© by KonzertsuchtLange Jahre waren Gitarrist Oli und Schlagzeuger Anfy mit RADIO HAVANNA aktiv. Doch nach deren Auflösung haben sie bewusst einen Schlussstrich gezogen und mit Sängerin Azaria und Bassistin Josi einen Neuanfang gewagt. Völlig ohne Altlasten und mit ganz anderem Sound finden sich SEVEN BLOOD gerade, ihr Debütalbum „Life Is Just A Phase“ hat die Berliner Band aber schon im Kasten.
Oli, du bist ja schon sehr lange im Musikbusiness und warst auch oft mit der Band unterwegs. Das weiß ich jetzt von dir, das weiß ich auch von eurem Schlagzeuger, aber von den anderen weiß ich gar nichts. Azaria, wie sieht das bei dir und eurer Bassistin aus? Habt ihr vielleicht einen musikalischen Hintergrund, den ich einfach verpasst habe?
Azaria: Also bei mir hast du nichts verpasst. Das ist mein erstes Projekt. Ich habe vorher noch nie in einer Band gespielt oder irgendwas veröffentlicht. Von daher ist das meine Stunde Null.
Oli: Du hast Karaoke gesungen.
Azaria: Ja, Karaoke habe ich gesungen.
Ist Karaoke eine gute Vorbereitung für eine Band, oder braucht es dann doch was ganz anderes?
Azaria: Anscheinend.
Oli: Ich find schon, ehrlich gesagt. Es ist natürlich ziemlich gnadenlos, irgendwo vor so einem Publikum zu stehen, krasser geht‘s, glaub ich, gar nicht, als bei Karaoke. Und ich weiß auch, dass der Sänger von ME FIRST AND THE GIMME GIMMES ebenfalls so angefangen hat, dass er durch die ganzen Karaoke-Bars in Kalifornien getingelt ist, bis irgendwann Fat Mike gecheckt hat: Ey, das ist ein tierischer Sänger! Zu unserer Josi kann ich noch sagen, dass die lange bei WELTRAUMPOWER gespielt hat. Da war sie auch schon auf Tour, auch mit diversen Bands, mit MONTREAL, mit Jennifer Rostock, das weiß ich. Das war auf jeden Fall ihr musikalischer Start. Wir sind uns aber nie über den Weg gelaufen, tatsächlich. Wir haben sie eher über Empfehlungen irgendwann kennen gelernt. Wir haben wirklich ganz gezielt eine Bassistin gesucht. Die gibt’s nur nicht so häufig wie Bassisten. Als wir dann mit ein paar gesprochen hatten, kam Josi zu uns ins Studio. Das war menschlich eigentlich sofort ein Match.
Ihr bringt wirklich sehr unterschiedliche Vorgeschichten und Bedingungen mit in diese Band. Die einen kennen das Tourleben seit Jahren und haben bereits Alben veröffentlicht, für die anderen ist es das erste Mal. Wie fühlt sich das jeweils für euch an, zusammen mit so jemand anders etwas Neues aufzubauen?
Azaria: Also für mich ist eine ganz angenehme Situation, weil viele Fragen, die ich habe, werden direkt geklärt. Ich muss einfach nicht irgendwie die Antworten groß suchen. Ich kann direkt Oli fragen und der kann mir die Sachen eigentlich alle zeigen.
Oli: Trotzdem bin ich auch nur der Einäugige im Reich der Blinden. Und es ist ja nicht so, dass ich alles weiß oder so. Klar gibt es ein bisschen Erfahrung und so weiter, aber trotzdem ist es am Ende auch für mich wieder ein bisschen die Stunde Null. Und wir haben uns jetzt bewusst für ein anderes Genre und auch die englische Sprache entschieden. Deswegen ist es dahingehend zugleich auch komplett neu. Ich kann ja jetzt nicht den Zauberstab zücken und sagen, so geht das aber. Sondern ich muss eigentlich auch jeden Weg wieder neu gehen. Und das fand ich auch am Anfang so krass, als ich gemerkt hab, okay, krass, jetzt musst du wirklich alles
noch mal neu durchmachen.
Azaria: Also musikalisch finde ich auch, ist das ja schon eine gemeinsame Entdeckungsfahrt. Da bin ich auch sehr froh, dass ihr offen seid für alles und nicht so, ja, das haben wir schon so oder so gemacht. Also da habe ich auch das Gefühl, dass wir alle noch ganz grün hinter den Ohren sind, aber nicht im Negativen.
Oli: Ja, ich muss sagen, von den Fähigkeiten, als ich damals Metalcore so gefeiert habe, so um 2005 bis 2004, hätte ich das, was die konnten, niemals hinbekommen. Das hat sich Gott sei Dank über die Jahre ein bisschen verbessert.
Oli, du hast ja lange Jahre in einer Punkrock-Band gespielt, auch erfolgreich. Wenn ich jetzt in euer Bandinfo oder auf euren Socials schaue, wird das da eigentlich gar nicht erwähnt. Ist das Absicht?
Oli: Das ist natürlich ein super wichtiger Teil von uns und unserer musikalischen Sozialisation, auch menschlich spielt es eine große Rolle. Aber als wir jetzt das Projekt SEVEN BLOOD gegründet hatten, haben wir sehr aus dem Bauch heraus entschieden, was wir da jetzt machen. Und das fühlte sich irgendwie für alle richtig an. Und natürlich war dann klar, das ist so anders, das hat mit der RADIO HAVANNA-Welt einfach wenig bis gar nichts mehr zu tun. Also haben wir gesagt, dann ist es jetzt aber auch der Weg, dann bauen wir das eben wirklich so von Null an auf. Das ist es, was ich auch gerade meinte, man geht den Weg wirklich noch mal von vorne. Und ja, wir sind trotzdem sehr stolz auf das, was wir alles gemacht haben. Und das hat uns auch sehr geprägt.
Es ist ja schon krass eigentlich, was ihr jetzt für einen Start hingelegt habt, so wirklich von Sekunde eins an. Ich weiß, dass du ja auch im Musikbusiness arbeitest und auch wenn ihr das sagt, man fängt ja nicht wieder ganz bei Null an, man kennt ja ein paar Leute. Nichtsdestotrotz fand ich es schon krass zu sehen, ihr seid auf Tour, ihr spielt auf Festivals, das ganz ohne Album.
Oli: Ich habe jetzt keinen Zauberstab, auch wenn ich in dieser Branche arbeite. Ich kann jetzt nicht sagen, macht dies oder das und findet uns alle gut, denn am Ende müssen es Menschen schon irgendwie annehmen, in irgendeiner Form. Und für uns selbst war der Start auch schneller und unerwarteter als gedacht. Also wir waren eigentlich noch nicht ganz ready. Wir haben im Grunde die Möglichkeit bekommen, mit UNDEROATH in Berlin zu spielen, weil wohl jemand sehr, sehr gut fand, was wir machten. Wir hatten noch kein Set, sollten aber anderthalb Monate später mit denen spielen. Also machten wir die letzten drei Skizzen, die wir am vielversprechendsten fanden, als Songs fertig, bauten ein Live Set zusammen, und haben wirklich Überstunden geschrubbt und richtig Gas gegeben. Komplett durchgezogen über alles.
© by Fuze - Ausgabe #115 Dezember 2025 /Januar 2026 2025 und Dennis Müller
© by Fuze - Ausgabe #115 Dezember 2025 /Januar 2026 2025 und Marcus Buhl