© by PrivatIn dieser Artikelreihe stellen wir Menschen aus der Punk- und Hardcore-Szene vor, die sich im weitesten Sinne grafisch betätigen und Poster, Flyer und Cover gestalten. Diesmal sprechen wir mit Sebas Thériault aka SterioDesign aus Kanada.
Bitte stelle dich vor.
Mein Name ist Sebas Thériault. Ich bin 41 Jahre alt, Grafikdesigner und Illustrator und arbeite in der Musik- und Filmbranche. Ich bin 1994 zum Punk gekommen, als meine Schwester das GREEN DAY-Album „Dookie“ bekam. Ich war zehn und es hat mein Leben verändert.
Seit wann bist du künstlerisch aktiv, wie hat es angefangen, wie ging es weiter?
Ich habe schon immer gezeichnet, solange ich mich erinnern kann. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen und gegenüber von unserem Haus gab es eine Videothek. Ich habe meine Tage in diesem Laden verbracht und mir die vielen VHS-Hüllen angesehen. Ich bin nach Hause gerannt und habe die Cover aus dem Gedächtnis nachgezeichnet. Und so war es bei allem, was ich mochte. Ich zeichnete Eishockey-Logos, Eishockey-Karten, „Teenage Mutant Ninja Turtles“-, „Ghostbusters“- und „Star Wars“-Zeug nach. Später fand ich immer Wege, mich kreativ auszutoben. Als Teenager war es eine große Sache, meine Gitarren, mein Skateboard und meine Snowboards mit Stickern zu bekleben, ich tat das sehr, sehr überlegt und präzise. Ich entwarf auch meine eigenen Cover für VHS-Kassetten, Kassetten oder CDs.
Wie arbeitest du? Klassisch mit Papier und Farbe oder digital am Computer?
Ich arbeite jetzt ausschließlich digital, das ist viel schneller und flexibler. Mein wichtigstes Arbeitsgerät beim Zeichnen ist mein Wacom Cintiq-Tablet.
Bist du Autodidakt oder hast du eine klassische künstlerische Ausbildung?
Im Grunde habe ich mir als Kind alles selbst beigebracht.
Hast du künstlerische Vorbilder?
Als ich aufwuchs, habe ich zu Künstlern wie Drew Struzan aufgeschaut. Er ist verantwortlich für Filmplakate von „Star Wars“, „Zurück in die Zukunft“, „Indiana Jones“, „Das Ding aus einer anderen Welt“, „Blade Runner“ oder „Big Trouble in Little China“. Nachdem ich begann, mich für die Musikszene zu interessieren, begeisterte ich mich für Künstler wie Mark deSalvo. Ich bin immer noch ein großer Sammler von Filmpostern und stehe total auf moderne Künstler wie Matt Tobin Ryan, Ken Taylor, Dan Mumford, Jason Edmiston und Gary Pullin.
Und welche Stile haben dich beeinflusst?
Ich habe mich schon immer von verschiedenen Stilen inspirieren lassen. Ich finde es gut, vielseitig zu sein und bei verschiedenen Projekten immer wieder neue Stile auszuprobieren.
Kann man deine Kunstwerke kaufen? Und wie viel muss man dafür ausgeben?
Meine Kunst ist in verschiedenen Online-Shops meiner Kunden erhältlich, ich selbst verkaufe offiziell nichts direkt online. Ab und zu habe ich Künstlerdrucke, die ich anbieten kann, aber das war es im Moment auch schon.
Arbeitest du komplett frei oder auch auf Provisionsbasis? Zum Beispiel für Bands oder Konzertveranstalter?
Ich arbeite ausschließlich freiberuflich und auf Provisionsbasis. Das ist mein Vollzeitjob.
Wie sieht es mit Ausstellungen aus?
Das Punk Rock Museum in Las Vegas hatte die Idee, irgendwann eine Ausstellung mit meinen Werken zu organisieren. Schauen wir mal.
Künstliche Intelligenz ist derzeit der große Hype. Was hältst du davon? Bedroht sie deine Arbeit? Hat eine KI schon mal versucht, deinen Stil zu kopieren? Nutzt du sie?
Das ist ein ziemlich interessantes und kniffliges Thema. Sie bedroht meine Arbeit auf jeden Fall, da ich schon sehe, dass Bands KI für Poster, T-Shirts und Albumcover verwenden. Gleichzeitig verstehe ich es aus finanzieller Sicht bei kleinen Bands, denn warum sollte man ein paar Hunderter an einen Künstler zahlen, wenn man mit der KI etwas umsonst bekommen kann. Ich denke, es geht letztendlich um Ethik und Moral. Ich finde, alle Künstler sollten andere Künstler unterstützen wollen. Aber wenn es ums Geld geht, bleiben Moral und Ethik schnell auf der Strecke. Letztendlich bin ich stolz darauf, dass ich in der Lage bin, mir coole Konzepte auszudenken. Ich denke, das ist meine Stärke und das ist nichts, was die KI auch kann.
Was gibt dir deine Kunst emotional?
Das Beste an der Kunst ist, dass sie mir die Möglichkeit gibt, mich mit Dingen zu beschäftigen, für die ich eine Leidenschaft habe, und mich mit Künstlern zu verbinden und zu beschäftigen, die ich schon mein ganzes Leben lang bewundere. Für unzählige meiner absoluten Lieblingsbands arbeiten zu können, ist der Wahnsinn.
Und woher kommt der Name SterioDesign?
SterioDesign kommt von meinem Namen. Thériault ist ein französischer Name und wird „Terio“ ausgesprochen, also S für Sebas und Terio.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Joachim Hiller