SWALLOW’S ROSE

Foto

Neuanfang statt Untergang

Mit „The Beginning“ startet die bayerische Band in eine neue Phase. Im Interview erklärt Sänger Dominik Geiger, wie es ihnen gelingt, mit politischen wie persönlichen Themen auf der Bühne ehrlich und authentisch umzugehen, ohne sich dem Applaus zuliebe zu verbiegen.

„The Beginning“ klingt nach Neuanfang. War das Album für dich eher ein Abschluss oder tatsächlich ein Aufbruch?

Ganz klar ein Aufbruch. Sowohl musikalisch als auch thematisch geht es einen anderen Weg als der Vorgänger. Nach „Downfall“ dominierte dieses Gefühl von Untergang. „The Beginning“ war dann der nächste konsequente Schritt. Alles andere hätte sich nicht stimmig angefühlt.

Auf dem Album gibt es einen sehr persönlichen Song, der sich auf deine MS-Diagnose bezieht. Gehst du damit inzwischen offen um oder war das eine einmalige Entscheidung?
Ich gehe mittlerweile sehr offen damit um. Am Anfang war das nicht selbstverständlich. Es hat mir enorm geholfen, das Thema nicht mehr zu verstecken. Es gab Zeiten, in denen es mir psychisch schlecht ging und ich immer wieder damit zu kämpfen hatte. Die Diagnose anzunehmen und offen darüber zu sprechen, war der erste Schritt, damit klarzukommen.

Hilft dir die Musik dabei?
Die Band ist ein zusätzliches Ventil geworden. Nach Konzerten kommen Menschen auf mich zu und sagen, wie wichtig es war, dass jemand offen darüber spricht. Dann weiß ich, dass es der richtige Weg ist. Manche haben ebenfalls MS und wir kommen ins Gespräch. Das gibt einem unglaublich viel zurück.

Wir leben in einer vermeintlich fortschrittlichen Zeit und trotzdem liegt über psychischen Erkrankungen oder chronischen Diagnosen oft noch ein Schleier.
Richtig. Wir kommen vom Land, mein Heimatort hat 500 oder 600 Einwohner. Da kennt jeder jeden und gerade dort ist es noch extremer. Man redet über solche Themen, aber eher über die Menschen als mit ihnen. Oft schwingt etwas Negatives mit, obwohl es nichts Negatives sein sollte. Dieser Schleier beschreibt es gut.

Man wächst so auf, oder?
Man bekommt immer das Gefühl, so etwas besser nicht offen zu kommunizieren. Nicht weil es einem beigebracht wird, sondern weil es im Umfeld so gelebt wird. Am Anfang war es nicht leicht, damit rauszugehen. Inzwischen denke ich: Wenn es irgendwem hilft, mache ich es. Und wenn Offenheit dazu beiträgt, dass dieses Stigma verschwindet, ist das der richtige Weg.

Gerade im Punk ist Politik immer ein Thema. Wie positioniert ihr euch als Band?
In unseren Songs beziehen wir klar Stellung. Es gibt keine Grauzone bei Rassismus, Faschismus oder Sexismus. Unsere Shows sollen ein Raum sein, in dem sich jeder sicher und willkommen fühlt.

Ihr äußert euch also auch direkt?
Bei den Ansagen auf der Bühne legen wir bewusst einen Schwerpunkt auf Themen, die nicht so häufig im Vordergrund stehen: Mental Health, Depressionen, Ängste. Das sind Dinge, über die wir verstärkt sprechen wollen. Es ist aber absolut wichtig, dass Bands sich politisch klar äußern. Gleichzeitig habe ich manchmal das Gefühl, dass man auf einer Punkshow leicht Applaus bekommt, wenn man politische Statements macht. Schwieriger wird es draußen, im direkten Gespräch. Unser Fokus liegt deshalb stärker auf dem, was wir persönlich erlebt haben und authentisch transportieren können.

Anzeige