REVOCATION

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Hasta la vista, baby!

Mit ihrem neunten Studioalbum „New Gods, New Masters“ veröffentlichen David Davidson und seine Mitstreiter nun das neunte Studioalbum. Wir sprechen mit dem Amerikaner über das kommende Werk und das dominierende Thema des Albums: Künstliche Intelligenz.

Was war die letzte wirklich gute Erfindung der Menschheit?

Mensch, ich habe das Gefühl, die Menschheit erfindet eigentlich ständig interessante Sachen. Jedes Jahr kommt irgendwas Neues. Zum Beispiel gibt es gerade Firmen im Bereich Gen-Editing, die kurz davor sind, die Zulassung zu bekommen. Man untersucht da auch die Nebenwirkungen, aber es gibt das Potenzial, dass man mit der CRISPR-Technologie unheilbare Krankheiten behandeln kann – indem man das Genom von Menschen bearbeitet, Abschnitte hinzufügt oder entfernt. Ich finde das mega beeindruckend. Und das ist nur eine von vielen Entwicklungen in der Wissenschaft, die aktuell passieren.

Trotzdem wirken der Albumtitel und das Artwork ziemlich negativ, wenn es um die Menschheit und die Entwicklung der Technologie geht. Warum habt ihr euch für diese Perspektive entschieden?
Weil ich mir wirklich Sorgen mache, wohin die ungebremste technologische Entwicklung – speziell die Künstliche Intelligenz – die Menschheit führt. Wir bauen Maschinen, die für uns denken können, schneller und besser als wir in nahezu jedem Bereich. Es ist nur eine Frage der Zeit. Das Thema war für mich unglaublich aktuell, als ich die Texte vor über einem Jahr schrieb. Jetzt, wo das Album rauskommt, dreht sich ja alles um KI. Und es sind nicht nur die „Alarmisten“, die besorgt sind, sondern auch die CEOs selbst. Sam Altman, der CEO von ChatGPT, hat zum Beispiel öffentlich gesagt, dass KI das Risiko birgt, die Menschheit zu vernichten. Ob es diesen Preis wert ist? Ich glaube nicht.

Ich finde es interessant, aber auch frustrierend, dass Science-Fiction-Autoren dieses Bild schon vor Jahren gezeichnet haben – ob in „Dune“, „Terminator“ oder „Matrix“. Alle warnen vor KI-Kriegen oder Robotern, und trotzdem steuern wir genau darauf zu.
Ja, das kann man sogar noch weiter zurückverfolgen – zu „Frankenstein“ zum Beispiel. Klar, das ist vielleicht keine Technologie im engeren Sinne, aber es geht darum, dass Menschen mit Kräften spielen, die sie nicht verstehen. Das ist wie die Büchse der Pandora: Wir haben sie geöffnet und können sie nicht mehr schließen. Wenn wir keinen Weg finden, das einzudämmen, dann geschieht das auf unsere eigene Gefahr.

Du veröffentlichst ja neben dem Album auch einen Comic beziehungsweise eine Graphic Novel. Worum geht’s da, und wie hängt das mit dem Album zusammen?
Der Comic basiert direkt auf den Texten des Albums – es ist quasi das visuelle Pendant dazu. Jeder Song hat sein eigenes Kapitel. Tony McGraw, der Künstler, ist ein echter Visionär und ein unglaublicher Illustrator. Die Panels, die ich bisher gesehen habe, sind wirklich beeindruckend.

Ihr hattet ja schon Konzeptalben in der Vergangenheit – „Netherheaven“ drehte sich um die Hölle, „The Outer Ones“ davor war H.P. Lovecraft gewidmet. Wann war klar, dass es diesmal richtig konzeptionell wird?
Eigentlich direkt nach „Netherheaven“. Ich wollte unbedingt das Thema KI und Technologie angehen – die dystopischen Entwicklungen, in die das führen könnte. Das sind einfach riesige Themenfelder, über die man viel schreiben kann. Sobald „Netherheaven“ fertig war, habe ich schon angefangen, über das neue Album nachzudenken.

Auf dem letzten Album hattest du mit „Strange and eternal“ ja schon versucht, Musik und Story eng zu verbinden. Gibt es etwas Vergleichbares auf dem neuen Album, wo Musik und Text extrem zusammenpassen und gemeinsam eine Geschichte erzählen?
Auf jeden Fall. Zum Beispiel das Stück „The all seeing“ hat keinen Text, aber die Musik klingt sehr chaotisch, fast wie ein Supercomputer, der sich auflädt. Oder „Cronenberged“, da geht’s um eine Figur, mit der experimentiert wird und die sich schließlich in ein Monster verwandelt, das den Wissenschaftler tötet. Jonny Davy von JOB FOR A COWBOY performt dieses Monster als Gastsänger. Bei „Confines of infinity“ ist Travis von CATTLE DECAPITATION die personifizierte Rache-KI, die die Menschheit auslöscht. Das erzeugt richtig starke Bilder. Auch der Opener „New gods, new masters“ ist ein Instrumental, aber soll eine triumphale, doch gleichzeitig düstere Stimmung schaffen – als ob es eine Feier gibt, bei der die dunklen Wolken schon am Horizont aufziehen. Ein Thema des Albums ist ja auch die Art, wie die Menschheit die Technologie anbetet, als wäre sie eine neue Gottheit, ihr „goldenes Kalb“. Die Musik spiegelt all diese Gefühle wider: episch, düster, wuchtig und stellenweise experimentell und SciFi-artig.

Ihr habt ja ziemlich viele Gäste bei den neun Songs. Wie viele Features sind denn zu viele?
Solange sie der Musik dienen und etwas zur Geschichte beitragen, finde ich es okay. Gäste fügen dem Ganzen Tiefe und Komplexität hinzu. Ich würde mich bei jedem Song über einen Gast freuen, wenn es denn passt. Und hier sind einige absolute Spitzenmusiker dabei – zum Beispiel einer der besten Jazzgitarristen der Welt plus drei extrem einflussreiche Vokalisten aus der Death-Metal-Szene. Die bringen verschiedene Charaktere und Stimmen in das Album ein, das insgesamt ziemlich episch und vielschichtig ist.

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Gilad Hekselman? Die anderen Gäste sind ja eher naheliegend, aber er kommt nicht wirklich aus dem Extreme-Metal-Bereich.
Haha. Mittlerweile ist er definitiv damit verbunden. Ich habe Gilad vor ein paar Jahren in New York kennen gelernt. Wir haben einen gemeinsamen Freund, Tosin Abasi von ANIMALS AS LEADERS. Nach einem Gig habe ich ihn angesprochen, wir haben uns super verstanden und sind in Kontakt geblieben. Ich habe ihn auch schon bei Jazz-Shows besucht, das war ein tolles Erlebnis. Als ich Gäste für das Album gesucht habe, dachte ich, Gilad wäre eine geniale Überraschung. Ich habe ihm einfach eine Nachricht geschickt mit der Einladung, einen Solo-Part zu spielen – und er war sofort dabei.

Wenn du einen Einstieg in Gilads Musik empfehlen solltest, welchen würdest du nennen?
Er hat gerade ein neues Album namens „Downhill From Here“ rausgebracht – das kann ich sehr empfehlen. Außerdem finde ich sein Album „Split Life“ großartig. Und er war auf dem „Trio Grande“-Album mit Antonio Sanchez und Will Vinson dabei. Also am besten einfach mal reinhören, vor allem in das neue Werk.

Du hast schon beim letzten Mal schon viel selbst aufgenommen, aber das Mixing und Mastering bei Jens Bogren machen lassen. War das auch diesmal so?
Genau. Die Drums wurden in Richmond aufgenommen, den Rest – Gitarren und Gesang – habe ich in meinem Heimstudio gemacht, Alex hat den Bass bei sich aufgenommen. Dann haben wir alles an Jens geschickt, der hat wieder eine super Arbeit gemacht.

Was hast du beim Aufnehmen gegenüber „Netherheaven“ verbessert?
Ich bin viel routinierter im Aufnahmeprozess geworden. Bei „Netherheaven“ war vieles neu für mich, da habe ich oft YouTube-Tutorials gebraucht, um Probleme zu lösen. Das hat den Ablauf ziemlich gebremst. Jetzt bin ich viel sicherer, probiere mehr Sachen aus, mach mehr Vocaltakes, füge mehr Layer ein. Es ist zwar immer noch aufwändig, aber statt Anfängerfehlern mache ich jetzt eher fortgeschrittene Dinge. Die Gesangsproduktion ist auf dem neuen Album vermutlich eine der aufwändigsten, die wir je hatten.

Ich hab noch eine Frage, die deine verschiedenen Interessen kombiniert. Du hast ja viele Einflüsse – von Horror wie „Cronenberged“ – ich habe gehört, der Song kam von einer „Rick & Morty“-Folge – zu jazzy-progressiven Parts, SciFi, Thrash, Death Metal und natürlich deinem Interesse an KI und früher auch satanischen Themen. Wie sehr genießt du es, all diese Interessen bei REVOCATION zusammenzubringen? Wie erfüllend ist das nach all den Jahren?
Das ist echt fantastisch. Ich kann so viele meiner Interessen in einem Projekt bündeln und daraus Kunst machen, die andere erfreut. Meine Neugier und mein Interesse sind riesig, es gibt immer etwas zu entdecken. Zwischen diesem Interview und einer Gitarrenstunde, die ich später habe, werde ich wahrscheinlich auch noch Jazzstücke transkribieren, nur um den Kopf beschäftigt zu halten. Für mich ist das einfach natürlich. Musik, vor allem Protestmusik, kann Themen aufgreifen, die tabu sind oder die gesellschaftlich ignoriert werden. Ich versuche, mit diesem Album meinen Beitrag zu einem sehr wichtigen Thema zu leisten, das existenziell ist: Was bedeutet es, Mensch zu sein, kreativ zu sein, einen Sinn zu finden – wenn Maschinen das alles übernehmen könnten? Wird diese Superintelligenz gut oder böse sein? Wird sie uns wie Ameisen betrachten und uns einfach aus dem Weg räumen? Das sind große Fragen, und ich hoffe, dass ich mit der Musik zumindest ein kleines Stück zur Diskussion beitragen kann.

Genau, Arnold Schwarzenegger ... wird er uns retten oder will er uns vernichten? Also „Terminator 1“ oder „Terminator 2“?
Mal sehen, welchen Arnold wir kriegen.

Was ist dein Favorit?
Ich bin ein T2-Typ. T1 ist großartig und dunkler, aber T2 hat für mich die beste Produktion und ist einer der besten Actionfilme überhaupt.

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