© by Mitchell WojcikMit „Still There’s A Glow“ verarbeiten SWEET PILL aus Philadelphia nicht nur musikalische Entwicklungen, sondern auch eine schwierige persönlich Phase von Sängerin Zayna. Sie berichtet im Interview darüber, wie aus einer kreativen Blockade schließlich ein Album entstand.
„Still There’s A Glow“ handelt von lebensverändernden Ereignissen wie Depression und Therapie. Wie hat diese Phase der Reflexion euch als Band beeinflusst, sowohl individuell als auch kreativ?
Die Depression hat mich stark belastet, als es ans Schreiben ging. Ich hatte eine sehr negative Perspektive auf mich selbst und die Welt um mich herum. Dadurch fiel es mir ziemlich schwer, kreativ zu werden oder stolz auf das zu sein, was ich gemacht habe. Die Jungs – Jayce, Sean, Ryan und Chris – haben einen starken Song nach dem anderen geschrieben, während ich es nicht einmal geschafft habe, ein einziges Wort zu Papier zu bringen. Die Therapie hat dabei geholfen, einige dieser Knoten zu lösen, und mir erlaubt, nicht mehr so hart mit mir selbst und dem kreativen Prozess ins Gericht zu gehen.
Gibt es, nachdem die eine Hälfte des Albums vor diesem entscheidenden Wendepunkt entstand und die andere danach, eine hörbare emotionale Verschiebung im Verlauf der Platte?
Ein Großteil der Musik war bereits fertig und wartete nur darauf, dass ich meine Vocals hinzufüge. Deshalb gibt es meiner Meinung nach vor allem einen deutlich wahrnehmbaren textlichen Bruch. Einige Titel wie „No control“, „Slowburn“ und „Glow“ stammen aus der Zeit, bevor ich mit der Therapie begonnen habe, Songs wie „Sunblind“ und „Letting go“ aus der danach. Die späteren Stücke vermitteln ein stärkeres Gefühl von Hoffnung.
Ihr habt euch entschieden, fast ein komplettes Album an Demos zu verwerfen und noch einmal von vorne zu beginnen. Was hat an diesem Material nicht funktioniert?
Die Jungs hatten wirklich unglaubliche Musik geschrieben – sehr melodisch, jammy und entspannt. Gleichzeitig habe ich in meinem Privatleben viele Veränderungen durchgemacht und spürte zugleich den Druck, auch etwas Großartiges für unsere zweite LP zu schreiben. Das hat mich ziemlich belastet und ich hatte Schwierigkeiten, einen Zugang dazu zu finden. Die Jungs haben aber einfach immer weitergeschrieben, irgendwann konnte ich mich schließlich doch durchkämpfen.
Wann hat es kreativ oder emotional klick gemacht, so dass es sich nicht mehr nur wie eine Sammlung unzusammenhängender Songs angefühlt hat?
Das war, als ich angefangen habe, ehrlicher mir selbst und meinem Schreiben gegenüber zu sein. Da habe ich aufgehört, das zu schreiben, von dem ich dachte, dass die Leute es hören wollen, und habe stattdessen begonnen, das in Worte zu fassen, was ich tatsächlich sagen wollte. Wir waren zwar bereits im Studio, aber ich war immer noch damit beschäftigt, fünf Songs fertigzustellen. „Letting go“ habe ich sogar komplett erst am letzten Studiotag geschrieben. Weil von meiner Seite so viel noch in letzter Minute dazugekommen ist, fühlte es sich für uns lange gar nicht an wie ein richtiges Album. Erst als wir hinterher die fertigen Mixe gehört haben, hatten wir wirklich das Gefühl: Okay, wir haben da tatsächlich ein Album produziert. Die Songs haben wir wirklich alle zusammen in einem Raum geschrieben. Niemand übernimmt dabei die alleinige Führung, alles läuft sehr kooperativ. Jeder bringt Ideen ein, wir probieren im Grunde alles aus und gehen auf jede Meinung so gut wie möglich ein. Musik gemeinsam als Band zu schreiben, war letztlich doch unsere leichteste Übung.
© by - Ausgabe # und 20. März 2026
© by Fuze - Ausgabe #117 April/Mai 2026 und Manuel Stein
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