© by Cateyephotography / Karoline Schaefer25 JAHRE UND KEIN BISSCHEN MÜDE. Nur wenige Monate nach „Antibloom“ veröffentlichen SILVERSTEIN den Nachfolger „Pink Moon“. Wie die beiden Alben zusammengehören, wie sie entstanden und wo die kanadische Band nach einem Vierteljahrhundert im Musikgeschäft steht, verrät uns Sänger Shane Told.
Shane Told lacht, als er beginnt, über das neue Kapitel seiner Band SILVERSTEIN zu sprechen. „Das Ding heißt ‚Pink Moon‘ und wurde zur gleichen Zeit aufgenommen wie ‚Antibloom‘“, erzählt er mir. „Wir haben nicht erst das eine Album gemacht und dann das nächste – alles entstand parallel. Songwriting, Aufnahme, Mixing – alles lief gleichzeitig. Und irgendwann haben wir gemerkt: Hey, wir haben hier richtig viele starke Songs. Warum also nicht etwas Größeres daraus machen?“Anstatt einfach zwölf Tracks auf ein Album zu packen, entschieden sich SILVERSTEIN für einen anderen Weg: zwei Releases, zwei Seiten derselben kreativen Münze. ‚Pink Moon‘ ist also kein komplett neues Werk, sondern vielmehr der zweite Teil einer großen Session. „Wenn euch ‚Antibloom‘ gefallen hat, dann werdet ihr ‚Pink Moon‘ lieben“, verspricht Shane. „Vielleicht ist es sogar das stärkere Album. Es ist spannend, dynamisch – und wir haben ein paar echt coole Features dabei.“
Doch wie entscheidet man, welche Songs auf welches Album gehören? Shane erklärt: „Ich bin total verrückt nach Song-Reihenfolgen – wie ein Album anfängt, wie es endet, A-Seite, B-Seite – das liebe ich einfach. Diesmal hatten wir doppelt so viele Entscheidungen zu treffen. Aber genau das macht es besonders.“ So ähneln sich ‚Antibloom‘ und ‚Pink Moon‘ in ihrer Grundstruktur, unterscheiden sich aber im Charakter: „‚Pink Moon‘ startet mit einem wunderschönen, atmosphärischen Intro, während ‚Antibloom‘ direkt voll losbrettert. Die Alben fühlen sich wie zwei verwandte, aber unterschiedliche Wesen an.“
War es schon immer der Plan, ein Doppelalbum zu machen? Shane verneint. „Es passierte total organisch. Wir hatten einfach mehr Songs geschrieben als je zuvor. Bei älteren Alben wie ‚Discovering The Waterfront‘ oder ‚This Is How The Wind Shifts‘ sind wir oft mit genau so vielen Songs ins Studio gegangen, wie wir später aufgenommen haben – manchmal sogar mit weniger. Aber diesmal hatten wir 25 fertige Tracks. Komplett fertig. Demos, Texte – alles war da.“ Anfangs wollte die Band nur zwölf Stücke auswählen. Doch das fühlte sich schnell falsch an. Der Durchbruch kam, als Drummer Paul einen Vorschlag machte. „Er meinte: ‚Ich weiß, ihr werdet es hassen, aber was wäre, wenn wir einfach zwei Alben rausbringen?‘ Und ich war sofort dabei.“ Das Label zeigte sich aufgeschlossen und die Band begann, die Songs neu zu denken. „Wenn wir nur ein Album gemacht hätten, wären einige Songs einfach unter den Tisch gefallen“, sagt Shane. „Besonders schmerzhaft wäre es gewesen, auf ‚Cherry coke‘ zu verzichten, den finalen Track von ‚Antibloom‘. Der Song bedeutet mir viel. Und ich wusste: Ohne das zweite Album hätte er es wahrscheinlich nicht geschafft.“
Fast zwei Jahrzehnte nach ihrer Gründung spielt SILVERSTEIN noch immer in nahezu derselben Besetzung. Wie schafft man es, den kreativen Funken am Leben zu halten? Shane reflektiert: „Es sind tatsächlich schon 25 Jahre – verrückt, oder? Wir vier waren von Anfang an dabei und Paul ist jetzt auch schon seit 13 Jahren Teil der Band. Er ist ein großartiger Songwriter und hat frische Energie reingebracht.“ Früher hat Shane viele Songs allein geschrieben, heute arbeitet er viel enger mit Paul zusammen. „Das hat uns richtig gutgetan. Ich glaube, man hört das auch. Viele Bands verlieren nach einigen Jahren den Biss – wir wollten immer dagegen ankämpfen. Jeder Song soll sich anfühlen, als wäre er unser erster.“ Und das ist alles andere als leicht. „Je länger du Musik machst, desto mehr musst du dich anstrengen, um neue Ideen zu finden. Aber genau das macht es spannend.“
Rückblickend auf 25 Jahre Bandgeschichte gibt es für Shane zwei prägende Themen: Herausforderungen und unvergessliche Momente. Die größte Hürde? „Ganz klar: dass wir Kanadier sind“, sagt er und lacht. „In die USA einzureisen war extrem schwierig. Visa, Equipment, Merch – alles ein Riesenaufwand. Internationale Bands haben es da echt schwer.“ Und die Highlights? Shane muss nicht lange überlegen. „Als uns zum ersten Mal bewusst wurde, dass unsere Musik wirklich auf der ganzen Welt ankommt. Unsere erste Australientour 2005 zum Beispiel: Wir hatten nur ein Album draußen – und trotzdem kannten die Leute jeden Song.“ Ähnliche Erlebnisse hatte die Band in Mexiko, wo ihre Musik zunächst nur über inoffizielle Kanäle erhältlich war. „Unsere erste Show dort war ausverkauft – tausend Leute, die ‚My heroine‘ mitgesungen haben, noch bevor wir überhaupt auf der Bühne standen. Das sind die Momente, die zählen. Wenn du spürst: Musik verbindet. Ganz egal, woher du kommst.“ Was bleibt noch nach einem Vierteljahrhundert voller Tourneen, Plattenveröffentlichungen und unzähligen Shows? Träumt Shane vielleicht sogar von einem 50-jährigen Bandjubiläum? Er lacht. „Ich erinnere mich noch, wie ich damals im Auto saß und im Radio lief die Werbung: ‚SCORPIONS – 50-jähriges Jubiläum in Toronto‘. Ich dachte nur: 50 Jahre? Wie alt sind die denn bitte? Du wirst älter, klar. Aber deine Leidenschaft bleibt gleich. Und wenn die Gesundheit mitspielt, warum nicht? Ich wäre dann 69 Jahre alt. Verrückt – aber eigentlich gar nicht so unwahrscheinlich.“
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