SEAHAVEN

Foto© by Alex Bemis

Zu sich selbst finden

Einmal mehr haben sich SEAHAVEN sechs Jahre Zeit gelassen, um ein neues Album zu veröffentlichen. Dabei beschreiben die Kalifornier ihr selbstbetiteltes Werk als ein Amalgam des bisherigen Schaffens. Wir sprechen mit Mainman Kyle Soto.

Kyle, im Pressetext wirst du mit den Worten zitiert: „Klanglich vereint dieses Album die meisten Elemente unserer bisherigen Veröffentlichungen.“ Welche Elemente stammen deiner Meinung nach von welchen Alben?

Wenn ich das so aufschlüsseln müsste, würde ich sagen, es hat die Energie von „Winter Forever“, die melodischen Elemente von „Reverie“ und vielleicht einige textliche Aspekte von „Halo Of Hurt“. Allerdings ist das nicht so eindeutig, und genauso wenig war es das während des Songwritingprozesses. Für mich ist es eher so, als würde das Album all unsere Stärken aufgreifen und dem gleichzeitig einige neue Facetten hinzufügen.

Während euer vorheriges Album eher ein Gemeinschaftsprojekt war, wird dieses als stärker von dir allein geprägt beschrieben. Waren alle Bandmitglieder mit dieser Veränderung im Arbeitsprozess zufrieden?
Ja, wir sind eigentlich immer dem gefolgt, was sich natürlich ergeben hat. Ich würde auch nicht sagen, dass sich dieses Album so stark von früheren Projekten unterscheidet, weil ich ohnehin meist einen großen Anteil am Songwriting hatte. Der Schreibprozess war diesmal einfach eher vergleichbar mit dem von „Reverie“, das fast vollständig in meinem Heimstudio entstanden ist.

Wie schaffst du es beim Songwriting beziehungsweise im Studio, spontane Ideen und durchdachtes, strukturiertes Arbeiten miteinander zu verbinden?
Normalerweise nehme ich eine Idee zunächst in sehr roher Form auf, exportiere sie als mp3 und höre sie mir den ganzen Tag über immer wieder an. Dabei schreibe ich die anderen Instrumente gedanklich dazu und halte die Ideen in Sprachmemos fest, bis ich mich wieder hinsetzen und alles aufnehmen kann.

Die Texte auf dem Album wirken sehr persönlich. In „Wedding bells“ verwendest du sogar den Namen einer realen Person. Wie wichtig ist es für dich, die Balance zwischen sehr konkreten Erlebnissen und genügend Interpretationsspielraum für die Hörer:innen zu finden?
Ich glaube, man muss in seinen Texten einfach so authentisch wie möglich sein. Es spielt keine Rolle, wie spezifisch etwas ist, weil die Menschen vor allem auf die Ehrlichkeit der Emotionen reagieren. Anschließend übertragen sie diese Gefühle auf ihre eigenen Erfahrungen und Situationen.

Viele eurer Songs basieren auf realen Erlebnissen. Gab es Momente, in denen du das Gefühl hattest, zu viel von dir preiszugeben oder dich zu verletzlich zu machen?
Manchmal ist es schon etwas seltsam, wenn Fans auf Dinge in den Texten Bezug nehmen, bei denen man während des Schreibens gar nicht darüber nachdenkt, dass sie später öffentlich sein werden. Andererseits sind meine liebsten Songtexte meist genau die, in denen sich die Autorinnen oder Autoren besonders verletzlich zeigen. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich selbst in meinen Texten oft diesen Weg einschlage.

Ihr seid keine Band, die ständig auf Tour ist oder alle zwei Jahre ein neues Album veröffentlicht, um dauerhaft im Gespräch zu bleiben. Wie definiert ihr Erfolg?
Das ist eine gute Frage. Ehrlich gesagt wäre ich schon sehr zufrieden, wenn dieses Album einfach als ein Schritt nach vorne wahrgenommen wird. Natürlich wünscht man sich immer größere Shows und Anerkennung von den eigenen Kolleginnen und Kollegen. Aber wenn die allgemeine Resonanz zeigt, dass das Album bei unseren Fans etwas auslöst und ihnen vielleicht sogar in irgendeiner Weise weiterhilft, dann ist das für mich bereits ein Erfolg.

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