
Als OFFSPRING im Sommer im Vorprogramm von NO FX auf Tour waren, da schien die tumbe Masse von Teenies vor lauter Begeisterung über Fat Mike und seine Truppe die Vorband beinahe zu übersehen. Dabei sind OFFSPRING alles andere als nur eine weitere dieser sonnigen California-HC-Bands, die ja doch irgendwie alle gleich klingen. Mein erstes Zusammentreffen mit ihnen hatte ich im September 90, als ich sie in San Francisco im Vorprogramm von CHUMBAWAMBA sah und wo sie mich so begeistern konnten, dass ich auf dem Konzert ihre auf Nemesis Records erschienen Debut-LP erstand. Besonders hervorstechend ist bei OFFSPRING die Stimme von Dexter Holland (bei der ersten LP nannte er sich übrigens Keith, heißt aber eigentlich Brian), seine Art zu singen, die den Songs den speziellen OFFSPRING-Touch gibt. Ich unterhielt mich nach dem Konzert in der Gelsenkirchener Kaue mit Gitarrist Kevin, den allerdings alle Noodles nennen.
Bist du von Anfang an in der Band?
Ja, wir sind alle von Anfang an dabei. Nur Ron kam erst 1987 dazu, als unser erster Drummer ausstieg.
1987? Seit wann gibt es euch denn???
Schon ziemlich lange, haha. Irgendwann bevor Ron dazukam, hatten wir auch schon eine 7" aufgenommen, mit den Songs "Black ball" und „I´ll be waiting“. Damals konnten wir nicht mal alle Singles loswerden. Und 1989 kam dann unsere erste LP.
Danach war ja dann erstmal drei Jahre Ruhe, und ich hatte euch schon beinahe vergessen, als im Frühjahr 93 auf Epitaph "Ignition" veröffentlicht wurde, das von ein paar Schlaumeiern als euer Debut-Album bezeichnet wurde…
Ja, viele Leute wissen nichts von diesem Album, obwohl es von Cargo vertrieben wurde. Aber keiner kümmerte sich um die Promotion, so dass die Platte völlig unterging. Immerhin kam eine Menge positiver Reaktionen von den Leute, die die Platte gehört hatten. Insgesamt waren wir aber doch sehr enttäuscht, denn wir wussten, dass wir
eigentlich ordentliche Arbeit geleistet hatten. Aber was sollten wir schon machen? Also spielten wir weiter unsere Shows und tourten insgesamt dreimal in Amerika. Yeah, es hat wirklich ewig gedauert, bis die Leute endlich Notiz von uns genommen haben.
Drei Jahre sind eine verdammt lange Zeit zwischen zwei Alben.
Nach der LP hatten wir auf Nemesis noch die "Bhagdad"-4-Song-EP rausgebracht, wozu wir die Leute von Nemesis wirklich zwingen mussten, weil die total dagegen waren und keinen Bock auf 7"s haben. Sie behauptete, damit würden sie nichts verdienen.
Naja, schließlich haben wir sie rumgekriegt. Danach haben wir uns dann auf
die Suche nach einem neuen Label gemacht, obwohl uns eigentlich klar war, dass für uns nur Epitaph in Frage kommt. Sehr geholfen hat uns auch unser Beitrag zur "The Big One"-Compilation. Als wir im Studio waren und die drei Songs für die Compilation einspielten, trafen wir Brett und fragten ihn dann ziemlich bald, ob er uns nicht signen wolle, worauf er uns mit "No" antwortete, haha. Später haben wir ihn dann nochmal darauf angesprochen und er meinte, wie sollten ihm mal ein Demo schicken. Also nahmen wir ein Demo auf, schickten es ihm, es gefiel ihm und wir waren auf Epitaph. Er hatte auch nichts dagegen einzuwenden, dass wir uns Thom Wilson, der auch unser erstes Album produzierte, als Produzenten ins Studio holten.
Und was habt ihr in den drei Jahren gemacht? Habt ihr die Band nur als Hobby betrachtet, ohne große Ambitionen zu haben?
Es war für uns sehr schwer, Konzerte zu bekommen. Von daher waren wir eher unfreiwillig untätig. Erst kurz vor dem Deal mit Epitaph wurde es besser und wir spielten ein paar Shows in Berkeley, eine in L.A. und eine als Vorband von FUGAZI, was uns sehr half.
Ihr kommt doch aus San Francisco, oder?
Nein, aus Orange County. Aber du hast schon recht: In der Bay Area haben wir die meisten Fans, vor allem durch unsere Auftritte in Gilman Street. Dort kennen uns mehr Leute als in unserer Heimatstadt und wir haben da viele Freunde.
Als ich "Ignition" hörte, war ich angenehm überrascht, dass die Platte nicht "BAD RELIGIONisiert" klingt. Bei vielen Epitaph-Bands ist das ja der Fall.
Auf Platten, die Brett selbst produziert, trifft das sicher zu. Andererseits ist es auch sein Label, sein Studio. Er ist meistens bei den Aufnahmen dabei, so dass das beinahe von selbst kommt. Auch wir werden gelegentlich mit BAD RELIGION verglichen, allerdings noch öfter mit TSOL. Aber der Vergleich hat heute keine Wirkung mehr, denn kaum noch jemand kennt TSOL.
An euren Platten fasziniert mich vor allem die Verbindung von eingängigen, bissigen Gitarren und Brians Gesang, vor allem bei „Tehran", das für einer der besten
Songs überhaupt ist.
Danke! Brian schreibt alle unsere Songs, kümmert sich mit dem Produzenten um das Abmischen, ist einfach der Chef in der Band. Was das Verhältnis der Songs zu Brians Stimme betrifft, so denke ich, dass Brian versucht wirklich zu singen, statt die Texte zu den Songs zu schreien. Ich meine, Ich finde NO FX wirklich gut, aber Mikes Gesang hat im Gegensatz zu dem von Brian diesen aggressiven Kid-Punk-Touch. Bands, deren Sänger dann nur noch ins Mikrofon röcheln, kann ich überhaupt nicht leiden.
Was sind denn zur Zeit deine Lieblingsbands?
OPERATION IVV. Und RANCID, auch wenn sie mir nicht so gut gefallen wie
OPERATION IVY.
Wie kamt ihr dazu, diesen Song „Dirty magic" aufzunehmen? Ich finde, der klingt total nach NIRVANA.
Findest du? Naja, es ist ein ziemlich langsamer Song, und du hast schon Recht, die Gitarre klingt etwas nach NIRVANA. Auf jeden Fall ist es ein für uns sehr untypischer Song. Und heute Abend war erst das dritte Mal überhaupt, dass wir den Song live gespielt haben. Eigentlich war der Song als Intro zu "Burn it up“ gedacht, aber als Intro klang er zu angeberisch, also haben wir einen richtigen Song daraus gemacht. Viele Leute, die wir kennen, hassen diesen Song, während andere total begeistert sind. Es ist mit Sicherheit unser typischster Song. Außerdem ist er bei Konzerten ganz angenehm, weil man sich von den schnellen Songs ausruhen kann, haha.
Was macht ihr, wenn ihr nicht auf Tour seid?
Wir haben alle normale Jobs. Ich studiere und arbeite nebenher als Hausmeister an einer Grundschule.
Du darfst also die Kids bestrafen, wenn sie was ausgefressen haben?
Ja, manchmal muss ich das tun. Aber ich versuche dann, sie fair zu behandeln. Wenn sie was angestellt haben, dann lasse ich sie die Toiletten putzen oder den Schulhof fegen, rede mit ihnen. Ich komme mit den Kids ganz gut klar, denn als ich zur Schule ging, war ich derjenige, der ständig Ärger hatte.
Wie kann denn ein Langhaariger wie du so einen Job bekommen?
Ganz einfach: Als ich mich beworben habe, hatte ich noch keine langen Haare. Außerdem hatte ich vor dem Vorstellungsgespräch meine Ohrringe rausgenommen. Mittlerweile habe ich lange Haare, trage bei der Arbeit die Ohrringe und komme mit meiner Chefin trotzdem ganz gut klar. Greg arbeitet in einem Laden, der Blaupausen macht, Ron verkauft Muffins und Frozen Yoghurt, und Brian jobbt teilweise an der Universität, wo er für einen Genbiologen Computerprogramme erstellt. Ansonsten ist er damit beschäftigt, seine Abschlussarbeit als Molekularbiologe zu schreiben.
Das klingt nicht so, als ob er bis an sein Lebensende in einer Punkband spielen will.
Naja, wir haben alle Interessen außerhalb unserer Bandaktivitäten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit 50 noch auf der Bühne stehen werde. Aber ich bin jetzt 30 und auch der Älteste in der Band. Ron ist erst 22 und hat ganz andere Aussichten als ich. Aber auch er wird wohl nicht ewig in einer Band spielen, sondern wird wohl eines Tages als Toningenieur arbeiten. Du siehst, für uns gibt es auch noch ein Leben außerhalb der Band.
Was sind denn eure Pläne als Band?
Wir glauben nicht daran, dass wir mit der Band jemals eine größere Summe Geld verdienen werden. Es wäre ziemlich dumm, sich in seiner Lebensplanung darauf zu verlassen. Ich brauche nicht viel Geld, gerade soviel, dass ich meiner kleinen Tochter as geben kann, was sie braucht , und vielleicht auch noch ein paar Dinge, die sie nicht unbedingt braucht. Ich weiß, eine schöne Wohnung ist spießig. aber was soll's. Andererseits will ich sie auch nicht verhätscheln, so dass sie vielleicht keinen Sinn für das wirkliche Leben hat. Das ist für mich wichtig, und ich glaube nicht, dass ich das mit meiner Musik allein erreichen kann. Deshalb ist es manchmal recht schwer, sich zu entscheiden, denn in letzter Zeit haben sich für uns viel mehr Möglichkeiten aufgetan. Aber mit einem Job ist es recht schwer, vier Monate im Jahr auf Tour zu gehen. Immerhin mache ich eine Ausbildung als Lehrer, und wenn ich da mal einen Job finde, hätte ich zumindest die ganzen Ferien zur Verfügung. Es ist eine schwere Entscheidung, ob man sich komplett der Musik widmen soll, um auch davon leben zu können, aber ich denke nicht, dass sich uns diese Frage stellt. Ich glaube, dass ich in der Zukunft doch lieber als Grundschullehrer arbeiten will, und deshalb werde ich auf jeden Fall mein Studium beenden.
Eure Lebensplanung unterscheidet sich doch beträchtlich von der von NO FX, die jetzt doch sehr groß geworden sind, von ihrer Musik leben können und auch Spaß am Leben "on the road" haben.
Stimmt. Aber auch für sie ist es noch relativ hart, hat das Musikerleben nichts mit dem ganzen Beverly-Hills-Bonzenkram zu tun.
Bist du nicht neidisch auf sie?
Nein, überhaupt nicht. Wir sehen uns nicht als Konkurrenten. Wir bekommen unsere Gage, verdienen nach Abzug der Unkosten noch ein paar Mark und haben die Chance, vor einem größeren Publikum zu spielen.
Habt ihr Pläne für eine neue Platte?
Ja, wir gehen im September ins Studio, so dass im Januar unser neues Album fertig sein müsste.
O.k., danke. Willst du noch was loswerden?
Ja, das Bier hier in Deutschland ist wirklich hervorragend, besonders Weizenbier, an das ich mich aber erst noch gewöhnen muss.
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