© by Kathy GarciaMit ungebremster Energie touren RESTRAINING ORDER seit Jahren quer durch die USA und Europa. Nun wartet die Band aus Massachusetts mit ihrem dritten Studioalbum „Future Fortune“ auf. Im Gespräch erzählt Sänger Patrick, wie er Erfolg definiert, warum Routine keine Option ist und wieso manchmal die simpelsten Texte das meiste Gewicht haben.
Ihr seid eine sehr tourfreudige Band und veröffentlicht nun euer drittes Album. Wie messt ihr Erfolg?
Für uns bedeutet Erfolg, dass wir weitermachen können: spielen, touren, neue Musik schreiben und überall hinkommen, wo Leute uns hören wollen. Solange das klappt, fühlt es sich an, als würden wir etwas Besonderes schaffen.
Habt ihr feste Ziele, zum Beispiel eine bestimmte Anzahl an Konzerten pro Jahr?
Ja. Wir wollen auf jeden Fall die 100 Shows im Jahr erreichen – einmal waren es 98, also knapp verfehlt. Grundsätzlich möchten wir jedes Jahr eine komplette US-Tour spielen, mindestens einmal international unterwegs sein, Festivals mitnehmen und Einzelshows mit Freunden machen.
Am Anfang wolltet ihr klingen wie eine Hardcore-Band von 1982. Auf dem neuen Album höre ich eher 1985 – Rock trifft Hardcore. Seht ihr euch trotzdem noch als dieselbe Band?
Definitiv. Wir sind beim dritten Album und fügen einfach immer neue Einflüsse hinzu. Wir schauen, wie weit wir unsere Musik treiben können, ohne das Grundgefühl zu verlieren.
Setzt ihr euch Grenzen, was musikalische Experimente angeht?
Ja, schon. Es gibt Songs, die wir bewusst zurückgehalten haben, weil sie eher der nächste Schritt gewesen wären. Aber genau das ist spannend, man wächst, wird besser und probiert Neues aus.
Eure Songs sind oft unter zwei Minuten lang. Wie schreibst du trotzdem Texte, die hängenbleiben?
Das passiert mittlerweile recht leicht, wir haben eine gewisse Formel entwickelt. Aber es bleibt eine Herausforderung, zwölf Songs abwechslungsreich zu gestalten. Wenn man dann eine gute Hook hat, fühlt sich das sehr lohnend an.
Könntest du dir längere Songs vorstellen, vielleicht ein Fünf-Minuten-Epos?
Sicher. Ich glaube, irgendwann wird das kommen. Bisher schreiben die anderen die Musik, und ich steige mit den Texten ein. Aber ich sehe das auf uns zukommen.
Auf dem Album gibt es Soli und experimentellere Parts. Sind die geplant oder improvisiert?
Meist improvisiert. Im Studio wurde viel ausprobiert, und live spielen wir dann die Versionen, die auf dem Album gelandet sind.
„Used love“ sticht heraus, eher instrumental, mit Indie-Gitarrensound. Wie entstand der Song?
Den haben wir schon ein Jahr vorher als Demo aufgenommen. Er ist anders als der Rest, aber trotzdem typisch für uns. Textlich wollte ich es da sehr simpel halten, aber mit Gewicht.
Auch der Bass-Sound von „Freeride“ ist sehr markant. Entstand das erst in der Produktion?
Ja, wir haben beim Aufnehmen noch Effekte und Pedale ausprobiert, damit er richtig raussticht.
Gibt es auf dem Album ein thematisches Konzept in den Texten?
Viele Texte spiegeln einfach wider, was in meinem Leben gerade passiert. Es gibt Blicke in die Zukunft, Freude am Moment, aber auch Dinge, die ich mich früher nicht getraut hätte zu schreiben. Beim dritten Album hat man diese Angst nicht mehr.
In welchen Situationen entstehen deine Texte? Schreibst du die eher unterwegs oder zu Hause?
Ganz unterschiedlich. Mal sofort, wenn ich den Song höre, mal erst im Studio, manchmal auch auf Tour. Am häufigsten aber in meinem Zimmer, wenn ich den Song immer wieder laufen lasse.
Dein Gesang bleibt eher klassisch Hardcore, während die Musik zunehmend breiter aufgestellt ist. Hast du mal andere Gesangsstile ausprobiert?
Wenn ein Song es verlangt, probiere ich Neues. Aber meistens folge ich einfach dem, was die Musik vorgibt.
Ihr habt wieder mit Will Hurst aufgenommen, diesmal aber nicht von ihm mixen lassen. Warum?
Das kam von unserem neuen Label. Will ist ja auch unser Drummer, und so hatte er weniger Stress. Für uns war es auch eine Chance, etwas Neues auszuprobieren.
Warum der Wechsel von Triple B zu Blue Grape Music?
Triple B war super, aber nach zwei Platten wollten wir einfach einen Wechsel. Blue Grape hat unser Demo gehört, mochte es – und wir haben zugesagt.
Erhofft ihr euch davon mehr Möglichkeiten?
Es ist ein neues Umfeld, mit Leuten, die schon lange im Musikbusiness sind. Wir wollen sehen, was da noch geht.
Wenn alles irgendwann zur Routine wird, würdet ihr dann aufhören?
Nein, wir machen einfach immer weiter.
Was war das Wichtigste, das du auf Tour gelernt hast?
Vor allem, gesünder zu leben – gerade als Sänger, damit die Stimme hält. Außerdem viel über Freundschaft, Menschen und die Welt im Allgemeinen. Man lernt, wie klein die Welt eigentlich ist.
Und ohne die Band – hättest du das auch gelernt?
Vielleicht irgendwann, aber die Band hat es beschleunigt. Dafür bin ich sehr dankbar.
Also sollte jeder eine Band gründen?
Jeder sollte das machen, was er liebt. Das ist das Wichtigste.
© by Fuze - Ausgabe #114 Oktober/November 2025 und Manuel Stein
© by Fuze - Ausgabe #114 Oktober/November 2025 und Manuel Stein
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Benjamin Korf