SILVERSTEIN

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25 Jahre und kein bisschen leise

Die Kanadier SILVERSTEIN werden es einfach nicht müde, permanent unterwegs zu sein und zwischen Shows und Touren noch mit gefühlter Leichtigkeit großartige Alben zu veröffentlichen. Genau dies passiert in Kürze mit „Pink Moon“, dem zweiten Teil ihres dann 16 Track starken Doppelalbums. Was im Februar mit „Antibloom“ startete, wird damit nun abgeschlossen. Wir sprechen mit Sänger und Frontmann Shane Told über ein Vierteljahrhundert Bandgeschichte, die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit und über ihre musikalische Entwicklung.

Kann es sein, dass ihr euch auf diesem Doppelalbum wieder mehr auf frühere Elemente eurer eigenen Musik besonnen habt?

Wenn du so lange in einer Band spielst und bereits so viele Alben veröffentlich hast, kommt unweigerlich der Punkt, an dem du dich von deinen alten Werken distanzieren willst. Du hast die Songs tausendmal gespielt und willst einfach etwas Neues schaffen. Wir haben das eine Weile wirklich intensiv versucht und mit neuen Sounds experimentiert und dabei unserer musikalischen Sozialisation nur wenig Raum gelassen. Bei „Antibloom“ und „Pink Moon“ haben wir diesen Plan aber wieder komplett über Bord geworfen. Sämtliche Musik, die wir machen, ist schließlich ein Teil von uns. Unsere alten Alben und Songs haben einen großen Anteil daran, wo wir jetzt stehen und wer wir heute sind. Also wäre es völlig falsch, sich den alten Sounds und Ideen zu verweigern. Wir haben diesmal versucht, Altbewährtes mit neuen Ideen zu kombinieren ohne uns dabei zu wiederholen. Ich glaube das hat auch sehr gut funktioniert.

Es ist faszinierend, wie bunt gemischt euer Publikum ist. Ihr seid definitiv kein Retro-Act und zieht offenbar alte wie junge Fans gleichermaßen an.
Das ist richtig und du glaubst nicht, wie gut sich das anfühlt. Wenn du als Band bereits so lange im Geschäft bist, besteht immer die Gefahr, dass du zum Nostalgie-Act mutierst und nur ein Publikum bespielst, das vor 20 Jahren bereits da war, was per se ja gar kein Problem ist, aber eben nicht unser Ansatz. Wir haben in den letzten Jahrzehnten immer versucht, uns konsequent neu zu erfinden und immer sehr auf die Entwicklung geachtet. Somit haben wir es auch geschafft, immer wieder neue Fans zu gewinnen, ohne die alten zu vergraulen. So stehen nun Eltern mit ihren erwachsenen Kindern im Publikum. Ganz hinten stehen die alten Fans, die bereits seit „When Broken Is Easily Fixed“ oder „Discovering The Waterfront“ dabei sind. Und ganz vorne stehen vielleicht ein paar Kids, die uns erst mit „Antibloom“ entdeckt haben. Das ist einfach der Hammer! Natürlich ist heute der Zugang zu neuer Musik dank der Streamingdienste einfacher, aber wir freuen uns riesig, dass jedes Mal so viele neue Leute dazukommen.

Es gibt immer wieder Bands, die erzählen, dass Deutschland einer der wichtigsten Märkte und ihre Fanbase hier besonders groß ist. Wie sieht das bei euch aus?
Für uns ist Deutschland auch immens wichtig. Wir haben hier eine sehr passionierte Fanbase, die uns seit Jahrzehnten die Treue hält, und alleine deswegen versuchen wir, so viel wie es geht hier beziehungsweise in Europa zu touren. Die deutschen Fans haben ein krasses Verhältnis zu „ihren“ Bands und haben eine sehr langfristige Bindung, das ist einfach großartig. Was den Rest der Welt angeht, können wir uns allerdings wirklich nicht beschweren. Die Shows, die wir Anfang des Jahres in den USA gespielt haben, waren mit die größten in unserer gesamten Bandgeschichte. Es ist verdammt verrückt, sagt uns aber auch aus, dass du es mit Beharrlichkeit, Authentizität und dem Wille, zur Weiterentwicklung schaffen kannst, als Band immer weiter zu wachsen.

Was sind denn eure frühesten Erinnerungen an Touren in Deutschland?
Unsere erste Tour war als Support von SIMPLE PLAN. Da waren vor allem sechzehnjährige Mädchen im Publikum. Deren Blicke, als wir mit unserem Geschrei angefangen haben, waren unbezahlbar. Aber das ist eben auch alles schon so lange her. Wir haben so viele wunderbare Erinnerungen an die Shows hier. Sei es im Vorprogramm von BILLY TALENT, seien es Festivals wie Rock am Ring, Rock im Park oder das Vainstream oder aber unsere ersten eigenen Touren hier. Es tut so gut, dass viele Leute von damals immer noch dabei sind. Man sieht sich immer wieder auf den Shows und das seit über 25 Jahren. Was kann man sich Schöneres wünschen, als diese Bindung zu seinen Fans und dass man die Leben so vieler Menschen mit der eigenen Musik berührt hat.

Ihr seid seit 25 Jahren eine Band und bisher gab es lediglich einen einzigen Wechsel in eurem Line-up. Wie schafft man es als Band, so lange gemeinsam zu funktionieren, ohne sich gegenseitig an die Kehle zu gehen?
Ich glaube, das Geheimnis ist einfach, dass wir miteinander aufgewachsen und auch aneinander gewachsen sind. Wir haben uns von Teenagern zu Männern in den Vierzigern entwickelt und dabei sehr viel miteinander erlebt. Ich meine, jeder von uns hat seinen eigenen Background und inzwischen teilweise auch Familie, aber wir haben immer zusammengearbeitet und haben verdammt viele tolle Momente erlebt, die uns verbinden. Da lernst du eben auch, Uneinigkeiten aus der Welt zu schaffen, so dass nicht irgendein Konflikt zu schwelen beginnt und am Ende alles zerstört. Wir sind als Band eben eine eingeschworene kleine Familie. Da gehören Missverständnisse und Streitereien schlicht mit dazu. Auch kreative Reibung ist wichtig. Man muss nur am Ende des Tages sagen können, wir machen das hier alle gemeinsam, weil wir ein gemeinsames Ziel vor Augen haben.

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