SOKO LINX

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Redebedarf

Die Leipziger Maskenmänner bringen mit „Punk für Leute, die Punk haszen“ ihre dritte Platte an den Start. Gitarrist und Sänger Siko Lonx erklärt uns, warum diesmal alles anders abgelaufen ist.

Euer drittes Album steht in den Startlöchern. Der Entstehungsprozess der Platte hat sich diesmal allerdings etwas anders gestaltet. Klär doch mal auf!

Ich hatte seit der Bandgründung schon den Wunsch, alle zwei Jahre ein Album rauszubringen. Diesen Rhythmus konnten wir halten. Die ersten beiden Platten haben wir damals aber mehr oder weniger innerhalb von zwei Wochen am Stück eingespielt. Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass gewisse Wünsche, die sich erst später entwickelt haben, nicht mehr berücksichtigt werden konnten. Schlichtweg weil alles ja schon fertig war. Diesmal war die Idee, nicht in unserer Heimatstadt Leipzig, sondern in Berlin bei unserem Produzenten Sascha Höhm aufzunehmen. Da wir es uns zeitlich sowieso nicht leisten konnten, wochenlang in Berlin zu sein, gab es in den vergangenen beiden Jahren immer wieder Sessions über zwei oder drei Tage. Das hatte den Vorteil, dass wir an die Songs immer wieder rangehen konnten, wenn uns irgendwas nicht gefallen hat oder wenn wir irgendwie mit einer Entscheidung unzufrieden waren.

Acey Avalon, der bei DEINE COUSINE Schlagzeuger ist, hat euch ebenfalls unterstützt und die Drums eingespielt.
Ja, unser Schlagzeuger hatte uns verlassen. Wir standen also plötzlich ohne Drummer da. Das hatte zur Folge, dass wir die Songs erst einmal am PC fertig machen mussten. Und auch das Schlagzeug programmiert haben. Acey hat sich dann glücklicherweise bereit erklärt, das Schlagzeug einzuspielen. Aber es war tatsächlich das erste Mal, dass wir wirklich nichts im Proberaum entwickelt haben, sondern alles am Rechner. Als das Album schließlich fertig war und wir ans Proben gegangen sind, haben wir aber schon gemerkt, dass es eine ziemliche Herausforderung ist. Denn wenn du Songs im Proberaum entwickelst, tust du automatisch ja nur das, was du auch auf der Bühne tun wirst. Das war jetzt anders, weil ich plötzlich feststellte: Ach, okay, ich kann das zwar so spielen, aber parallel dazu singen ist schon schwieriger. Wir haben einige Sachen tatsächlich noch ein wenig angepasst, damit sie live auch funktionieren. Und vor allem musste ich sehr, sehr viel üben. Mehr, als ich das in der Vergangenheit musste, haha.

War das letztlich die größte Herausforderung, der ihr euch stellen musstet?
Bislang war es so, dass die Songs schon weitestgehend standen, wenn wir ins Studio gegangen sind. Diesmal war ich für das Album gewissermaßen der musikalische Leiter. Das hat sich ganz gut angefühlt, weil ich weniger in den Diskurs gehen musste mit den anderen Jungs. Ich hatte ein bisschen mehr Narrenfreiheit und konnte Dinge so machen, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Gleichzeitig habe ich gemeinsam mit Acey und Sascha bei vielen Songs auch noch Entwicklungspotenziale entdeckt, die dann auch ausgeschöpft wurden. Das hat sich nie schlecht angefühlt, hat allerdings auch für einige Disharmonien innerhalb der Band gesorgt. Das Problem war, dass wir gar nicht mehr wirklich miteinander gesprochen haben. Ich habe zwar immer wieder die Stände rübergeschickt, aber vor allem Oxon hat sich dadurch trotzdem so ein bisschen ausgebootet gefühlt. Deswegen hatten wir im vergangenen Jahr viel Redebedarf. Was aber wiederum dazu geführt hat, dass wir näher zusammengerückt und als Freunde wieder mehr zusammengewachsen sind. Und realisiert haben, dass die Band schon ein großes Geschenk ist. Und wir das auch wollen. Bei der nächsten Platte werden wir auch wieder etwas anders vorgehen.

Viele eurer Songs sind ja mit einem dicken Augenzwinkern versehen. Seid ihr dennoch Perfektionisten, wenn es um den Sound und die handwerklichen Komponenten geht?
Ich bin schon recht perfektionistisch. Aber in meinen Möglichkeiten doch relativ limitiert, haha. Einfach weil ich als Musiker Autodidakt bin und mir das nie jemand „richtig“ beigebracht hat. Ich wollte aber ohnehin nie der perfekte Gitarrist werden. Mein Wunsch war es vielmehr, gute Songs zu schreiben. Mein Hauptaugenmerk liegt daher vorrangig auf den Texten und guten Melodien. Es geht nicht darum, dass irgendetwas tricky oder technisch raffiniert sein muss. Wenn ich andere Musikerinnen und Musiker sehe, was die manchmal so an ihren Instrumenten veranstalten, ist das wirklich atemberaubend. Dann denke mir, warum mache ich eigentlich noch Mucke? Die sind doch alle besser als ich. Und dann versuche ich, mich so ein bisschen auf meine Stärken zu besinnen. Ich kann beispielsweise ganz gut texten, glaube ich. Das ist gewissermaßen meine Superkraft im musikalischen Bereich, haha. Und wenn ich mir das wieder vor Augen führe, weiß ich auch, warum ich an der Gitarre nur das kann, was ich eben kann. Weil es reicht, um das zu erreichen, was ich will. Unsere Sachen sollen ins Ohr gehen und auch Spaß transportieren. Und in diesem Spaß ver­packen wir gerne auch Botschaften, die uns wichtig sind.

Im Song „KI macht jetzt Kunst“ sprecht ihr ein Thema an, das aktuell auch in der Musikwelt heiß diskutiert wird. Wie, glaubst du, wird künstliche Intelligenz die Branche verändern?
Die KI fackelt gerade schon ziemlich ab. Anfangs war ich selber neugierig, aber so langsam wird ja klar, welche Umweltkatastrophen das mit sich bringen könnte oder wird. Es macht mich ziemlich fertig, dass KI für so viel Scheiß verwendet wird, anstatt für sinnvolle Dinge. Was ja möglich wäre. Was die Verwendung künstlicher Intelligenz in der Musik angeht, finde ich die Entwicklung einfach nur traurig. Weil es ja zwangsläufig dazu führt, dass die eigenen Skills und Fähigkeiten einfach geskippt werden und sich somit auch gar nicht weiterentwickeln können. Sie verkümmern, weil sie nicht mehr gefüttert werden durch eigene Kreativität und durch eigene Denkleistung. Mittlerweile gibt es KI-Künstlerinnen und -Künstler, die Millionen Hörer haben. Vor allem vielen jungen Leuten scheint mittlerweile egal zu sein, woher die Musik kommt und wie sie entstanden ist. Das ist natürlich einfach nur schade.

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