RESPIRO NOCIVO

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Punka aus Italien

Es gibt viele italienische Punkbands, die sehr vielversprechend klingen. In den letzen Jahren habe ich einige davon kennen gelernt. Die Band RESPIRO NOCIVO wurde durch ein Publikumsvoting zum Summerside Festival eingeladen und bekommt nun die Chance, sich auf einer großen Bühne vorzustellen. Ich habe mich mit Simone Milesi über seine Band unterhalten.

Euer Album „Cor Meum Anima Mea“ wurde 2022 veröffentlicht und diesen Sommer spielt ihr die Songs auf der Bühne beim Summerside Festival. Ihr wurdest vom Publikum ausgewählt, um dort aufzutreten – was bedeutet diese Art der Anerkennung für euch?

Es ist eine immense Ehre, bei diesem prestigeträchtigen Schweizer Festival aufzutreten, einem der wichtigsten Musikevents in Europa. Wir sind zutiefst dankbar für die Unterstützung, die wir von so vielen Menschen erhalten haben – diese Art der Anerkennung zeigt uns, dass unsere Leidenschaft und unser Engagement wirklich bei den Menschen ankommen. Die Möglichkeit, unsere Songs auf einer so großen Bühne zu spielen, ist ein klares Zeichen, dass wir in die richtige Richtung gehen. Unser neuestes Album „Cor Meum Anima Mea“ markiert ein wichtiges Kapitel in unserer Reise – es ist eine tiefe Synthese unserer Erfahrungen und Emotionen, die darauf abzielt, mit den Zuhörern auf einer tiefgründigen Ebene in Verbindung zu treten. Es erfüllt uns mit Stolz, zu sehen, wie das Album in den Reaktionen der Menschen lebendig wird, und es gibt uns die Kraft, weiterhin Grenzen zu überschreiten und uns weiterzuentwickeln. Wir haben durch diese Erfahrung gelernt, dass jede Note und jedes Wort die Macht haben, einen Unterschied zu machen und eine echte Verbindung aufzubauen zwischen uns und denen, die uns zuhören.

Wie war der kreative Prozess bei der Arbeit an „Cor Meum“? Gab es unerwartete Herausforderungen oder Durchbrüche?
Das Album entstand in einer äußerst schwierigen Zeit: inmitten der Corona-Pandemie. Es waren Umstände, die sowohl die Chance als auch die dringende Notwendigkeit mit sich brachten, tief in uns zu graben und alles herauszulassen, was in uns war. In dieser Zeit der Isolation und Unsicherheit wurde das Schreiben zu einem essentiellen Ventil, um Schmerz, Wut und all die rohen Gefühle unserer inneren Welt auszudrücken. Jeder Track war wie ein Akt der Befreiung, eine Stimme, die auf Emotionen antwortete, die zu intensiv waren, um sie verschüttet sein zu lassen. Jeder Song auf dem Album spiegelt ein wichtiges Stück unserer persönlichen und künstlerischen Geschichte wider. Besonders starke Resonanz erfahren gerade Tracks wie „Life & death“ und „Internazionale della razionalità“, die sich mit den harten Realitäten von Krieg und Traumata auseinandersetzen. Gleichzeitig sprechen Songs wie „Destini segnati“ und „Portami via“ die Frustration an, innerhalb eines kapitalistischen Systems zu leben, das auf Ausbeutung aufgebaut ist, während sie trotzdem an der Hoffnung auf etwas Besseres festhalten. Jeder Song ist eine Hymne der Resilienz – ein Aufruf, nicht aufzugeben, weiter zu träumen und für eine gerechtere und empathischere Welt zu kämpfen.

Was bedeutet es, heute eine Punkband zu sein? Hat sich die Definition von Punk im Laufe der Jahre für euch verändert?
Punk sein bedeutet heute, den Geist der Rebellion zu reaktivieren, den Bands wie THE CLASH von Anfang an verkörperten. Punk war nie und kann niemals nur ein Trend oder ein Stil sein. Er ist ein lebendiges Werkzeug für gesellschaftliche Kritik, ein Megafon für die Stimmlosen. In einer Zeit, in der die Ungleichheit weiter wächst, Nationalismus und Hass zunehmen und der Autoritarismus in Europa wieder auf dem Vormarsch ist, spüren wir die Dringlichkeit, unsere Musik und Texte in den Dienst von Gerechtigkeit und Widerstand zu stellen. Angesichts der Kriege in Europa und der Welt, während die westlichen Systeme auf fragile politische und wirtschaftliche Strukturen angewiesen sind, ist kein Platz für oberflächliche Texte oder Sofa-Punk-Ästhetik. Unser Ansatz geht zurück zu den Wurzeln: Wir beziehen klar Stellung gegen alle Formen von Faschismus und Rassismus, sprechen den Klassenkampf von oben an und versuchen, eine Brücke zwischen Straßenprotesten und den Menschen, die unsere Alben hören, zu schlagen. Jedes Riff, jeder Shout soll die Gedanken erschüttern und eine alternative Perspektive bieten – ein Anstoß, sich von unten zu organisieren. Für uns ist Punk auch Gemeinschaft: Wir wollen nicht nur Shows spielen, sondern Räume für Dialoge, Workshops, Benefizkonzerte und Solidaritätsaktionen aufbauen. Wir glauben, dass nur der Rückgriff auf die Grundlagen der Bewegung – DIY, gegenseitige Hilfe, Internationalismus – der einzige wahre Weg ist, gegen die herrschende Atmosphäre der Apathie und Angst zu kämpfen.

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