© by Christoph EisenmengerDen meisten Lesern des Fuze wird Ilja als Bassist und Sänger des Hannoveraner Trios THE HIRSCH EFFEKT bekannt sein, nun hat er sich aber selbständig gemacht und unter dem Namen PINHEAD mit „Egomessiah“ sein erstes Solo-Album aufgenommen. Was es damit und dem „Hellraiser“ auf sich hat, erklärt er uns im Gespräch.
PINHEAD ist ja dein Projekt, bei dem du für alles verantwortlich bist – inwieweit unterscheidet sich für dich die Arbeit an PINHEAD im Vergleich zu deinen anderen Bands?
Simpel gesagt ist die schöne Seite an PINHEAD, dass ich musikalisch oder ästhetisch tun und lassen kann, was ich will, und nur mit meinem eigenen Geschmack klarkommen muss, somit ist das Projekt eine Art Freizeitpark und Spielwiese für mich. Die anstrengende Seite ist, dass ich eben nahezu alles alleine machen muss, haha! Vor allem hatte ich aber auch Lust, selber auf Englisch zu texten, da es ja auch meine Muttersprache ist. In anderen Projekten muss man oft Kompromisse eingehen und muss eventuell manchmal auch um etwas streiten. Das Aufeinandertreffen mehrerer musikalischer Seelen und Geschmäcker kann natürlich auch bereichernd sein, kann aber auch seine schwierigen Aspekte haben, gerade wenn man konträre Empfindungen hat. Ich fand es ganz schön, mal nur die eigene These zu 100% zu verwirklichen.
Ich kannte dich bisher als Bassist von THE HIRSCH EFFEKT, wusste aber auch, dass du Cello spielst. Welche Instrumente hast du noch in deinem Repertoire und welches würdest du als dein „Hauptinstrument“ betrachten? Hast du zu dem auch eine besondere Beziehung?
Ich bin studierter Bassist und werde auch meistens für diese Rolle und meinen Gesang angefragt, spiele aber eben auch Cello und Gitarre, etwas Klavier. Ich würde weiterhin behaupten, dass der Bass zwar mein Hauptinstrument ist, da ich viel Musikverständnis darüber gewonnen und Geschmack entwickelt habe, aber ich komponiere wiederum hauptsächlich auf der Gitarre oder sogar manchmal auf dem Cello. Deshalb shiftet da manchmal die „besondere Beziehung“.
Was war die größte Herausforderung von „Egomessiah“, gerade unter dem Aspekt, dass du als Multi-Instrumentalist die komplette kreative Kontrolle über das Projekt hast?
Die größte Herausforderung war es tatsächlich, ein zusammenhängendes Werk zu kreieren, das irgendwie auch eine sinnvolle, musikalische Reise darstellt, auch wenn es genremäßig hier und da mal anders ausufert, als ursprünglich von mir angestrebt. Das ganze Ding zusammenzuhalten – das war die Challenge. Die Tracklist hat sich auch mehrfach geändert und ein paar Songs sind rausgeflogen, andere sind dazugekommen. Es existieren ja noch mehr bereits aufgenommene Songs als die, die letzten Endes auf dem Album landeten. Und dadurch, dass ich nahezu alles alleine aufgenommen und produziert habe, erstreckte sich der Recording-Prozess über eine lange Zeit. Es wurde irgendwann schwer, noch den kompletten Überblick zu behalten.
Normalerweise ist bei uns die Frage nach Bandnamen ja verpönt, allerdings frage ich mich, warum du überhaupt einen Bandnamen gewählt hast statt unter deinem eigenen Namen aufzutreten, wie man es bei Solo-Künstlern ja öfter sieht – und was repräsentiert der Name und die namensgebende Figur Pinhead für dich in Bezug auf deine Musik?
Haha! Na ja, weil meiner Meinung nach „The Ilja John Lappin Band“ oder „Project“ einfach auch nicht cool wirkt oder sexy klingt. Ich wollte dem Ganzen ein individuelleres Zuhause geben und da die besagte Figur des Hohepriesters aus „Hellraiser“ auch Widersprüchliches in sich vereint und ich diese Welt von abstraktem Horror auch liebe, erschien er mir als ein guter Name für das Projekt. Die letzten drei Buchstaben meines Nachnamens sind ja auch im Namen vertreten und er hat den Zwei-Wochen-Test bestanden, der Name wirkte also nicht ganz so beschissen, selbst nach zwei Wochen.
Inhaltlich verarbeitest du, wenn ich das richtig verstehe, viele Themen, die dich persönlich beschäftigen. Hast du das Gefühl, dass du dadurch eine andere, neue Perspektive auf Dinge gewinnst oder mit ihnen abschließen kannst?
Ich denke, man geht im Leben immer weiter und dass Songs oder auch Alben unsere Wegbegleiter sein können und man nach Fertigstellung eines Werkes immer auch als Künstler aber auch Mensch woanders steht als davor. Deswegen glaube ich schon an die neue Perspektive auf vergangene Dinge. Ich schreibe ja auch viel aus der Retrospektive und blicke zurück auf Erinnerungen oder thematisiere Wege, die gegangen wurden. Songs stellen bei mir oft eine Art Abfindung dar.
Welche Pläne verfolgst du mit PINHEAD weiter? Du hat ja bereits eine Live-Band, wird PINHEAD zu einer „richtigen“ Band oder dein eigenes Projekt bleiben?
Das Debütalbum von PINHEAD erscheint Ende Januar.und am selben Wochenende haben wir erst mal drei Release-Konzerte. Es wird sicherlich auch noch mehr Live-Termine geben und ich habe noch einige Songs parat, die noch kommen werden, in welcher Form auch immer. Klar ist das mein Solo-Projekt, aber ich freue mich dennoch tierisch auf diese Live-Besetzung, die aus Freunden und wahnsinnig guten Musikern besteht und was das alles für die Zukunft bedeutet ... Let’s see!
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© by Fuze - Ausgabe #110 Februar/März 2025 und Sebastian Koll