PRESS CLUB

Foto© by Nick Manuell

Larrikinismus in Aktion

„To All The Ones I Love“ heißt das neue Album von PRESS CLUB. Das klingt fast wie ein Liebesbrief an Freunde und Verwandte. Tatsächlich sind Natalie Foster, Iain Macrae, Greg Rietwyk und Frank Lee aus dem australischen Melbourne kaum mal zu Hause. Dank des großen Erfolgs ihrer ersten drei Alben – das Debüt „Late Teens“ kam 2018 – ist die Band quasi nonstop auf Tour. Zuletzt ging es anderthalb Monate lang mit den Kollegen GRINSPOON kreuz und quer durch Down Under. Kaum zu glauben, dass PRESS CLUB es geschafft haben, zwischendurch auch noch ein neues Album aufzunehmen. Das erscheint in Eigenregie und in Kooperation mit Cargo Records und nicht wie seine drei Vorgänger beim britischen Indielabel Hassle. Warum sie so gerne alles selbst machen, erzählten uns Sängerin Natalie und Gitarrist Greg.

Letztes Jahr habt ihr mit GRINSPOON 44 Shows in Australien gespielt. Wie ist das möglich? Gibt es dort überhaupt so viele Konzert-Locations?

Natalie: Das war wirklich anders als jede Tour, die je eine Band in Australien gespielt hat. Wir waren an Orten, an denen wir noch nie vorher waren. Das war wirklich großartig. Wir waren weit abseits der Anlaufpunkte, an denen wir normalerweise Shows spielen. GRINSPOON sind eine legendäre Band, die haben ein tolles Netzwerk. Keine andere Band in Down Under könnte so eine Tour auf die Beine stellen.
Greg: Wir waren allein fünf Wochen in Queensland unterwegs. Das waren vor allem kleinere Städte abseits der großen Metropolen. Zum Beispiel Toowoomba, da leben rund 100.000 Leute. Oder Airlie Beach, ein Magnet für Rucksacktouristen. Oder Bowen, wo es ebenfalls einige tolle Strände gibt.
Natalie: Bowen ist so ein typischer Ort für diese Tour. Da kommt normalerweise keiner hin, außer er will zur Horseshoe Bay, der tollsten Badebucht des Landes. Mit großen, fast perfekten Wellen. In den größeren Städten haben wir in Läden für bis zu 1.500 Leuten gespielt. In kleineren Städten sind wir in improvisierten Venues aufgetreten, die extra für die Show eingerichtet wurden.
Greg: Es war eine Tour, wie sie in den 1970ern oder 1980ern in Australien üblich war. Wir waren mit einem großen Sattelschlepper-LKW unterwegs und hatten alles dabei. Licht und Ton, alles was man braucht. Das ist absolut unüblich für Bands unsere Größe, es war ja keine Stadion-Tour. Da war oft nichts anderes als ein Gemeindezentrum, das für einen Abend umgestaltet wurde. Orte, die für Bürgerversammlungen gebaut wurden und nicht für Konzerte. Die wurden dann für eine Nacht zur Konzerthalle umgebaut. Das war wirklich toll.

Gleich nach der Tour habt ihr mit der Arbeit am neuen Album begonnen. Mein erster Eindruck von „To All The Ones I Love“: Es klingt wärmer, entspannter und positiver als die drei Vorgänger. Wie kam das?
Natalie: Wir sind ohne einen festen Plan ins Studio gegangen, wie das Album klingen soll. Wir wollten einfach, dass die Songs, die wir geschrieben hatten, klingen sollten, wie die Songs es wollen und nicht wie unser Publikum es von uns erwartet. Wir wollten zulassen, dass die Songs anders klingen als alles, was wir davor gemacht hatten. Diesen Flow haben wir dann bei den Aufnahmen fortgesetzt.
Greg: Wir haben schon drei Platten aufgenommen und damit einen ganz bestimmten Sound definiert. Diesmal wollten wir uns nicht von unserem Trademark-Sound diktieren lassen, wie die neuen Songs zu klingen haben. Jede noch so ungewöhnliche Idee eines Bandmitglieds sollte ernstgenommen werden. Auch wenn wir in der Vergangenheit vielleicht dazu gesagt hätten, nee, das klingt einfach nicht nach PRESS CLUB. Wir haben uns vorgenommen, unsere Ideen nicht zu bewerten, bevor sie fertige Songs sind.
Natalie: Der Opener „I am everything“ ist ein gutes Beispiel dafür. Der Song wurde in den Raum geworfen als Laid-back-Track. Wir haben sogar mit AutoTune herumgespielt und mit Flüstern als Vocals, weil wir ziemlich angefixt von den Demoaufnahmen dafür waren. Letztendlich ist es natürlich ein PRESS CLUB-Stück geworden, aber wir haben versucht, den originären Charakter der Idee so gut wie möglich zu erhalten. Wenn wir vier in einem Raum sind und gemeinsam Musik machen, wird es immer nach PRESS CLUB klingen, egal, was es ist.

Sind diese euphorischen Vibes auf dem Album Ausdruck davon, dass es euch generell gut geht? Dass ihr euch in einer glücklichen Lebensphase befindet? Auf euren ersten drei Platten ging es oft darum, sich nicht wohl zu fühlen, Probleme zu haben oder verzweifelt zu sein. Ich denke an Titel wie „Separate houses“ oder „Thinking about you“.
Natalie: Das kann schon sein. Obwohl es nicht unsere Absicht war. Wenn ich Texte schreibe, versuche ich nicht zu sehr in mich hineinzuhorchen. Ich will nicht so gerne über meine Gefühle reden. Aber immer wenn ich mir ein Album im Nachhinein anhöre, weiß ich genau, wie es sich angefühlt hat, als ich die Zeilen geschrieben habe. So geht es mir oft, wenn ich die Songs von unserem Debütalbum „Late Teens“ höre. Bei den anderen beiden Platten ist es aber auch nicht anders, diese Songs spiegeln schon meine jeweilige Gefühlswelt wider. Also egal, worüber ich schreibe oder um was es geht, es geht immer auch um meine Sicht der Dinge und die Stimmung, in der ich mich in dem Moment befunden habe. Das klingt auf jeden Fall immer durch. Also ja, das trifft schon zu, dass das neue Album positiver geraten ist. Ich habe aktuell schon einen zuversichtlicheren Blick auf das Leben, denke ich.

Der Videoclip für den Song „Wasted days“ zeigt das sehr deutlich. Ihr schippert mit einem Boot herum oder cruiset mit einem Cabrio durch die Straßen von Melbourne und seid sichtbar bester Laune.
Greg: Absolut. Diesen Clip haben wir zusammen mit unserem Kumpel Nick Manuell gedreht und wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, das locker anzugehen. Also kein Performance-Video oder ein Film, der eine ganz bestimmte Stimmung erzeugen soll. Sondern einfach nur ein Video, das zeigt, wie wir Spaß zusammen haben. In einem alten Auto durch die Gegend fahren, Bier trinken oder auf einem Boot über den Yarra River in Melbourne schippern. Dadurch wurde der Videodreh auch nicht zur anstrengenden Pflichtaufgabe, sondern zu einem sehr entspannten, lustigen Nachmittag. Dieser Clip drückt perfekt die Grundstimmung auf dem Album aus.

Ein paar Szenen aus dem Video erinnern mich an das Covermotiv von „Australia Stops“, dem aktuellen Album von C.O.F.F.I.N.
Greg: Das stimmt. Die kommen allerdings aus Sydney und das Foto wurde in Darling Harbour aufgenommen. Aber die Städte und Landstriche in Australien ähneln sich oft, unser Clip hat also einen ganz ähnlichen Vibe. Und beides ist typisch für das, was man bei uns Larrikinism nennt. Larrikin ist die Bezeichnung für einen unkultivierten, rauflustigen, aber gutherzigen Menschen, der derbe Scherze macht. Wir alle leben in Australien und haben eine ähnliche Einstellung dem Leben gegenüber. Es geht darum, Spaß zu haben.

Lasst uns über den Albumtitel reden. „To All The Ones I Love“ klingt wie ein Liebesbrief an Freunde und Verwandte.
Natalie: Als wir darüber nachgedacht haben, wie das Album heißen soll, haben wir viele Ideen durchgekaut. „To All The Ones I Love“ war einfach so ergreifend, dass wir uns einfach nicht dagegen entscheiden konnten. Ich denke schon, dass es eine Art Brief an die ganzen Leute ist, wo ich Probleme habe, den Kontakt aufrechtzuerhalten. Wir sind immer auf Tour und immer ziemlich busy. Freundschaften und regelmäßigen Kontakt zu Familienmitgliedern zu pflegen ist echt eine Herausforderung. Ich bin sehr dankbar und froh, eine große Gruppe von Menschen um mich zu haben, auf die ich mich verlassen und auf die ich immer zurückgreifen kann. Selbst wenn wir uns sechs Monate lang nicht gesprochen haben, brauche ich bei diesen Leuten keine Aufwärmphase. Genau diesen Leuten ist dieses Album gewidmet.

Wie lange seid ihr im Schnitt unterwegs und damit von euren Freunden und Familien getrennt? Und wie viel Zeit verbringt ihr zu Hause?
Natalie: Wir sind bestimmt drei oder vier Monate im Jahr unterwegs. Dann verkriechen wir uns im Studio und verbringen ein paar Monate damit, neue Songs zu schreiben. Gerade haben wir zweieinhalb Monate, in denen es nicht so viele Verpflichtungen gibt und das ist für unsere Verhältnisse schon eine lange Zeit.
Greg: Allerdings promoten wir derzeit unser neues Album, also gibt es auch Dinge rund um die Band zu tun. Wir bereiten uns aber schon wieder darauf vor, nach Europa zu reisen und durch Australien zu touren. Letztes Jahr waren wir zwischen unseren Touren gerade mal sechs Wochen zu Hause. Das ist aber alles nicht in Stein gemeißelt. Wir haben ein Album geschrieben, das wir unseren Familien und allen, die wir lieben, widmen. Die müssen sich schließlich um den ganzen alltäglichen Scheiß kümmern, wenn wir on the road sind. Wir führen kein Leben nach normalen Maßstäben, deshalb wollten wir uns auch einfach mal für den bedingungslosen Support bedanken.

Ein Song, der ein merkwürdiges Erlebnis in einem Supermarkt schildert, ist „Champagne & Nikes“. Was ist da passiert?
Greg: Am Abend davor hatten wir eine ziemlich intensive Session im Studio. Wir haben Songs geschrieben und gleich aufgenommen. Das Grundgerüst für diesen Tracks stand also auch schon.
Natalie: Wir hatten also schon eine grobe Idee, wie das Stück klingen soll. Am nächsten Tag sind unser Bassist Iain und ich in einen Wein- und Spirituosenladen gegangen, um ein paar Flaschen Guinness zu kaufen. Und dort haben wir diesen abgedrehten Typen getroffen, der gerade Zigaretten kaufen wollte und meinte: „Ich will eine Marke haben, die mit H beginnt.“ Und das Mädchen an der Kasse sagte: „Haben wir nicht. Was willst du von mir?“ Es war ein völlig absurder Dialog und wir wurden unfreiwillig Zeuge davon. Gleichzeitig war der Typ aber auch sehr stylish. Er hatte eine Flasche Champagner in der Hand und trug Nikes. Außerdem war er übersät mit Matrosen-Tattoos. Er war auf eine Art erschreckend und zugleich anziehend. Eine Situation, über die ich unbedingt einen Song schreiben musste.
Greg: Die Situation war ein bisschen angespannt, weil man ja nie wissen kann, was der Typ als Nächstes tut. Solche Situationen erlebt man in Australien häufig, dass aggressive Typen, die unter dem Einfluss von Drogen stehen, irgendwo Stunk machen. Das passiert überall auf der Welt, aber gerade in unseren Vorstädten gerät man immer wieder in solche Konfliktsituationen.

Ist das typisch für PRESS CLUB-Songs? Du erlebst etwas oder triffst Leute und verarbeitest das dann in deinen Texten?
Natalie: Definitiv. Wenn wir gerade Stücke schreiben, halte ich immer Augen und Ohren offen. Dann kann ich alles, was mir gerade begegnet, für einen Song verwenden. Beim letzten Album „Endless Motion“ bin ich während der Pandemie nach draußen gegangen, um zu laufen. Damals habe ich acht kleine Entenküken in einem Teich beobachtet. Das habe ich in den Text von „Lifelines“ eingebaut. Ich mag es, ungewöhnliche Bilder und Wörter zusammenzusetzen, um etwas Ergreifendes zu schaffen. Ich denke immer, ich habe nichts, über das ich schreiben kann. Und dann purzeln die Ideen nur so aus meinem Kopf, wenn es an ein neues Album geht. Das kommt dann alles ganz von selbst und ohne Druck. Ich denke oft, ich erlebe nicht viel. Im letzten halben Jahr waren wir eigentlich nur auf Tour. In meinem privaten Leben passiert nicht so wahnsinnig viel abseits der Band. Gleichzeitig habe ich keine Lust, ein Album über das Tourleben zu schreiben oder über meine Beziehungen zu anderen Menschen. Deshalb habe ich zum Beispiel über meine Hündin Poppy geschrieben, die eine sehr unruhige Schläferin ist. Sie bewegt sich viel und ist sehr laut, das nervt. Deshalb habe ich daraus ein paar Textzeilen gemacht. Ich hole mir also von den verschiedensten Dingen Inspiration.

Du hast dich auch von anderen Bands anregen lassen. Der Song „Tightrope“ ist eine Ode an THE HIVES. Wie ist es dazu gekommen?
Natalie: Ich war schon immer Fan von THE HIVES. Ich bin mit diesem Sound aufgewachsen, weil mein Bruder die immer gehört hat. Im letzten Sommer haben wir sie dann beim Hurricane Festival getroffen. Wir haben uns erst ihre Show angeschaut und danach noch Zeit zusammen verbracht. Das sind die wundervollsten Typen, die ich bisher kennengelernt habe. Für mich ist das eine der besten Bands der Welt. Wir bewundern THE HIVES einfach, weil sie eine richtige Band sind, von der wir uns viel abschauen können. Sie beherrschen ihre Instrumente perfekt und müssen ihrem Sound nichts Künstliches hinzufügen.
Greg: Die sind nicht „smoke and mirrors“ wie man bei uns sagt. Sie geben nicht vor, etwas zu sein, das sie nicht sind. Die sind sehr authentisch auf der Bühne, wenn man vielleicht von den spektakulären Kostümen absieht, haha.

Ein anderer Song, den ich bemerkenswert finde, ist „Vacate“. Ein für eure Verhältnisse sehr langer Track. Der erinnert vom Gitarrensound her etwas an David Bowie oder JOY DIVISION. Habt ihre eine Verbindung zu diesen Helden aus den 1980er Jahren?
Greg: Es existiert wohl kaum ein Gitarrist in meinem Alter, der nicht von diesen Musikern inspiriert wurde. Ich bin mit David Bowie groß geworden, weil schon meine Eltern seine Platten ständig gehört haben. Er hat ein sehr umfangreiches Werk hinterlassen und ich entdecke immer wieder etwas Neues von ihm, das ich bisher noch nicht kannte. Als Produzent höre ich mir viele Dinge von Brian Eno an und den Sound, den er den Platten von Bowie verpasst hat. Vor allem vom Album „Heroes“ und seinen Soundscapes habe ich mich bei „Vacate“ sehr inspirierten lassen. Viele Bands kultivieren aktuell diesen Post-Punk-Sound und ich dachte, ich könnte dem einen neuen Spin verpassen. Noch viel stärker beeinflusst ist das Stück aber von LCD SOUNDSYSTEM und die berufen sich ja auch auf all diese Künstler aus den 1980ern. Vorher habe ich gar nicht darüber nachgedacht, aber wenn ich das im Nachhinein anhöre, fallen mir diese Dinge immer deutlicher auf. Der Song ist wie alle anderen aus dem Moment heraus entstanden, ohne Kalkül. Es hat sich einfach richtig angefühlt, das in diese Richtung zu lenken.
Natalie: „Vacate“ ist auch einer meiner Favoriten auf dem Album. Das Demo dafür war noch sehr roh und viel rockiger. Er bietet eine andere Perspektive auf unsere Musik. Vielleicht veröffentlichen wir irgendwann mal die ursprüngliche Demoversion, um den Leuten einen Einblick in den Entstehungsprozess des Songs zu geben. Das würde mir Spaß machen.

Greg, du hast das Album aufgenommen, gemischt und produziert. Und zwar in eurem eigenen Studio, das ihr während der Pandemie eingerichtet habt. Warum ist es euch wichtig, alles selbst zu machen?
Greg: Wahrscheinlich weil ich ein Kontrollfreak bin, haha. Nein, ich denke, wir haben innerhalb unserer Band eine interne Sprache entwickelt, die für uns perfekt funktioniert. Wir kennen uns schon so lange, wenn wir jetzt die Hilfe von externen Leuten in Anspruch nehmen würden, würde uns das nur eine Menge Zeit kosten. Die Kommunikation müssten wir erst völlig neu aufbauen. Wir wissen genau, was wir wollen, und ich kann diese Wünsche auch so umsetzen, dass alle in der Band damit zufrieden sind. Wir sparen eine Menge Zeit damit, dass wir nicht nach dem richtigen Studio und dem richtigen Sound suchen müssen. Ich mag die Songs so, wie sie klingen. Ich muss nicht ewig mit Produzenten oder Mischern herumdiskutieren, wie unsere Sachen klingen sollen. Es macht für uns einfach Sinn, alles unter einem Dach zu haben. Dazu passt auch, dass Natalie sich um unser komplettes Design kümmert, ob für Platten, Plakate oder Shirts. Wir haben alle eine ziemliche klare Vision von unseren Ideen. Wenn wir die selbst umsetzen, bedeutet das weniger Irrwege und Erklärungsnot. Das Ergebnis gibt ziemlich genau das wieder, was wir uns vorgestellt haben. Wir müssen nie so was sagen wie: Ach, hätten wir das doch anders gemacht ... aber jetzt ist es zu spät.

Arbeitet ihr auch für andere Bands? Im Studio oder im Atelier?
Greg: Ich arbeite in Melbourne auch für andere Musiker. Produktion und Mix. Momentan mische ich eine Band aus der Schweiz, das ist mein Job: Toningenieur, Mischer und Produzent.
Natalie: Ich habe gerade erst meinen Job hingeworfen. Ich gestalte also keine Designs mehr für andere Leute.

Ist es Zufall, dass alle in der Band neben der Musik noch eine passende Zusatzqualifikation haben? Oder habt ihr die Mitglieder gezielt danach ausgesucht?
Natalie: Das war kein Plan oder so. Das hat sich einfach entwickelt. Ich war vorher noch gar nicht Grafikdesignerin. Als es mit PRESS CLUB losging, hatte ich gerade erst angefangen zu studieren. Ich denke, das war auch eine Reaktion darauf, dass ich mit meinen Bands davor Probleme hatte, jemanden zu finden, der das richtig draufhat. Also wollte ich selbst lernen, wie man ein schönes Artwork gestaltet. Anfangs hatte ich aber noch nicht die nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten.
Greg: Das ist ein Henne-Ei-Problem. Was war der Auslöser und was die Auswirkung? Vielleicht hätte ich auch mit dem Produzieren aufgehört, wenn es mit der Band nicht so gut gelaufen wäre. Dann hätte ich wahrscheinlich alles hingeschmissen und wäre Bankangestellter geworden. Die zusätzlichen Aufgaben für die Bandmitglieder sind erst mit der Zeit gewachsen. Jeder von uns ist mit großer Leidenschaft für die Musik eingestiegen und das hat uns über die Jahre auch zusammengehalten: Der Spaß an der Musik und an den gemeinsamen Shows.
Natalie: Wir haben aber auch das starke Bedürfnis, unabhängig zu bleiben. Das wirkt sich auf alle Bereiche rund um die Band aus. Es ist sehr schwierig für uns, auch mal die Kontrolle abzugeben, wie die Platte klingen soll, wie das Artwork aussehen oder wie unser Social-Media-Auftritt ist. So sind wir einfach, das macht uns aus. DIY.

Es ist ein großer Vorteil in Zeiten, in denen die Musikindustrie immer mehr ins Straucheln gerät, wenn eine Band gut organisiert ist und sich um so viel wie möglich selbst kümmern kann.
Greg: Musik ist inzwischen nur noch ein kleiner Teil dessen, was eine erfolgreiche Band ausmacht. Es sollte eigentlich der größte und wichtigste Teil sein, aber das ist leider nicht so. Die Realität sieht anders aus. Wir müssen schon große Anstrengungen unternehmen, damit unsere Musik unser Publikum erreicht. Die Menschen konsumieren mehr Musik als je zuvor. Das ist großartig, weil man immer etwas Neues entdecken kann. Für uns als Band bedeutet das aber, dass es immer schwerer wird, die Aufmerksamkeit der Leute auf uns zu lenken. Deshalb wird das Arbeitspensum hinter den Kulissen immer größer. Vor allem wenn du kein großes Team um dich hast wie bei einem finanzstarken Majorlabel. Wir erledigen diesen ganzen Kram selbst, weil es sonst niemand tun würde.
Natalie: Die Art, wie Menschen neue Musik finden, hat sich total verändert. Oft ist alles auf ein Video reduziert, das viral geht. Aber ist das wirklich unser Weg? Das ist eine ziemliche Einbahnstraße in unseren Augen. Das Ox ist wahrscheinlich eines der wenigen Magazine, das Menschen noch gute Empfehlungen gibt, welche Bands sie sich anhören sollten. Ihr helft den Menschen, zu Bands auch eine Beziehung aufzubauen, die nicht auf ein lustiges Video reduziert ist. In meinen Zwanzigern war es eine viel größere Herausforderung, aufregende neue Bands zu entdecken. Es war wie eine Belohnung, wenn man etwas Neues entdeckt hat und all seinen Freunden davon erzählen konnte.
Greg: Deshalb ist es uns auch wichtig, Platten zu machen. Da können unsere Fans noch die Texte mitlesen und das Artwork studieren. Das hat uns ja auch selbst immer begeistert. Deshalb geben wir uns auch so viel Mühe, dass alles gut klingt und gut aussieht. Wir wollen, dass die Menschen unsere Platten als umfassendes künstlerisches Produkt wahrnehmen und genießen. Wir wollen nicht nur eine Nummer in einer Playlist sein. Es gibt immer noch jede Menge Leute da draußen, die sich auch genau das wünschen. Wir bekommen viele Nachrichten von Leuten, die das an uns sehr schätzen. Es ist immer noch sehr wichtig, dass die Leute auf diesem intensiven Level eine Verbindung zu unserer Musik herstellen können.

„To All The Ones I Love“ ist das erste Album, das ihr in Eigenregie veröffentlicht. Die drei Vorgänger sind über das britische Indielabel Hassle Records erschienen. Warum dieser Schritt?
Natalie: In Australien haben wir alle unsere Platten bereits in Eigenregie rausgebracht. Wir kennen uns also gut damit aus. Hassle haben aber wirklich einen guten Job gemacht, unsere ersten drei Alben in Europa zu promoten. Dafür werden wir ihnen ewig dankbar sein. Aber wir haben uns entschlossen, auch bei unserer Verbreitung in Europa auf eigenen Füßen zu stehen. Dabei hilft uns der Vertriebsdeal mit Cargo. Das sind großartige Leute.
Greg: Wenn wir über DIY reden, wissen wir natürlich, dass das alles nicht in einem luftleeren Raum passiert. Wir brauchen Unterstützung von Leuten vor Ort. Aber diesen Support haben wir. Wir fliegen nicht nach Deutschland und stellen unser Vinyl dort höchstpersönlich in die Plattenläden. Das ist unmöglich. Es hat sich aber richtig angefühlt, unser viertes Album ohne die Hilfe eines Labels zu veröffentlichen.

Zum Glück seid ihr bei Cargo. Denn einige Platten von australischen Bands wie PRIVATE FUNCTION oder STIFF RICHARDS sind bei uns selbst online nur schwer oder zu ziemlich hohen Preisen zu bekommen.
Greg: Da braucht ihr euch keine Sorgen zu machen. Wir haben inzwischen so eine große Fanbase in Europa, vor allem in Deutschland. Daher haben wir dafür gesorgt, dass unsere Platte alle Interessierten erreichen wird, und sie sich die Songs nicht nur auf Spotify anhören können.

Das Album erscheint am 2. Mai. Einen Tag später spielt ihr gleich zwei Release-Shows in Melbourne. Eine für alle Altersstufen und eine nur für Erwachsene. Warum das?
Natalie: In Australien dürfen Kinder und Jugendliche normalerweise nicht zu Konzerten gehen. Dafür brauchen Venues spezielle Lizenzen und die sind sehr teuer. Deshalb ist es sehr schwierig, All-Ages-Shows zu organisieren. Man muss erst mal einen Club finden, der das macht. Denn es verursacht Mehrkosten und es generiert auch weniger Umsatz. Aber es war uns zum Release unseres neuen Albums wichtig, dass auch Kids unsere neuen Songs hören können.
Greg: Solche Shows hat es, als wir jünger waren, noch öfter gegeben. Die Regularien, die in den letzten Jahren in Kraft traten, machen es inzwischen sehr kompliziert, eine Show für Minderjährige zu organisieren. Wir wären aber keine Musiker, wenn wir nicht für alle Altersstufen da sein wollten. Deshalb nutzen wir jede Gelegenheit, Shows für ein jüngeres Publikum zu spielen, selbst wenn sie nicht so viel Geld einspielen. Aber selbst wenn du nur vor 40 Kids auftrittst, sind das vielleicht 40 Kids, die später selbst mal in Bands spielen oder ein Instrument lernen werden. Weil es immer weniger solche Möglichkeiten gibt, ist es unsere Pflicht als Künstler, solche Orte zu finden und zu bespielen. Um die Kids von ihren Handys und ihren Bildschirmen zu holen und ihnen die Freude an der Kreativität näherzubringen. Das hat mir selbst auch sehr geholfen, deshalb ist es uns heute so wichtig.

Ihr spielt also zwei Shows in einem Venue. Eine für Kids und eine für Erwachsene?
Natalie: Ich weiß zwar noch nicht genau, wie ich das schaffen soll, aber so ist es, haha. Das wird ein langer Tag im The Tote Hotel in Melbourne. Übrigens ein nahezu historischer Ort für Konzerte.

Ihr habt inzwischen unzählige Shows in Europa gespielt. Sind die eigentlich anders als Gigs in Australien?
Natalie: Der größte Unterschied ist, dass du dich in Europa ins Auto setzt und innerhalb von vier Stunden in der nächsten größeren Stadt bist. Wenn du von Melbourne aus vier Stunden lang fährst, landest du mitten im Nirgendwo. Touren in Australien bedeutet für uns meistens zu fliegen. In Europa sind wir drei oder vier Wochen lang unterwegs und können täglich Konzerte spielen. Hier ist das nicht möglich. Montag, Dienstag und Mittwoch ist es praktisch unmöglich, in Australien aufzutreten.
Greg: Außerdem ist das Publikum in Europa auch bereit, für Konzerte eine längere Anfahrt auf sich zu nehmen. Die setzen sich einfach ins Auto und fahren zwei Stunden, um uns zu sehen. Das passiert in Australien nie. Hier würde sich niemand ins Auto setzen, um eine längere Strecke für ein Konzert zurückzulegen. Die Menschen hier haben einfach eine andere Einstellung. Wir fühlen uns immer sehr geschmeichelt, wenn wir hören, dass in Deutschland jemand drei Stunden lang mit dem Zug angereist ist. Das deutsche Publikum liebt Rock’n’Roll und ist bereit, dafür auch einiges zu investieren.

In Deutschland sprechen wir inzwischen von der „Australian Punk Explosion“. Immer mehr Bands aus Down Under kommen auf Tour. Warum läuft es gerade so gut für Australier in Europa?
Natalie: Die Möglichkeiten in Europa für australische Punkbands sind aktuell viel größer als bei uns zu Hause. Touren in Australien sind so schwierig geworden, mit den unzähligen Inlandsflügen. Das sind enorme Kosten für einzelne Shows in verschiedenen Städten. Es macht absolut Sinn, das gleiche Geld in die Hand zu nehmen und das Risiko auf sich zu nehmen, es in Europa zu probieren. Vielleicht zahlt es sich nicht sofort aus, aber es ist deutlich zu sehen, wie der Zuspruch von Mal zu Mal wächst.
Greg: Die Leute in Europa mögen einfach diese Musik. Die Subkultur und die Lust auf Anti-Establishment sind ähnlich wie bei uns. Es gibt auf jeden Fall eine Verbindung, die es den Europäern leicht macht, diese weitgereisten Bands zu mögen. Ich weiß nicht genau, worin die Verbindung besteht, aber es gefällt mir. Menschen, die nicht dieselbe Sprache sprechen und einen völlig anderen kulturellen Background haben, finden sofort einen Zugang zu unserer Musik. Sie kommen zu unseren Konzerten, schwitzen aus allen Poren, hüpfen wild durch die Gegend und fühlen sich für ein paar Stunden völlig frei, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätten. Das zeigen uns die Gespräche mit den Besuchern nach den Shows. Wir sind am anderen Ende der Welt aufgewachsen und trotzdem verstehen sie genau, was wir meinen.

Teil des Erfolgs ist aus meiner Sicht auch das Wilde, Ungestüme, das offenbar viele australische Bands mitbringen. Die Leute mögen einfach diesen Full-Contact-Punkrock.
Greg: Das hat sich in den kleineren Läden, die wir in Australien bespielen, im Laufe der Jahre so entwickelt. Viele Pubs, in die sich gerade mal 200 Leute reinquetschen können. Und solchen Gigs überträgt sich die Energie der Bands viel schneller aufs Publikum und der Alkoholpegel sorgt dafür, dass alle explodieren. In größeren Hallen mit Wellenbrechern und Absperrungen gibt es nicht so engen Kontakt und nicht so viel Energie. Bands wie THE CLOWNS, PRIVATE FUNCTION oder STIFF RICHARDS sind in diesen kleinen, schäbigen Clubs groß geworden und haben hunderte Konzerte in diesem Rahmen gespielt. Sie haben gelernt, mit dem Publikum zu arbeiten. Sie suchen den direkten Kontakt, steigen von der Bühne und heizen die Menge richtig an. Es macht einfach einen Riesenspaß, herumzuspringen und auszuflippen. Das ist es, was es ausmacht und das kommt eben von diesen kleinen Bühnen, auf denen alles angefangen hat.

Vor allem die Musikmetropole Melbourne ist bekannt für solche kleinen Clubs. Mehr als Sydney, Perth oder Adelaide. Gibt es einen typischen Melbourne-Sound?
Greg: Ich denke, andere Städte haben eher eine spezielle Musikidentität als wir. Brisbane zum Beispiel ist bekannt für Post-Hardcore-Sound. Es gibt dort einige Bands, die alle einen ähnlichen Sound produzieren. Melbourne ist sehr divers, würde ich sagen. Hier wohnen viel mehr Menschen. Es gibt definitiv einen australischen Punksound, das steht fest. Aber wenn du einen Melbourne-Sound suchst, musst du vielleicht jemanden fragen, der nicht aus Melbourne kommt, haha. Letztendlich ist es natürlich so, dass viele Musiker in frühen Jahren auf Shows von anderen Bands gehen, sich in den Sound verlieben und versuchen, das nachzumachen. Wie bei diesen australischen Proto-Punk-Bands wie THE SAINTS, RADIO BIRDMAN oder COSMIC PSYCHOS. Letztendlich leben wir hier auf einer riesigen Insel, der Einfluss von außen ist also vergleichsweise geringer.

Habt ihr eine Verbindung zu anderen Bands aus Melbourne, wie AMYL & THE SNIFFERS, THE CLOWNS oder PRIVATE FUNCTION?
Greg: Wir laufen uns ständig über den Weg. Vor allem innerhalb der Punk-Szene treffen wir uns laufend bei Konzerten oder Festivals. Und natürlich gibt es Pubs, in denen man regelmäßig andere Musiker und Musikerinnen trifft. Die Liebe zu diesem speziellen Sound verbindet uns alle. Unser Bassist Iain hängt regelmäßig mit Declan, dem Gitarristen von AMYL & THE SNIFFERS ab. Die Leute von PRIVATE FUNCTION sehen wir auch ziemlich oft. Melbourne ist wie ein großes Dorf. Man läuft sich ständig über den Weg oder trifft sich bei Partys. Allerdings werden wir langsam zu alt für Partys, haha. Manchmal gehen wir auch gemeinsam auf Tour.

Ihr verwendet für Melbourne den Begriff „Narrm“. Dieser Name wird von der Aborigine-Gemeinschaft häufig als Bezeichnung für die Stadt verwendet. Warum ist euch das wichtig?
Greg: Das ist Teil eines Awareness-Prozesses, in dem wir in Australien anerkennen, welches Unrecht den Ureinwohnern angetan wurde. Die Aborigines haben lange vor allen anderen in Australien gelebt und wurden von den europäischen Einwanderern verdrängt und schikaniert. Deshalb verwenden wir gerne den ursprünglichen und nicht den kolonialisierten Namen für die Stadt, als kleine Anerkennung. Wir halten es für kulturell sehr unsensibel, wenn man diesen Menschen nicht zuhört oder ihre jahrhundertealte Kultur einfach ignoriert. Aber natürlich ist das nur ein kleiner Baustein der Wiedergutmachung. Wir sehen da erst die Spitze des Eisbergs. Da muss noch einiges aufgearbeitet werden, was diesen Leuten über viele Jahre hinweg angetan wurde. Mit der Verwendung des Namens „Narrm“ sagt man eigentlich nur, dass die Gesellschaft das Unrecht anerkennt, das ihnen angetan wurde, und weiß, dass es eigentlich ihr Land ist.

Awareness ist auch ein großes Thema in der Punk-Szene in Deutschland. Hier geht es aber meist um unkorrektes Verhalten von Männern und Gleichberechtigung auf der Bühne. Ist das auch ein Thema für euch?
Natalie: Es gab definitiv Situationen, in denen ich als Musikerin das Gefühl hatte, dass Männer auf mich herunterschauen. Aber nach meinem Empfinden konnten wir uns als Band sehr schnell in der Szene etablieren, damit ist natürlich auch die Anerkennung für mich als Frau gewachsen. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar, anderen Frauen als Role Model dienen zu können, die auch auf die Bühne wollen. In den letzten Jahren sehe ich auch immer mehr Frauen bei den Shows. Zum Teil sogar direkt vor der Bühne. Da wurden schon Safe-Spaces geschaffen, in denen Frauen sich frei bewegen können. Da wird sehr darauf geachtet, dass jeder in der Crowd sich auch korrekt benimmt. Dass jeder ausflippen kann und trotzdem darauf achtet, dass jeder drumherum respektiert wird.

In Sachen Diversität sind uns australische Punkbands um einiges voraus. Fast jede bekannte Band hat mindestens eine Frau im Line-up. Oft sind es die Sängerinnen. Warum ist das so?
Natalie: Lange gab es fast gar keine Frauen auf der Bühne, aber irgendwann hat sich das schlagartig geändert. Das hatte auch mit dem öffentlichen Druck auf die Veranstalter zu tun, die gezwungen waren, Bands mit mehr Diversität zu buchen. Dadurch haben sich auch mehr Bands mit Frauen im Line-up gegründet und das ist seitdem stetig gewachsen. Mittlerweile habe ich den Eindruck, dass der öffentliche Druck nachgelassen hat, das läuft von ganz allein.
Greg: Unsere Szene hat sich inzwischen in die richtige Richtung bewegt. Aber natürlich gibt es immer noch jede Menge Dinge in diesem Bereich, die besser werden müssen.

Weltweit sind die Australier auch als heavy Biertrinker bekannt. Warum spielen Pubs so eine große Rolle bei euch?
Natalie: Wir treffen uns einfach gerne in Pubs, um zu quatschen und uns auszutauschen. Das sind einfach beliebte Treffpunkte. Da geht es nicht unbedingt darum, literweise Bier zu trinken. Für manche schon, haha. Die Freizeitaktivitäten sind bei uns nicht ganz so ausdifferenziert wie in anderen Teilen der Welt. Wenn man seine Freunde treffen will, geht man einfach in den Pub um die Ecke und trinkt ein paar Bier zusammen.

By the way: Natalie, bist du mit dem Brauereikonzern Foster’s verwandt?
Natalie: Nein, leider nicht. Das wäre cool, haha. Dann hätten wir einen tollen Sponsor und viel mehr Geld zur Verfügung. Damit wären unsere nächsten sechs Alben schon finanziert, haha.

Auf eurem letzten Album hatte ihr den Song „Untitled wildlife“, der sich mit den Auswirkungen des Klimawandels beschäftigt. Die treffen Australien hart mit Buschbränden und Überschwemmungen. Wie geht ihr damit um?
Natalie: Inzwischen gibt es jedes Jahr großflächige Feuer. Man hat sich schon fast daran gewöhnt, leider. Buschbrände hat es schon immer gegeben, aber es fühlt sich so an, also ob sie jedes Jahr größer und schlimmer werden. Darum geht es auch in dem Song „Untitled wildlife“. Wir selbst leben in Melbourne. Die Stadt liegt weit von diesen Feuern entfernt, wir sind also nicht in Gefahr. Allerdings ist die gesamte Stadt immer wieder voller Rauch. Das ist teilweise so schlimm, dass man kaum noch Luft bekommt. Es ist also fast unmöglich, sich nicht damit zu beschäftigen und sich keine Sorgen über den Klimawandel zu machen.
Greg: Das betrifft jeden. Also kann man auch nicht davor wegrennen. Man muss einfach etwas dagegen unternehmen. Schau dir die schlimmen Flächenbrände in Los Angeles an, das ist doch völlig verrückt. Ich denke, das Bewusstsein für das Problem muss noch weiter wachsen, damit endlich konsequent etwas dagegen unternommen wird. Bei den Wahlen stimmt die Mehrheit immer noch gegen die vermeintlich unbequemen Maßnahmen, die man eigentlich treffen müsste, um den Klimawandel zu bekämpfen. Das ist sehr frustrierend. Aber das ist überall auf der Welt ähnlich.

Begegnet ihr eigentlich oft den gefährlichen Tieren, die Australien zu bieten hat? Spinnen, Schlangen oder Haie?
Natalie: Ich bin auf einer kleinen Farm im Bundesstaat Victoria groß geworden, deshalb hatte ich wahrscheinlich mehr entsprechende Erlebnisse als der Rest der Band. Bei uns gab es jede Menge Braunschlangen. Ich erinnere mich, als mein Nachbar mit einem Eimer zu uns kam und uns eine Baby-Schlange gezeigt hat, die er gefangen hat. Das hat uns einen Riesenschrecken eingejagt, denn sie sah zwar voll süß aus, war aber genauso tödlich wie eine erwachsene Schlange. Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, mit Schlangen umzugehen. Das ist irgendwann keine große Sache mehr. Man achtet einfach darauf, wo man hintritt, wenn man in die Wildnis geht. You just don’t fuck with them.
Greg: Gerade auf Wanderwegen in Western Australia muss man sehr aufpassen. Da begegnen einem ständig Braunschlangen oder rotbäuchige Schwarzottern, die man bei uns Redbelly Snakes nennt. Wenn du eine Wanderung machst, kann es sein, dass du zehn Schlangen am Tag siehst. Und solltest du gebissen werden, musst du so schnell wie möglich ins Krankenhaus, sonst wird es ernst. In Australien kann dich alles töten, sobald du aus dem Haus gehst, haha. Aber die Wahrscheinlichkeit, von einem Auto überfahren zu werden, ist immer noch höher, als an einem Schlangenbiss zu sterben.

Wie sehen eure Pläne für dieses Jahr aus?
Greg: Im Juni werden wir definitiv nach Deutschland kommen, um ein paar Clubshows zu spielen. Und natürlich wollen wir auch in Australien eine Tour zum Album machen. Wir müssen also jede Menge Songs proben für die Shows, die dieses Jahr anstehen. Im Herbst oder Winter werden wir wohl noch einmal nach Europa kommen, um weitere Konzerte zu spielen.

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Aussie-Bandtipps von PRESS CLUB-Drummer Frank Lee

THE PRETTY LITTLES
Eine absolut klassische australische Band. Bis vor kurzem haben sie pausiert, aber jetzt sind sie wieder da.

SEMANTICS
Wir haben schon ein paar Mal mit dieser Band aus Brisbane gespielt und lieben einfach ihre Songs.

PLACEMENT
Diese Band aus Adelaide haben wir vor ein paar Jahren auf einer ganz besonderen, regional ausgerichteten Tour kennengelernt. Sie sprengen wirklich alle Grenzen und rocken hart ab!

MAC THE KNIFE
Diese Jungs kamen letztes Jahr den weiten Weg aus Sydney nach Melbourne, um uns zu supporten. Ihre Energie ist in der Branche ziemlich einmalig.

THESE NEW SOUTH WHALES
Ich weiß nicht, ob sie schon einmal in Europa waren, aber wenn nicht, wäre es höchste Zeit. Sie sind unheimlich witzig und auch so aufschlussreich. In Australien sind sie jedenfalls nicht mehr wegzudenken.

KAI CULT
Kai Cult ist einfach der Hammer. Ich kann nur sagen, schau dir diese kommende Legende an. Du wirst es nicht bereuen.

RAGING HORMONES
Wir hatten schon viele gemeinsame Auftritte mit den Hormones und mit ihrer Live-Show begeistern sie jedes Mal.

LONESOME DOVE
Wir haben diese Band aus Perth erst neulich entdeckt, der Name war uns kein Begriff. Aber als wir sie spielen hörten, haben wir uns gleich in sie verliebt. So schöne Musik!

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Diskografie
„Late Teens“ (LP/CD, Press Club/Hassle, 2018) • „Wasted Energy“ (LP/CD, Press Club/Hassle, 2019) • „Endless Motion“ (LP/CD, Hassle/Lunchroom, 2022) • „To All The Ones I Love“ (LP/CD, Press Club/Cargo, 2025)

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