NO FRONT TEETH RECORDS

Foto© by Richard Pestana

Marco Palumbo, seine Zähne und Punk in London

In Ox Nr. 178 stellten wir Marco Palumbo-Rodrigues in der „Punk Art“-Serie vor, und wer da genau aufgepasst hat, konnte feststellen, dass der Mann aus London auf zig Baustellen tanzt. Er ist nicht nur bildender Künstler, er tätowiert, hat ein Label (das er zusammen mit Jon betreibt), spielt in ungefähr zehn (!) Bands – und einen Brotjob und eine Familie hat er auch noch. Wie geht das? Hier gibt es Antworten.

Marco, vor ein paar Ausgaben haben wir über deine grafische Arbeit gesprochen. Dieses Mal geht es um Musik. Kannst du uns bitte ein wenig über deinen Hintergrund erzählen? Wie bist du zum Beispiel im legendären Punkrock-Hotspot London gelandet?

Ich wurde tatsächlich in London geboren und habe auch mein ganzes Leben hier verbracht. Meine Eltern kommen beide aus Italien und haben hier in London ein Restaurant geführt. Sie waren immer sehr beschäftigt und haben sehr lange gearbeitet, so dass meine Großmutter mütterlicherseits sich um mich und meine Schwester gekümmert hat. Bis ich etwa 17 war, haben wir jedes Jahr zwei Monate in Süditalien verbracht, und ich habe noch viele Verwandte dort. Als Kind der 1980er war ich in London permanent von Musik und Mode umgeben, und ich habe Musik immer geliebt, solange ich denken kann. Ich war vernarrt in Punks, Goths, Metalheads und Skinheads, bevor ich überhaupt wusste, was das ist, aber ich habe sie in London ständig gesehen. Als ich zwölf Jahre alt war, fuhr ich mit meinem besten Freund mit der U-Bahn nach Camden, Soho, Islington und Notting Hill auf der Suche nach Platten und Band-T-Shirts. Damals hatte London jede Menge zu bieten, was so was angeht. Das war in den frühen 1990ern, vor der Gentrifizierung, als es in London noch eine richtige alternative Szene gab. Ich weiß noch, wie ich mein erstes THE CRAMPS-Album im Keller eines Sexshops in Soho kaufte. Ich wusste nicht, wer sie waren, aber ich wusste, dass ich es unbedingt haben musste!

Was war dein erster Kontakt mit Punk? Welche Bands und Platten haben dich in dieses wunderbare schwarze Loch gesaugt?
Mein erster richtiger Kontakt mit Punk war etwa 1991 im Alter von zwölf, als ich auf Heavy Metal stand. Ich hörte Sachen wie SLAYER, OBITUARY, NAPALM DEATH, METALLICA und so weiter, und ein Schulfreund gab mir eine Kassette von „Never Mind The Bollocks“ und ich war sofort begeistert. Kurz darauf bekam ich auch Tape von „The Great Rock ’n’ Roll Swindle“, das ich ebenfalls liebte. Ich weiß noch, wie ich dachte, dass das so ganz anders ist als die Musik, die ich sonst hörte, das klang so viel primitiver und zugleich gefährlicher. Neben den SEX PISTOLS-Tapes hörte ich weiterhin Metal, ich wagte mich nicht weiter auf das Punkrock-Terrain, obwohl ich da auch schon CRAMPS, BUTTHOLE SURFERS und DEAD MILKMEN kannte. Zu diesem Zeitpunkt verlor ich zunehmend das Interesse an Metal und hörte lieber NED’S ATOMIC DUSTBIN, CARTER THE UNSTOPPABLE SEX MACHINE, THE CURE, POP WILL EAT ITSELF, SHEEP ON DRUGS, THERAPY?, SULTANS OF PING F.C. und solche Sachen. Als wir dann im Sommer in Italien waren, bekam meine Schwester von ihrem Freund ein THE CLASH-Mixtape geschenkt, das mich total umhaute. Es war eigentlich seltsam, denn auf der anderen Seite waren BLUE ÖYSTER CULT und damals mochte ich die eigentlich auch, aber THE CLASH haben mich definitiv mehr geflasht. Zwar nicht so sehr wie die SEX PISTOLS, aber trotzdem war es sehr wichtig. Es gibt wohl keinen klassischeren Einstieg in Punkrock und ich war voll und ganz dem Punkrock verfallen.

Wie äußerte sich das?
Ich schnitt mir die Haare ab und verkaufte alle meine Metal-Platten. Es gab einen Plattenladen bei uns in der Nachbarschaft und ich brachte da jede Menge Scheiben hin und tauschte sie gegen LPs von X, FEAR, THE BOYS, THE LURKERS, RAMONES, GERMS, THE RUTS oder BUZZCOCKS. Die nächste Platte, die wirklich mein Leben veränderte hat, war „Yes Sir, I Will“ von CRASS, da war ich 16. Ich hatte sie in einem Plattenladen in Islington entdeckt und war sofort fasziniert von dem Cover. Es sah anders aus als alles, was ich bisher gesehen hatte, und ich musste sie einfach haben. Als ich nach Hause kam und sie auflegte, hat es mich schlicht weggeblasen ... Ich war beinahe ein wenig schockiert, weil ich so etwas noch nie gehört hatte – so kämpferisch, so roh, so aggressiv und fokussiert und so intelligent. Das war wirklich Wahnsinn. Weitere wichtige Platten waren „Dookie“ von GREEN DAY, „... And Out Come The Wolves“ von RANCID, „War Birth“ von US BOMBS und „Boogadaboogadaboogada!“ von SCREECHING WEASEL, da sie mir quasi eine neue Welt eröffneten. Besonders hervorzuheben sind „G.I.“ von den GERMS,„Reagan’s In“ von WASTED YOUTH, das erste TEENAGE HEAD-Album, „Anti Todo“ von ESKORBUTO, „Detestation“ von G.I.S.M., GG Allins „Always Was, Is And Always Shall Be“ und natürlich fast alles von BLACK FLAG, RAMONES, MINOR THREAT, THE DAMNED, CRASS, MISFITS und FEAR.

Und wie haben deine eigenen musikalischen Aktivitäten begonnen?
Als ich etwa 15 oder 16 war, wollte ich eine Punkrock-Band gründen, ich spielte zwar kein Instrument, konnte aber singen. Mein Freund Sam spielte Gitarre, also mussten wir einen Bassisten und einen Schlagzeuger finden. Wir hatten noch einen Freund, Dan, der Gitarre spielte, also fragten wir ihn und es stellte sich heraus, dass er singen konnte. Also sollte Dan singen und Gitarre spielen, Sam konnte auch Schlagzeug spielen, also übernahm er das, und ich sollte Bass lernen. Ich kaufte einen billigen Bass und einen Verstärker von einem anderen Schulfreund, der in einer Indie-Band spielte, und saß in meinem Zimmer, um zu üben und zu Platten von den RAMONES und SCREECHING WEASEL zu spielen. Wir probten jeden Samstag in Sams Loft und spielten eine Reihe von Shows. Wir nannten uns DOUBLE-D NYMPHOS, was der Name eines Pornomagazins war, das Sam hatte. Ein schrecklicher Name! Wir spielten vor vielen Leuten, denn alle unsere Schulfreunde kamen und auch welche von anderen Schulen. Wir bekamen um die 250 Pfund für einen Auftritt, was verdammt gut war! Vor allem in den 1990er Jahren! Die Gage investierten wir in besseres Equipment und ein bisschen Studiozeit, um ein paar Songs aufzunehmen, die wir auf einer Kassette veröffentlicht haben. Wir hielten knapp zwei Jahre durch, und danach war ich so gut wie immer in irgendeiner Band. Sowohl Sam als auch Dan waren mit mir bei LOW SCORE CITY und mehreren anderen Bands. Dan war außerdem als Gitarrist bei BOTOX RATS, SHANGHAI WIRES und DISCO LEPERS und Sam der Schlagzeuger bei BLACKLIST BRIGADE, CAPITOL TARGETS und den frühen BOTOX RATS. Lustigerweise unterhielten wir uns erst Anfang des Monats über unsere damalige Band und hatten die Idee, gemeinsam eine neue Band zu gründen – mal sehen, wohin das führt.

Du hast THE GAGGERS, IRIS PARALYSIS, MISCALCULATIONS, LA RABBIA, TRENCHKOAT, GAGBAGS, ILLEGAL LEATHER, DIGITAL MALARIA, TELEGENIC PLEASURE, X-INTRUDER und ZULETZT als einige deiner Bands erwähnt ... Das sind mehr als genug Bands für zwei Leben, meinst du nicht auch?
Aber sicher doch, das ist lächerlich! Es sind eigentlich noch viel mehr – aber zum Teil handelt es sich um reine Studioprojekte, schon weil die Zeit nicht reicht, um mit allen regelmäßig zu proben und live zu spielen, und in einigen Fällen sind es internationale Kooperationen. Ich liebe es einfach, Musik zu machen, genau wie Kunst, und so werde ich nie müde. Ich finde es immer extrem spannend, eine neue Band zu haben oder zu malen oder zu zeichnen oder zu collagieren. Das ist definitiv das, was mich im Leben antreibt: dieser permanente Drang, kreativ zu sein. Bei all den verschiedenen Bands habe ich aber immer darauf geachtet, dass sie sich irgendwie voneinander unterscheiden, es ist nie zweimal die gleiche Band. Einige haben übrigens eine ziemlich beachtliche Diskografie. MISCALCULATIONS zum Beispiel haben fünf LPs, eine 12“ und eine Reihe von 7“s rausgebracht und aktuell nehmen wir jetzt nach einer fünfjährigen Pause ein neues Album auf. LA RABBIA haben vier LPs und eine Reihe von 7“s veröffentlicht und die neueste Platte ist gerade fertig geworden. Mit TRENCHKOAT arbeiten wir momentan an unserem dritten Album und von GAGBAGS erscheint in Kürze das zweite ...

Welche sind deine derzeit aktiven Bands?
Aktiv in dem Sinne, dass wir regelmäßig proben und Konzerte spielen, sind ILLEGAL LEATHER hier in London sowie IRIS PARALYSIS und TRENCHKOAT. Das sind beides Kollaborationen mit deutschen Musikern, einmal aus Bielefeld und einmal Freiburg. An aktiven Studioprojekte habe ich aktuell GAGBAGS, ZULETZT, SCUGNIZZO, DISPOSABLE DOGS, LA RABBIA – und wahrscheinlich noch mehr. Witzigerweise denke ich bei diesen Projekten oft, dass das nur eine einmalige Sache wird, aber das ist sehr selten der Fall. Auch ILLEGAL LEATHER waren ursprünglich konzipiert als Solo-Projekt, um während des ersten Covid-Lockdowns einfach ein paar lustige, rotzige Punk-Nummern aufzunehmen. Ich dachte auch, es würde bei dieser einen Platte bleiben, aber dann gab es ein paar 7“s, ein Tape und ein zweites Album und jetzt sind wir eine richtige Band. Man kann also nie wissen, was bei so einem Projekt passiert.

Wie viele Stunden hat bitte dein Tag? Job, Grafikdesign, Label, Bands ...
Ich schlafe nicht sehr viel! Ich war schon immer in der Lage, mit sehr wenig Schlaf auszukommen. Mein Tag fängt sehr früh an und hört sehr spät auf. Ich bin jeden Morgen um 6:30 Uhr in der Schule, wo ich im Bereich Kunsterziehung arbeite, und wenn ich wieder zu Hause bin, kümmere ich mich um No Front Teeth und das Grafikdesign. An den Wochenenden tätowiere ich oft und dann male oder zeichne ich auch meistens. Alles rund ums Musikmachen passiert, wann immer ich es unterbringen kann – abends oder am Wochenende. Und ich achte auch darauf, dass ich Zeit für meine Frau und meine drei Söhne habe, das ist sehr wichtig für mich. Ich bin schrecklich darin, abzuschalten und zu entspannen ... das ist für mich eine Qual! Im Urlaub bin ich ein absoluter Albtraum, weil ich dann gezwungen bin, mich ein bisschen zu beruhigen. Ich schreibe oft ganze Alben, während ich eine Woche Urlaub mache.

Was verbindet deine musikalischen Aktivitäten stilistisch? Bei ZULETZT gibt es eine Menge Post-Punk und Gothic, bei anderen mehr Garage-Punk ...
Ich versuche, nicht zweimal das Gleiche zu machen, also hat jede meiner Bands ihren eigenen Stil, sowohl klanglich als auch ästhetisch. Bei ILLEGAL LEATHER und THE GAGGERS dreht sich alles um den rotzigen Sound von 1977, das reflektiert auch das Artwork, und es gibt definitiv ein paar Überschneidungen mit den GAGBAGS – die so heißen, weil sie aus Mitgliedern von den GAGGERS und den TRASH BAGS aus New York bestehen. Bei meinen Post-Punk-Projekten wie MISCALCULATIONS, ZULETZT, THE EXIT oder IRIS PARALYSIS ist das Artwork eher minimalistisch und zurückhaltend. Ich mag es, sowohl in den Texten als auch im Artwork Szenarien zu schaffen, die den Leuten etwas zum Nachdenken geben und sie leicht verwirren. Ich gestalte sie bewusst so, dass sie nicht so leicht zu entschlüsseln sind. Bei Bands wie LA RABBIA, X-INTRUDER, TRENCHKOAT, NIGHT TRAUMA und CHEMSEX sind die Musik und das Artwork viel aggressiver. Für mich sollte eine Platte möglichst genau so aussehen, wie sie klingt – die Musik und der Look sollten zusammenpassen.. Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn eine Platte einen falschen Eindruck vermittelt. Bei TRENCHKOAT habe ich mir für das Artwork ein besonderes Konzept ausgedacht. Ich wollte, dass es wie ein handgezeichneter Comic aussieht, und dafür entwarf ich diese Figur, die die Band verkörpern soll, ein Skelett mit Hut und Trenchcoat. Ich glaube, alle meine Projekte verbindet, dass ich ihnen auf eine Art meinen Stempel aufgedrückt habe. Es ist lustig, denn obwohl ich überall mit verschiedenen künstlerischen Stilen arbeite, scheinen die Leute meine Handschrift überall wiederzuerkennen, auch wenn eine GAGGERS-Platte natürlich ganz anders aussieht als eine TRENCHKOAT-Platte oder eine MISCALCULATIONS-Platte. Ich denke aber, es sind vor allem die Texte, an denen mein Einfluss am deutlichsten erkennbar ist.

Die legendäre Hardcore-Band CRUCIAL YOUTH nannte einmal ein Album „Positive Dental Outlook“ – von da ist es nicht weit zu eurem Labelnamen No Front Teeth. Was steckt eigentlich dahinter, ein Skateboard-Unfall ...?
Ganz nah dran! Ich habe mir beim BMX-Fahren einen halben Schneidezahn ausgeschlagen, davor hatte ich mir schon an meinem 13. Geburtstag einen Teil des anderen Schneidezahns mit einem Luftgewehr weggeschossen. In den späten 1990ern nahm ich einen Job in einer Zahnklinik an mit dem einzigen Ziel, silbernen Zahnersatz zu bekommen. Ich arbeitete im Gipslabor und machte Abgüsse von Gebissen. Ich arbeitete dort etwa sechs Monate lang, bevor ich einen Silberzahn bekam, den ich aber aus Versehen verschluckte. Nach einigen weiteren Monaten bekam ich beide Schneidezähne in Silber – also wurde das Fanzine dann No Front Teeth getauft, da es nur kurz danach erschien. Am Ende wurde ich aus dem Dentallabor gefeuert, was mir aber recht war, denn ich hatte ja meine Zähne.

Auf deinem Label veröffentlichst du nicht nur Platten von deinen eigenen Bands, sondern auch von unzähligen anderen – inzwischen sind es mehr als 400 Releases, wenn man Discogs glauben darf. Was motiviert dich dazu, dieses Label zu betreiben?
Es ist ziemlich verrückt, denn wir hatten nie vor, mit No Front Teeth ein Plattenlabel zu gründen. Wir waren ein Fanzine, das ein paar Compilations herausbringen wollte, und jetzt, 25 Jahre später, kommen wir auf Hunderte von Veröffentlichungen. Ich weiß wirklich nicht, wie wir zu einem so produktiven Label geworden sind, aber ich nehme an, es ist wie alles, was ich mache: einfach nicht zu bremsen. Mein Enthusiasmus hat in all den Jahren nicht nachgelassen und am aufregendsten finde ich es immer, das Debüt einer Band zu rauszubringen. Ich bin glücklich, dass wir im Laufe der Jahre so vielen Bands diese Art Starthilfe geben konnten. Ich glaube, dass einige dieser absoluten Killer-Bands ohne uns nie eine Platte veröffentlicht hätten, und das wäre wirklich eine Schande. Vor etwa zehn Jahren gab es einen Punkt, an dem das Labelprogramm einen guten Überblick über die zeitgenössische Londoner Punk-Szene geboten hat, das waren Bands wie THE HATEFUL, TEN-O-SEVENS, GAGGERS, LOS PEPES, LADYKILLERS, RICKY C QUARTET, ELECTRIC COCKS, SCRAPS, SUICIDE GENERATION, DISCO LEPERS, THE UNRELEASABLES, BRANDY ROW, TEENAGE TRICKS, BOTOX RATS und MISCALCULATIONS. Aktuell tun wir das wieder, mit neueren Londoner Bands wie DEAD MEAT, DROSS, EEL MEN, X-INTRUDER, DESPERATE FUN, NIGHT TRAUMA, IRMANS, LA RABBIA und ILLEGAL LEATHER. Was mich bis heute motiviert, ist die Begeisterung, die ich empfinde, wenn ich neue Band entdecke. Ich glaube nicht, dass das für mich jemals langweilig wird.

In Zeiten, in denen Streaming die dominierende Form des Musikkonsum ist und die Portokosten in die Höhe schießen, wie schafft ihr es da durchzuhalten?
Wir haben uns nie auf Streaming und digitale Releases eingelassen. Wir hatten auch nie eine No Front Teeth-Bandcamp-Seite oder etwas in der Art. Wir vertraten von Anfang an die Position, dass wir ein rein physisches Label sein wollen. Wir hatten nie ein Problem damit, wenn die Bands, die wir veröffentlichen, ihre Sachen selbst auf digitalen Plattformen zum Verkauf oder fürs Streaming anbieten. Das ist völlig in Ordnung und wir sind der Meinung, dass die Bands das Geld aus diesen Verkäufen verdienen sollten. Ich bin überhaupt nicht gegen digitale Musik – aber ich bevorzuge eben Vinyl. Ich gehe immer zu Fuß zur Arbeit und höre daher viel Musik in mp3-Form. Außerdem finde ich, dass Plattformen wie Bandcamp hervorragend geeignet sind, um neue Bands und Musik zu finden und zu kaufen. Für eine Band ist es außerdem toll, wenn sie damit direkt Einnahmen generieren kann. Ich glaube aber, dass die Fanbase unseres Labels schon immer physische Formate bevorzugt hat, daher denke ich nicht, dass Digitalisierung/Streaming ein Problem für uns darstellt. Als Plattenfanatiker würde ich es aber niemals vorziehen, ein Album zu streamen statt es zu kaufen. Die einzige digitale Musik, die ich besitze, sind Sachen, die ich entweder auf Vinyl besitze oder die ausschließlich digital erhältlich sind, und ich denke, unsere Kunden sind genauso drauf. Der Versand ist allerdings zunehmend ein Problem – zum Glück ist der Versand aus England immer noch günstig. Das Porto in Amerika ist der eigentliche Knackpunkt. Die Kosten sind der absolute Wahnsinn! Ich kann sieben LPs von England in die USA schicken für den gleichen Preis, den es kostet, nur eine einzige LP von den USA nach England zu schicken – das ist verrückt! Es ist wirklich eine Schande, dass die Versandkosten den Preis für Schallplatten derart in die Höhe getrieben haben. Hierzulande haben wir außerdem das große Problem des Brexit mit zusätzlichen Zollgebühren und jeder Menge zusätzlicher Probleme. Es wird einfach immer schwieriger, ein DIY-Label zu betreiben.

Wo und wann können wir dich mit einer deiner Bands auf der Bühne sehen?
IRIS PARALYSIS spielen ziemlich oft, vor allem in Deutschland, da war ich erst letzten Monat. Wir sind gerade mit ein paar Veranstaltern im Gespräch, also werden wir in naher Zukunft wieder irgendwo in Deutschland auftauchen. Mit ILLEGAL LEATHER stellen wir gerade ein Set zusammen für einen Gig, der demnächst in London stattfindet. Und TRENCHKOAT müssen auch unbedingt wieder proben. IRIS PARALYSIS sind aber die Band, mit der ich mit Abstand am meisten live spiele.

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