SYFF

Foto© by Liotta Luke

Wozu proben?

Mit „The World Is Yours“, das zunächst in Eigenregie als Tape und wenig später als 7“ auf Kidnap Music veröffentlicht wurde, schlugen SYFF wie aus dem Nichts ein wie eine Bombe. Hochkarätige Supportslots für PASCOW, DONOTS oder CLOWNS folgten auf dem Fuße. Aber wer steckt hinter SYFF? Wir verabredeten uns mit der Band zum Zoom-Interview, an dem Sänger Michel, Drummer Didoff, Gitarrist Chris und Bassist Dominik teilnahmen.

Ihr seid alle aus vielen verschiedenen Städten. Wie kommt man da zusammen, um eine Band zu gründen?

Michel: Ich wohne in Koblenz und arbeite dort in einem Tonstudio, wo ich unseren Drummer Didoff kennengelernt habe, der dort mit seiner anderen Band FOR THEM ALL aufgenommen hat. Ich schreibe bei uns die Songs und hatte damals bereits einige Ideen, die ich gerne festhalten wollte, also habe ich ihn gefragt, ob er nicht Lust hätte, mir ein paar der Songs einzutrommeln. Aus ursprünglich zwei Liedern ist dann mehr geworden und wir haben uns angefreundet. Es hat sich schließlich so verfestigt, dass wir das auch live machen wollten. Chris kenne ich über ein Musikschulprojekt. Mit elf Jahren haben wir bereits unsere erste Band gegründet. Dominik kenne ich, da ich für seine andere Band STACY CROWNE etwas gemixt habe. Wir merkten, dass wir Bock hatten, einmal gemeinsam zu jammen, und so hat sich das sehr müßig über die Jahre hinweg zusammengefügt. Von außen betrachtet wirkt es so, als sei alles recht zügig entstanden. Erst neulich hat Dominik erwähnt, dass er neben STACY CROWNE auch noch eine andere Band hat.
Didoff: Wir hatten eine lange Vorlaufzeit im Proberaum und kamen irgendwann an den Punkt, wo wir uns dachten, dass wir mit dem Scheiß rauskommen könnten. Das hat sich in Koblenz gut angeboten, wo wir im SK2 aufgetreten sind.
Dominik: Offiziell in Erscheinung getreten sind wir erst Anfang 2023 mit ein paar kleinen Konzerten, dann kam die Show mit den DONOTS und zuletzt die kleine Tour mit PASCOW.
Chris: Ich habe heute erst mit meiner Familie über die DONOTS-Show gesprochen, wie da die Bühne vibriert hat. Das war heavy. Ein Moment, der im Gedächtnis bleibt. Die Entstehungsgeschichte mancher Songs reicht teils schon 15 Jahre zurück. Von Riffs, die es in die Songs geschafft haben, über Demoaufnahmen aus anderen Konstellationen, bei denen bereits die Grundstrukturen von SYFF-Songs zu erkennen sind. Bei SYFF sind dann die richtigen Musiker zusammengekommen, um die Songs, die Michel als Produzent und Songwriter über die Jahre zusammengetragen hat, im Studio und auf der Bühne umzusetzen.

Ihr konntet direkt bei Kidnap Music landen. Habt ihr sie mit euren Aufnahmen überzeugt oder gab es da einen persönlichen Kontakt?
Michel: Chris und ich kommen beide aus St. Wendel, wo auch der Standort von Kidnap Music ist. Alex, der Inhaber des Labels und gleichzeitig Sänger bei PASCOW, hatte dort damals, als wir 13 oder 14 Jahre alt waren, mit Tante Guerilla einen Klamotten/Skateboard/Platten-Laden, der uns in dieser Phase sehr geprägt hat. Daher kannten wir uns bereits. Zudem nehmen PASCOW in dem Studio in Koblenz auf, in dem ich arbeite. Ich habe die letzte PASCOW-Platte mit aufgenommen, daher kennt man sich auch. Alex hat auch immer wieder nachgefragt, was aus unserem Projekt geworden ist. Als er schließlich Aufnahmen zu hören bekam, bot er gleich an, das auf Kidnap Music zu veröffentlichen, was wir sehr dankend angenommen haben. Die Supportslots bei PASCOW sind ebenfalls über diesen Kontakt zustande gekommen.

Bei diesen Shows habt ihr ja auch PASCOW-Songs gecovert. Wie kommt so etwas bei der Band und ihren Fans an? Spricht man das vorher ab?
Michel: Das haben wir einfach gemacht, haha.
Dominik: Ich habe noch gefragt, ob sich Michel sicher sei, dass sie die beiden Stücke nicht selber auch spielen.
Michel: Ich bin auch in der Technikgruppe, da ich hin und wieder bei PASCOW als Monitormann aushelfe, und da bekomme ich die aktuellen Setlists mit, daher wusste ich, was sie spielen werden. Zur Not hilft auch setlist.fm, um zu schauen, was eine Band aktuell live spielt. Man kennt das doch selber. Wenn man sich als Zuschauer eine Vorband anschaut, ist man oft ein wenig gelangweilt, da man keinen der Songs kennt, und wir haben uns ein wenig erhofft, dass so eine Aktion die Leute etwas auflockert und animiert, ein bisschen mit uns die Hüften zu schwingen.

Und war das so?
Michel: Zum Teil ja, haha. Das kam auf den Wochentag an. Bei den Freitagsshows in Berlin und Aarau hatten die Leute total Bock, aber den ganzen Saal konnten wir nie davon überzeugen, sich mit uns zu bewegen.

Im Video zu „Terror in my head“ gibt es ja einige Sequenzen aus den „Tony Hawk“-Videospielen. Haben euch diese Spiele mit ihren Punkrock-Soundtracks musikalisch geprägt?
Dominik: Ich bin bei SYFF jetzt nicht so am Songwriting beteiligt, aber diese Spiele haben meinen Musikgeschmack schon sehr geprägt. Mit PENNYWISE und was es sonst alles gab. Da wurden einem beim Zocken ein paar Songs untergeschoben, die man oft noch gar nicht kannte und die einen doch nachhaltig beeinflusst haben.
Michel: Ja, das lief auch ein wenig unterbewusst ab. Man hat das gehört und abgefeiert und Jahre später entdeckt man den Song in einer Spotify-Playlist wieder und freut sich, dass man ihn schon kennt. Zwischen meinem 15. und 18. Lebensjahr war ich ziemlich süchtig nach „Tony Hawk’s Pro Skater 3“, haha.

Ihr habt bisher alles in Eigenregie aufgenommen, gemixt und gemastert, oder?
Michel: Ja, genau. Aber alles so peu à peu. Ich kann ja ruhig auch mal den Namen nennen. Ich arbeite im Tonstudio 45 von Kurt Ebelhäuser in Koblenz und da haben wir das aufgenommen.
Dominik: Der Nachteil ist, dass man immer Zugang hat und dadurch nie fertig wird, haha.
Michel: Ja, durch den ständigen Zugang hat man endlos Zeit, Dinge auszuprobieren und an Sounds zu schrauben, was mir total viel Spaß macht, aber die Sache auch auf unbestimmte Zeit verzögern kann, wenn man keine Deadline hat.

Welchen Einfluss hat die professionelle Arbeit in einem Studio auf die eigene Band? Zerdenkt man da nicht das eine oder andere?
Didoff: Wir haben wesentlich mehr Songs im Studio 45 aufgenommen, als wir bislang veröffentlicht haben. Das geschah aber nicht in einer Session, sondern immer mal wieder. Irgendwann sind wir nach Österreich ins Nautilus-Studio gefahren, um alle bis dato fertigen Lieder noch einmal auf einen Rutsch einzuspielen, da sich gerade bei den älteren Songs doch im Laufe der Zeit Veränderungen ergeben haben.
Dominik: Bei einem Lied fehlten noch Backingvocals. Die habe ich schnell hier in Köln im Studio aufgenommen und am Abend rüber gemailt. Ich arbeite gerne so. Klar, wenn ich mehr Urlaubstage hätte, wäre das klassische Aufnehmen als Band auch reizvoll, aber so spare ich mir meine Urlaubstage lieber für die Konzerte oder tatsächlich für Urlaub auf. Ich bin dieses dezentrale Arbeiten gewohnt.

Das Tape bzw. die Single hat ja durchweg sehr gute Kritiken bekommen. Steigt da nicht der Druck für die nächste Veröffentlichung?
Michel: Ja, wir sind gespannt, wie die Leute darauf reagieren. Wir finden die Sachen super und es gibt einiges, das älter ist als der Kram auf der Single, die ja durchweg kurz und knackig ist. Das andere Material knackt dann doch schon einmal die Drei-Minuten-Marke, haha. In erster Linie machen wir aber Musik, weil sie uns gefällt, nicht um die Erwartungen anderer Menschen zu bedienen. Druck machen wir uns deswegen eigentlich nicht.

Hat sich das Songwriting im Laufe der Zeit geändert? Wenn ich das richtig verstanden habe, hast du, Michel, zu Beginn Ideen gehabt, die Didoff eingetrommelt hat. Entstehen Songs klassisch bei einer Probe?
Michel: Nein, sie entstehen in der Regel zu Hause bei mir am Laptop, wo ich die Drums programmiere, um sie den Didoff später viel geiler einspielen zu lassen, haha.
Dominik: Wir treffen uns einfach nicht oft genug, um ganz klassisch gemeinsam zu komponieren.
Didoff: Die Proben nutzen wir, um uns mit den bereits bestehenden Songs auf die kommenden Konzerte vorzubereiten. Klar, hin und wieder jammen wir auch, aber Songs sind dabei noch keine entstanden.

Einige vergleichen euren Sound mit RKL oder THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY. Könnt ihr damit leben?
Michel: Das nehmen wir gerne an. Der Sänger von TGTBATZ war ja auch bei SILVER und singt auch bei KVELERTAK, und gerade SILVER haben mich früh geprägt. Mein Bruder hat sich während eines Familienurlaubs in Norwegen, da war ich neun und er elf, im Supermarkt eine CD von SILVER ausgesucht, die „World Against World“. Wir sind darauf total abgefahren und es ist bis heute eine meiner Lieblingsplatten.

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