderes mehr als fünfzig, sechzig Prozent zu einem MONOSPHERE-Album beisteuert. Das kann ich mir persönlich nicht vorstellen, weil ich da einfach so eine größere Vision habe als alle anderen, dadurch, dass ich diese Band vor neun Jahren mit Kevin zusammen gegründet habe. Das heißt, so hundertprozentig aus der Hand geben würde ich es nicht wollen, einfach weil ich dieses konzeptionelle Denken einfach habe, das, glaube ich, die anderen in der Band nicht haben. Es würde einfach zu lange dauern, um sich das draufzuschaffen. Aber die Kollaboration mit Marlon, die hat super funktioniert. Wir haben das jetzt auch für das nächste Album wieder so gemacht, dass wir an manchen Stellen zusammengearbeitet und jetzt eine ganz gute Routine gefunden haben, dass ich die Grundstruktur von den Songs eigentlich schreibe, mit Input von ihm, wenn ich nicht weiter weiß oder umgekehrt. Er geht dann an die Verfeinerungen, guckt, wie kann man das noch so ein bisschen fetter machen, was kann man da noch rauskitzeln. Natürlich hat auch im Studio jeder, der in der Band spielt, seinen eigenen Impact. Also viele Vocal Lines hat Kevin selbst geschrieben, manche haben wir zusammen mit ihm geschrieben. Was die Gitarren betrifft hat natürlich auch jeder seine eigenen Adaptionen mit reingebracht, ja so seinen eigenen Fingerprint. Ich sehe mich so ein bisschen als Intendant der Band, der dann sagt, „Okay, das machen wir, das machen wir nicht.“ Intendant klingt auf jeden Fall netter als Diktator oder so was. Oder Herrscher.

Du hast jetzt eben ja schon gesagt, „Puppeteer“ war ein Konzeptalbum, „Sentience“ dann entsprechend auch. Knüpft es daran an? Oder ist das jetzt das nächste Projekt, auf das du dich fokussiert hast?
Thematisch gesehen, hinsichtlich dieser Artificial-Intelligence-Geschichte, die komplett von unserem Sänger Kevin kam, ist das Album komplett losgelöst von „Puppeteer“, also hat da eigentlich keinen wirklichen Bezug, wobei ich mir nicht sicher bin, ob Kevin nicht irgendwie so ein paar Intertextualitäten eingebaut hat. Er meinte, irgendwo gab es eine Anspielung oder so. Musikalisch gesehen ist es so, dass es schon Anknüpfungspunkte gibt, und das ist mir auch beim Schreiben aufgefallen, weil ich mir dachte, es wäre cool, wenn das Hauptmotiv anderer Songs irgendwo auf dem Album versteckt ist. Nicht zwingend, um jetzt zu sagen, das ist „The Puppeteer 2.0“, sondern einfach um zu sagen, es gibt dieses große Konzept. Das sind so Sachen, die haben mich selbst immer total fasziniert, ob das jetzt bei anderen Bands oder ob das in der klassischen Musik war, dieses motivisch-thematische Denken, dass man Sachen hat, die wiederkehren. Die vielleicht auch an Stellen wiederkehren, wo sie prominent eingesetzt sind, wo man diesen Aha-Effekt hat und sich denkt: Hey, das kenne ich doch irgendwoher! Fand ich schon immer super spannend. Ist jetzt auf dem neuen Album auch so, dass wir wirklich viele Sachen versteckt haben. Ich könnte mir vorstellen, dass man vielleicht, keine Ahnung, nach drei, vier, fünf Alben, dass man dann vielleicht auch sieht, es gibt diesen Kosmos, der eben verschiedene Parameter immer wieder aufgreift und der irgendwie dann doch klarmacht, hinter diesen zwei, drei einzelnen Konzeptalben steht noch mal ein größeres Konzept. Vielleicht kriegt man es hin, das alles so zu verweben, dass man einen Opus kreiert, der vielleicht funktioniert im Sinne von COHEED AND CAMBRIA. Aber es ist jetzt nicht so, dass wir das versuchen zu forcieren.Wir haben einfach versucht, ein zweites Album zu machen, mit neuen Ideen, mit neuen Aspekten, aber auch so ein bisschen natürlich immer wieder so das Rückberufen auf das, was wir davor gemacht haben.