
Cody Davidson, Schlagzeuger der Band aus Ohio, hat gerne die Kontrolle über seine Projekte. Dass er diesmal bei „Hideous Aftermath“ auch Aufgaben abgegeben hat, fiel ihm gar nicht so leicht.
Ich habe gesehen, dass du neben SANGUISUGABOGG in vielen weiteren Bands spielst, richtig?
Ja, ich habe ein Ein-Mann-Projekt namens PUTRID STU, bei dem ich alles mache. Aber wenn ich live spiele, spiele ich Schlagzeug. Und dann habe ich noch eine andere Band namens VOLCANO, in der ich Gitarre spiele. Da ist auch Cedric von SANGUISUGABOGG dabei, er spielt Bass in dieser Band. Ich bin so etwas wie ein Produzent, ein Studiomensch. Ich habe also eine Reihe verschiedener Bands, die ich nur für mich selbst gemacht habe. Und dann habe ich natürlich öfter den Bands meiner Freunde geholfen, indem ich sie aufgenommen oder ein bisschen mit ihnen getourt habe. Oder ich habe Gastsoli für andere wie UNDEATH und ZOUS und diese Band namens DELIQUESCE gemacht, also andere Death-Metal-Bands. Ich bin also ziemlich viel unterwegs. Aber ich spiele Schlagzeug und ich habe unser Album „Pornographic Seizures“ aufgenommen, ich habe „Tortured Hole“ und „Homicidal Ecstasy“ aufgenommen. Ich habe „Pornographic Seizures“ und „Tortured Whole“ gemischt und gemastert. Früher habe ich viele verschiedene Aufgaben übernommen, aber jetzt versuche ich, mich etwas zurückzuziehen, damit ich mich ganz auf das Schlagzeugspielen konzentrieren kann.
Und wie funktioniert das für dich? Ich meine, wenn du an so vielen verschiedenen Aspekten der Band beteiligt warst, ist es dann schwer, einige Dinge loszulassen, oder war es eigentlich eine Erleichterung, nicht mehr in jedes kleine Detail involviert zu sein?
Ja, es ist ein bisschen bittersüß, weil ich ein Kontrollfreak bin und als wir „Tortured Whole“ fertiggestellt hatten, haben wir ein Bandmitglied verloren. Als Cameron gegangen ist, musste ich aus der Not heraus viele Dinge übernehmen, weil er derjenige war, der alle Gitarrenparts geschrieben hat, zu denen ich dann Schlagzeug gespielt habe. Ein neuer Song begann also immer mit seinem Gitarrenspiel. Es ist so, dass ich seit meinem vierten Lebensjahr Gitarre spiele, also bin ich meiner Meinung nach eher ein Gitarrist als ein Schlagzeuger, und wir mit SANGUISUGABOGG anfingen, war es eher ein Nebenprojekt, also ist es eher ein Zufall, dass ich jetzt professionell Schlagzeug spiele, weißt du? Ich dachte damals irgendwie: Na ja, Scheiße, ich könnte zur Gitarre wechseln, aber ich will das eigentlich nicht. Ich spiele irgendwie gerne Schlagzeug. Und es ist für mich eine andere Art, kreativ zu sein, weil ich vorher eher ein Hobby-Drummer war. Jetzt ist es so: Okay, ich wollte schon immer ein besserer Schlagzeuger werden. Jetzt bin ich quasi dazu gezwungen. Und das ist irgendwie schön. Anstatt mich dafür zu entscheiden, habe ich einfach beschlossen, Songs zu schreiben. Als wir anfingen, für „Homicidal Ecstasy“ zu schreiben, stammten viele der Songs von mir. Ich habe fast die Hälfte des Albums geschrieben. Und ich habe das Album produziert, ich habe alles aufgenommen, ich habe viele der Gitarrenparts auf dem Album eingespielt. Das war also eher aus der Not heraus. Und wie ich schon sagte, ich bin ein ziemlicher Kontrollfreak. Damals hat mir das irgendwie Spaß gemacht.
Wenn ich mir Extreme oder Death Metal anschaue, habe ich manchmal das Gefühl, dass es nur darum geht, sich zu profilieren, wer den schnellsten Schlagzeuger mit den verrücktesten Breakdowns hat.
Nun, ich denke, es ist eine Frage der Ästhetik oder des Stils. Und SANGUISUGABOGG als Band sollten nie so sein. Ich glaube, als Cameron mich damals fragte, ob ich in diesem Nebenprojekt Schlagzeug spielen wolle, hat er mich irgendwie dazu überredet. Ich komme eher aus dem Punk/Hardcore-Bereich, was das Schlagzeugspielen angeht, also meinte er, im Death Metal darf man angeben. Und weil ich als Gitarrist eher aus dem Hair-Metal-Bereich komme, wo man viel shreddet, bin ich definitiv ein Show-Off, aber auch konservativ in dem Sinne, dass ich mich nicht unbedingt für all diese verrückten neuen Sachen interessiere, wie zum Beispiel die verrückten Slap-Techniken von Tosin Abasi. Ich bin wirklich ein großer Prog-Fan, aber ich interessiere mich nicht unbedingt für all diese Dinge. Weißt du, ich möchte jemanden hören, der Eddie Van Halen-artige Licks in einem Prog-Song spielt, oder so. Also behalte ich meine Gitarrenidentität für mich, wenn es um SANGUISUGABOGG und das Songwriting geht. Für uns als Band ist SANGUISUGABOGG eher eine modernisierte Version des Death Metal der 1990er Jahre, den wir sehr mögen. Und es ist auch nicht unbedingt etwas Akrobatisches. Ich wurde stark von George Kollias von NILE und einigen anderen sehr schnellen Schlagzeugern beeinflusst. Aber wir wollten nicht, dass der Fokus bei der Band darauf liegt, wie schnell bei uns Schlagzeug gespielt wird. Es war eher ein individuelles Ziel, ich dachte, jetzt, da ich in einer Death-Metal-Band bin, kann ich zeigen, wie schnell ich sein kann. Und das ist etwas, das ich bewusst zu entwickeln versucht habe. Aber wenn die Leute an SANGUISUGABOGG denken, denken sie meiner Meinung nach nicht unbedingt daran, wie verrückt unsere Riffs oder wie verrückt die Drums sind. Ich glaube, manche Leute schätzen vielleicht unsere Ausdauer oder unsere Kunstfertigkeit, aber ich denke, das ist nicht das Erste, woran wir denken, wenn wir Songs schreiben. Ich denke, wir wollen Dinge machen, die, na ja, muddy, heavy und lustig sind. Und die Ästhetik der Band in den sozialen Medien spiegelt das auch wider, in dem Sinne, dass unser Sänger Devin wirklich gut darin ist, Memes zu kreieren. Das ist ein wichtiger Grund, warum wir im Internet so viel Aufmerksamkeit bekommen haben, weil er das so gut kann. Wir hatten schon immer viel Spaß, und am Anfang war unsere Ästhetik eher die einer Party-Death-Metal-Band. Wir hatten den Slogan „Downtuned Drug Death“. Wir rauchen definitiv gerne Gras, trinken Alkohol und amüsieren uns. Aber darum geht es bei der Band selbst nicht. Wir spielen Polyrhythmen. Wir haben alle Taktarten. Es gibt extrem schnelle Doublebass und seltsame Blastbeats. Wir machen seltsame Sachen, aber das ist so, dass man darauf achten kann, wenn man will. Wenn man nicht will, kann man auch einfach nur verdammt heavy Musik genießen. Ich empfinde das immer so, als würde man zwischen den Zeilen lesen. Wenn man nur die Oberfläche betrachtet, ist es einfach nur lustige Death-Metal-Musik. Aber wenn man etwas Einzigartiges daran finden will, dann gibt es das definitiv, weißt du?
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