© by Wolfram HankeRay Cappo ist eine der prägenden Figuren der Hardcore-Szene in New York. Mit seinen Bands YOUTH OF TODAY und SHELTER hat er Musikgeschichte geschrieben und mit Revelation Records ein einflussreiches Label gestartet. Gemeinsam mit seinem langjährigen Weggefährten John Porcelly feiert er den 30-jährigen Geburtstag des SHELTER-Albums „Mantra“. Vor der Show im Stattbahnhof in Schweinfurt treffen wir uns zum Interview.
Für mich ist das Gespräch mit dem Hare Krishna-Mönch ein besonderer Moment. Vor genau 30 Jahren war Ray Cappo der erste Musiker überhaupt, den ich für eine Zeitschrift interviewen durfte. Er in einem kleinen Hotel in München, ich Germanistikstudent, Anfang 20, schlechtes Schulenglisch. Über „Mantra“ verfasste ich mein erstes Review. Natürlich erinnert er sich nicht, als ich ihm meine Geschichte erzähle, aber er lacht und dann kommen wir ins Gespräch.
Ihr feiert mit der aktuellen Tour das 30-jährige Jubiläum von „Mantra“. Wie fühlt sich das an?
Ich habe dieses Album immer geliebt. Kaum zu glauben, dass schon 30 Jahre vergangen sind. Aber ich liebe es immer noch, auf der Bühne zu stehen und diese Songs zu singen. Jeder Track ist wie eine Meditation für mich. Ich kann jeden Abend auf die Bühne gehen, meine Augen schließen und intensiv über die Texte nachdenken. Ich bin also immer noch sehr verbunden mit den Ideen, Gedanken und Gefühlen, die mich begleitet haben, als ich diese Songs geschrieben habe. So geht es mir persönlich damit. Und wenn ich auf Tour bin, sehe ich, dass es den Fans genauso geht wie mir. Die Leute kommen auf uns zu und sagen: Wir waren schon vor 30 Jahren bei euch. Manche sagen sogar, dass sie uns schon länger kennen. Viele erzählen, dass sie das Album immer noch regelmäßig hören. Die Songs sind also immer noch Teil ihres Lebens. Ich habe nie die Langlebigkeit von „Mantra“ verstanden. Normalerweise veröffentlichen Bands eine Platte, die hören die Leute eine Weile und dann verschwindet die Band wieder oder ein Song wird zum Hit und die Musiker dahinter verschwinden in der Dunkelheit. Ich fühle mich sehr geehrt, dass die Leute bei uns immer noch die Clubs voll machen und ihnen die alten Sachen wichtig sind. Für mich gilt die Botschaft dieser Songs ewig.
Lass uns in deine Anfangstage als Musiker eintauchen. Du bist in den 1980ern aus Connecticut nach New York gekommen. Wie waren die Lebensumstände damals?
Ich bin in Connecticut aufgewachsen, habe aber schon als Teenager Konzerte in New York besucht. Meine Familie stammt ursprünglich aus New York, meine Eltern sind nach Connecticut gezogen, damit wir Kinder besser aufwachsen können. New York war in den 1980ern eine andere Welt. Kulturell war es sehr spannend, weil da viele interessante Dinge passiert sind. Es war aber auch sehr gefährlich. Vor allem die Gegend, in der wir oft waren, die Lower East Side. Dort ist aber eben auch jede Menge tolle Musik entstanden. Ich war dabei, als dort Hardcore aus der Taufe gehoben wurde, als all diese frühen Bands aufgetaucht sind und nach und nach ihre ersten Platten veröffentlicht haben. Diese frühen Platten sind heute wertvolle Zeitdokumente. Daraus hat sich allmählich eine Szene entwickelt, die immer stärker und einflussreicher wurde. Dort hat sich dieser Signature-Sound entwickelt. Dieser typische Hardcore-Sound und die Grundeinstellung, die dazugehört. Als wir 1985 mit YOUTH OF TODAY in der Szene aufgetaucht sind, hat die Sache noch einmal einen ganz anderen Spin bekommen: „Cleaner“ Hardcore, der vor allem Kids aus den Vororten von New Jersey und Long Island begeistert hat. Es war eine besondere Zeit. Es war aber auch über Hardcore hinaus eine faszinierende Zeit. Es war die Geburt von HipHop, Graffiti und Breakdance oder von berühmten Nachtclubs. New York war einfach ein großartiger Ort in den 1980ern. Ich wurde Zeuge einer urbanen Subkultur, die viele verschiedene Facetten unseres modernen Lebens prägte.
YOUTH OF TODAY waren damals deine erste Band in New York und wurden sehr einflussreich in der Straight-Edge-Szene. Wie bist du zu diesem enthaltsamen Lifestyle gekommen?
Schon als Kind hat mich eine „cleane“ Lebensweise immer angezogen. Ich habe nie großartig mit Alkohol, Tabak oder Drogen experimentiert. Ich mochte immer die Idee, meinen Körper gesund zu halten und nicht zu vergiften. Das war einfach mein Ding. Als der Ausdruck „Straight Edge“ geprägt wurde, dachte ich mir, das bin ich doch schon längst. Mir hat aber gleichzeitig auch der Gedanke gefallen, anders zu sein. Deshalb haben mich Punk und Hardcore sehr angezogen. Aber ich wollte mich nicht dem Lifestyle in der Szene anpassen, der in meinen Augen sehr erniedrigend war. Voller Vorwürfe, der ganzen Welt die Schuld für die eigene Unzulänglichkeiten gebend. Mit Alkohol, Drogen und Dingen, die ich abstoßend fand. Das wollte ich alles nicht, also habe ich mich entschieden, mich auf die Bühne zu stellen und zu sagen: Ich mag diese Musik, aber ich glaube nicht an all dieses Zeug. Das war einfach mein privates Ding. Ich habe YOUTH OF TODAY in Connecticut gegründet und dann sind wir mit der Band nach New York gegangen. Meine Familie hatte damals ein Apartment in New York, also sind wir alle gemeinsam in diese Wohnung gezogen. Das war ziemlich genau, als die erste Platte von YOUTH OF TODAY herauskam. Also perfektes Timing. Und wir waren damals schon mit vielen Bands aus New York befreundet, weil ich dort bereits unzählige Konzerte besucht hatte. Es war also ein sehr natürlicher Übergangsprozess, aber sehr schnell wurde klar, dass die Straight-Edge-Bewegung in New York zur Szene innerhalb der Szene wurde. Denn New York war damals voll von Drogen, Partys und Gewalt. Und das war einfach nicht unser Ding.
Nach fünf Jahren war erst mal Schluss mit YOUTH OF TODAY und du hast gleich danach SHELTER gegründet. Das war der nächste Schritt von der Abstinenz zur Spiritualität. Was hat den Ausschlag gegeben?
Als Teenager war ich ständig auf der Suche. Ich habe immer versucht, Weisheit in der Literatur zu finden. Ich habe ich mich zu fernöstlichem Gedankengut hingezogen gefühlt. Das hat mich schon immer begleitet, wenn ich Songs geschrieben habe. Ich hielt das immer für großartige Gedanken und Konzepte und wollte einen Weg finden, dies alles auch in meinem Leben zu integrieren. Ich hatte also ein gewisses spirituelles Interesse, war aber gleichzeitig auch sehr in meiner musikalischen Szene verwurzelt. Ich habe mich auf diesen spirituellen Pfad begeben, als YOUTH OF TODAY sehr erfolgreich wurden. Zu dieser Zeit ist mein Vater sehr krank geworden und gestorben. In der materiellen Welt erfolgreich zu sein und Bestätigung zu bekommen und gleichzeitig jemanden zu verlieren, der ein Anker in meinem Leben war, war ein Schock für mich. Es hat mich dazu gebracht, intensiv über den Sinn des Lebens nachzudenken. Warum machen wir das alles? Wollen wir so berühmt werden wie möglich? Wollen wir eine Botschaft unter die Menschen bringen oder erreichen, dass uns möglichst viele Leute kennen? Geht es darum eine Familie zu gründen oder viel Geld zu verdienen? Als mein Vater gestorben ist, habe ich alles in Frage gestellt. Sein Tod war auch eine Vorschau auf meinen eigenen Tod. Ich dachte damals, mich kann es auch jederzeit erwischen. Mein Vater ist sehr jung gestorben. Er war damals nur ein paar Jahre älter, als ich jetzt bin. Im Straight Edge-Lifestyle ging es immer darum, sich selbst weiter zu verbessern und diese Idee hatte kein Limit. Ich hatte also das Gefühl, ich kann das Level noch viel weiter anheben. Ich dachte nie: Jetzt bin ich straight edge, alles ist in Butter. Ich habe nie eine Ziellinie gesehen. Die Arbeit nach der Schwelle der Enthaltsamkeit spielt sich im Inneren ab. Deshalb war ich immer interessiert an spirituellem Unterricht von verschiedenen Meistern. Das hat mich dazu gebracht, immer weiter in dieser Richtung zu gehen. YOUTH OF TODAY haben also nur das Fundament für die Entwicklung gelegt, für den Weg, auf dem ich mich immer noch befinde.
Du bist in einen Hare Krishna-Tempel in New York gezogen. Wie war dein Leben zwischen der Popularität als Musiker und der Zurückgezogenheit als Mönch? Wie groß war der Abstand zwischen diesen beiden Welten?
Jeder, der in einer Band spielt und regelmäßig auf Tour geht, kann nachvollziehen, dass es ein gewisses Maß an Überwältigung und Erschöpfung gibt. Da sind immer jede Menge Menschen um dich herum mit großer Hoffnung und großer Wertschätzung, es gibt aber auch große Enttäuschungen. Das Leben auf Tour ist immer eine Achterbahn der Gefühle. Bei den Konzerten in der Öffentlichkeit zu stehen und vor Leuten aufzutreten, ist auf Dauer wahnsinnig anstrengend. Außerdem bin ich immer von Dingen umgeben, die ich nicht mag, wie Alkohol, Zigaretten oder Drogen. Also haben wir den Kontrast gesucht, indem wir in einen Ashram gezogen sind. Also eine Art Kloster, wo wir Yoga oder Meditation betreiben können. Da war alles schön sauber und die Leute sind früh ins Bett gegangen, um früh aufzustehen und ihre Aufgaben zu erfüllen. Wenn man in Clubs unterwegs ist, bleibt man lange auf und schläft dann lange. Das war also das komplette Gegenteil von dem, was ich vorher gelebt habe. Aber das Leben im Ashram hat eine Art Blase geschaffen, in der ich sehr sorgfältig entscheiden konnte, was ich vor meine Augen, in meine Ohren oder meine Nase lassen wollte. Ich fühlte mich wie ein U-Boot, das sich an die schlimmsten Orte begeben konnte und von all dem drumherum unberührt blieb. Ich denke, jeder braucht so einen Rückzugsort, egal, ob es ein Ashram ist oder ein anderer geschützter Raum. Damit wir selbst entscheiden können, wen wir in unser Leben lassen und wen nicht. Ich denke, das ist eine wichtige Fähigkeit für jeden von uns. Eine Wand aufzubauen und zu entscheiden, wer in unser Leben eintreten darf und wer nicht. Ich habe das in diesem Ashram gelernt.
Wie war dein Verhältnis zu den anderen Hardcore-Bands in New York? Zu den Leuten von SICK OF IT ALL, AGNOSTIC FRONT oder MADBALL? Die hatten einen anderen Lebensstil und ihr habt sie ständig bei Konzerten getroffen.
Die Jungs von AGNOSTIC FRONT habe ich immer geliebt. SICK OF IT ALL habe ich zu Revelation Records geholt. Ich habe ihr Demo in die Finger bekommen und ihnen gleich einen Plattenvertrag verschafft. MADBALL habe ich nie wirklich kennengelernt. Die sind erst nach uns aufgetaucht, deshalb sind wir uns nie nähergekommen. Mit diesen ganzen Jungs haben wir aber nie regelmäßig Zeit verbracht. Auch bevor ich im Ashram gelebt habe. Wir haben uns gegenseitig geschätzt, aber immer auf Distanz und obwohl ich schon als Teenager AGNOSTIC FRONT immer wieder zu gemeinsamen Shows mit YOUTH OF TODAY in Connecticut eingeladen habe. Ich hatte also ein gutes Verhältnis zu diesen Bands aus New York. Es war immer professionell und nett. Aber abseits von Konzerten habe ich mit ihnen nicht viel Zeit verbracht. Ich schätze, die Bands, mit denen ich am meisten zusammen war, waren BOLD oder später dann 108. Mit dem Einzug ins Ashram habe ich mich auch vom Leben in der Szene isoliert. Ich habe viel an meinem Innenleben gearbeitet. Als ich noch jünger war, haben sich ständig alle in mein Leben eingemischt. Deshalb wollte ich mich besser schützen und mich um mich selbst kümmern. Jetzt bin ich cool damit und kann mit jedem abhängen. Damals konnte ich das noch nicht. Das musste ich durch ein spirituelles Leben trainieren. Wir werden alle von Menschen, Dingen und Orten beeinflusst. Es gibt Menschen, die das Beste aus uns herausholen, und es gibt Menschen, die wirklich schlecht für uns sind. Und wenn du nicht die Fähigkeit hast, zu erkennen, was gut für dich ist, kannst du in völlig unterschiedliche Richtungen geschleudert werden.
New York gilt seit den 1980ern als Hauptstadt des Hardcore. Warum konnte diese Szene ausgerechnet dort so gut gedeihen?
Es war damals ziemlich hart, in New York zu leben. Man musste sehr clever sein, um auf der Straße nicht unterzugehen. Jeder hat versucht, einen abzuziehen oder einem irgendwas zu klauen. Man musste also damit klarkommen, dass Leute einen an jeder Ecke verletzen wollen. Deshalb sind New Yorker vielleicht ein bisschen zynischer als andere Leute. Sie sind verschlossener und wachsamer. Das musste man auch sein, weil es immer jemanden gab, der einem was wegnehmen wollte. In New York konnte man weder den Kriminellen noch den Cops vertrauen. Es gab außerdem alle möglichen ethnischen Gruppen, die nicht unbedingt miteinander verschmolzen sind. Viele haben Gangs gebildet und sich überhaupt nicht integriert. Also musste man möglichst schnell eine gewisse Gewieftheit entwickeln. Und die Musik hat das alles reflektiert. Musik, die ein bisschen grimmiger und wütender war als alles andere. Weniger melodisch. In allen Platten, die damals herauskamen, steckte mehr Feuer drin als üblich. Deshalb war New York immer mein Lieblingsplatz für Musik. Das hat sich immer sehr echt und sehr authentisch angefühlt.
Gleichzeitig ist Hardcore eine sehr körperliche Musik. Da geht es auf und vor der Bühne richtig zur Sache. Woher kommt das eigentlich?
In New York war Tanzen immer ein ganz besonderes Ding, das ist mir erst klar geworden, als ich mal in Kalifornien war. In Los Angeles war es völlig langweilig. Die wussten anfangs nicht einmal, wie man von der Bühne springt. Bei den langsamen Parts sind sie einfach im Kreis gelaufen und bei den schnelleren Parts standen sie einfach nur da. In New York gab es schwarze Gürtel in Stagediving und Slamdancing. Keine Ahnung, wo das herkam, ich fände es selbst interessant, den Ursprung davon zu recherchieren. Es hat sich einfach völlig richtig angefühlt. Vielleicht, weil die Clubs viel kleiner waren als in Kalifornien. Im Fender’s Ballroom in Los Angeles hat man schnell vor 3.000 oder 4.000 Leuten gespielt. Im CBGB’s in New York waren es nicht mehr als 350 Leute, die in einen langen, schmalen Raum gequetscht waren. Dort wurde Tanzen zu einer Kunstform. Es gab eine Art zu tanzen und eine Art, wie man das nicht machen konnte. Es war fast so, also ob jemand zu einem Gesellschaftstanzabend geht und dann kommt jemand rein und tanzt Ballett. Das funktioniert einfach nicht. In New York hat sich also eine bestimmte Art zu tanzen etabliert. Und wenn du das nicht gemacht hast, hast du einen auf die Fresse bekommen. Das klingt im Rückblick dumm, aber so ist es einfach passiert. Wenn du dich falsch bewegt hast, wurde das bestraft. Es war sehr gewalttätig, aber wir haben es alle geliebt.
Aber nicht jeder hat SHELTER geliebt. Ihr wurdet in der Szene hart für eure Ansichten und euren Lebensstil kritisiert. Wie bist du damals damit umgegangen und wie ist das heute?
Das war bei YOUTH OF TODAY auch schon so. Ich werde schon mein gesamtes Leben lang kritisiert. Aber wenn du herumsitzt und wartest, bis alle den Daumen für dich heben, wirst du nie etwas erreichen. Ich denke, jeder muss an das glauben, was er macht. Du musst komplett immun sein gegen Menschen, die dich hassen, aber auch gegen Leute, die dich für den Besten halten. Du musst einfach selbst wissen, wer du bist und was deine Mission ist, anstatt darüber nachzudenken, wer dich wohl mag und wer nicht. Was auch immer die Leute über mich denken, ist nicht mein Thema. Sie können denken, was sie wollen. Ich selbst muss glücklich damit werden, wie ich bin. Ich muss mich nur darum kümmern, was ich über mich selbst denke.
Aktuell seid ihr mit SHELTER in Europa auf Tour, YOUTH OF TODAY haben für Juli Konzerte in den Staaten angekündigt. Wie ist der aktuelle Status der beiden Bands?
Unser Schlagzeuger Sammy Siegler ruft mich hin und wieder an und fragt, ob ich die eine oder andere Show spielen kann. Und eigentlich sage ich immer ab, aber diese Tour hat mich gereizt. Vor allem weil gerade meine Biografie „From Punk To Monk“ erschienen ist. Deshalb wollte ich sowieso nach Europa reisen, um das Buch zu promoten. Außerdem bin ich Yoga-Lehrer und war für ein großes Yoga-Festival in Göteborg in Schweden angefragt. Also haben wir alles miteinander verbunden. Wir waren in Schweden, Deutschland, Ungarn, Österreich, Holland und Belgien. Es gibt keinen Plan, wie wir das mit den Bands handhaben. Sammy spielt in mehreren Bands und daher bekommt er auch immer wieder Anfragen für YOUTH OF TODAY oder SHELTER. Deshalb stehe ich ab und zu wieder auf der Bühne. Die Bands sind nicht etwas, das ich aktiv verfolge. Ich mag diese Typen einfach sehr, wir haben viel Spaß zusammen. Also bin ich dabei, wenn ich gerade Zeit dafür habe. Ich habe eine Weile überlegt, eine letzte Platte aufzunehmen. Allerdings ein Solo-Album. Aber die anderen in der Band reden längst darüber, neue Songs zu schreiben und aufzunehmen. Wir werden sehen, aktuell denke ich nicht darüber nach. Es ist eine Menge Arbeit, ein Album aufzunehmen. Dafür braucht man viel Zeit und Ruhe. Ich habe alle meine Alben veröffentlicht, bevor ich selbst Kinder hatte, haha.
Du hast schon deine Memoiren erwähnt, die vor etwa einem Jahr erschienen sind. Wie war es für dich, dein Leben zu Papier zu bringen?
Es war eine großartige Erfahrung, dieses Buch zu schreiben. Es war eine einmalige Möglichkeit, intensiv auf mein Leben zurückzublicken. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie alles angefangen hat, wo ich Probleme hatte und welchen Sinn diese Probleme hatten. Wir denken immer, Schwierigkeiten machen uns nur das Leben schwer, aber je öfter du darauf zurückschaust, desto mehr realisierst du, dass diese Momente auch Geschenke an dich waren, um zu wachsen. Wenn immer alles locker und leicht läuft, wächst du nicht. Ich musste also auf viele schmerzhafte Zeiten und Dinge in meinem Leben zurückschauen und habe gelernt, sie zu schätzen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Wolfram Hanke