© by Damien DemolderMit „Transmissions“ haben TELEPATHY im Frühjahr 2025 ein Album zwischen Post-Rock und -Metal vorgelegt, das eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt und zeigt, wie inspirierend ein klar umrissenes Konzept für rein instrumentale Musik sein kann. Die Band ließ sich leiten von Fotografien aus dem familiären Umfeld sowie historischen Tonaufnahmen Józef Pilsudskis (polnisches Staatsoberhaupt 1926-1935) und verbindet diese Einflüsse mit cineastischen Klangwelten, experimentellen Strukturen und einer deutlichen Erweiterung ihres Soundspektrums. Während die Briten aktuell an einer Remix-EP arbeiten, die ausgewählte Stücke neu interpretiert, bot sich die Gelegenheit, mit ihnen über das aktuelle Album und die kommende Veröffentlichung zu sprechen.
Die Entwicklung hin zum Einstand bei Pelagic Records – fünf Jahre nach „Burn Embrace“ – war für die Musiker aus Suffolk kein Selbstläufer: „Ich würde sie als einen Weg in Richtung Freiheit zusammenfassen, sowohl persönlich als auch künstlerisch“, erzählt Gitarrist Richard Powley. „Nach dem vorherigen Album haben wir uns sehr direkte Fragen gestellt: Was wollen wir als Nächstes tun? Wie wollen wir es tun? Wie können wir uns so viel künstlerischen Raum wie möglich schaffen? Während der Corona-Zeit unsere eigenen Studios aufzubauen, spielte eine enorme Rolle. Es hielt uns bei Verstand, aber noch wichtiger, es nahm uns den finanziellen und zeitlichen Druck traditioneller Studioarbeit. Das eröffnete uns die Möglichkeit zu experimentieren, zu lernen und die Songs auf organische Weise entstehen zu lassen. Am Ende hatten wir einfach unglaublich viel Spaß dabei, dieses Album zu machen, und ich glaube, dieses Gefühl von Leichtigkeit und Vertrauen hat seinen Weg in die Musik gefunden.“
Die persönlichen Erinnerungen und das kulturelle Erbe der drei polnischstämmigen Brüder und Bandmitglieder Piotr, Albert und Krystian Turek waren für die Entstehung von „Transmissions“ und dessen Stimmung ebenfalls wichtig: „Sobald wir das Cover hatten – ein Foto, das Piotr im alten Familienhaus der Brüder in Polen gefunden hat –, war der Ton sofort gesetzt“, bestätigt Richard. „Es hat etwas Dystopisches und Futuristisches, vermittelt aber gleichzeitig eine tiefe Nostalgie. Diese Dualität prägte sowohl das Sound-Design als auch die Atmosphäre des Albums. Von dort aus begannen wir, mit älteren Samples zu arbeiten, einige westlicher Herkunft, andere polnischer, um dieses Gefühl zu vertiefen. Das half, das Album in Erinnerungen zu verwurzeln und gleichzeitig klanglich nach vorne zu gehen.“
Ein wesentlicher Bestandteil war dabei der verstärkte Einsatz von Synthesizern und cineastischen Ebenen: „Die Synthesizer erlauben uns, Melodien und Harmonien anders anzugehen“, erklärt der Gitarrist. „Wenn man am Keyboard sitzt, verschwinden viele der Gewohnheiten, die man auf der Gitarre entwickelt hat – bestimmte Skalen, Bewegungen oder Griffmuster. Das eröffnet einem neue Möglichkeiten, die wir dann zwischen den Instrumenten hin- und herübersetzen können. Außerdem helfen sie uns, Atmosphären direkter aufzubauen. Synth-Bass und elektronische Musik haben wir schon immer geliebt, daher fühlte sich das Einbringen dieser Elemente nicht erzwungen an. Mit ‚Transmissions‘ haben wir bewusst viele der selbst auferlegten Regeln losgelassen und uns erlaubt, so zu schreiben, wie wir heute sind.“ Diese Vorgehensweise vermeidet Wiederholungen und wirkt sich auch sonst positiv aus: „Wir gaben uns die Erlaubnis, Ideen zu verfolgen, wohin sie auch führten, ohne uns um mögliche Erwartungen zu kümmern“, berichtet Richard. „Größtenteils isoliert zu arbeiten und so viel wie möglich selbst zu machen, half enorm. Es gab keinen Branchendruck und keine tickende Uhr, nur ein Umfeld, in dem wir nach Herzenslust experimentieren konnten. Wenn etwas Neues oder Unerwartetes auftauchte, fragten wir uns einfach: Warum sollten wir das nicht tun? Diese Frage prägte letztlich die Richtung des gesamten Albums.“
Die stimmige Balance zwischen Härte und Weite zu finden, bereitete TELEPATHY aufgrund ihres filmischen Ansatzes keine Schwierigkeiten: „Weil wir so viel Zeit mit Filmsoundtracks verbringen, denken wir darüber in Form von Geschichten nach. Wenn jeder Track eine Reise ist, braucht er Kontraste. Ein guter Film kann nicht nur aus Action bestehen, denn die ruhigeren Momente verleihen den schweren Passagen erst ihre Wirkung. Dieselbe Logik bringen wir in unsere Songs ein.“ Interessant ist „Transmissions“ aber auch aufgrund der Kombination von Nostalgie mit Experimentierfreude: „In diesen Begriffen habe ich noch nicht darüber nachgedacht, aber die Verbindung ergibt Sinn“, überlegt der Gitarrist. „Manchmal löst ein Klang oder eine Textur eine Erinnerung oder ein Gefühl aus, die man nicht erwartet hat. Vielleicht ist es eine einfache Akkordfolge oder eine Sequenz von Noten, die man noch nie verwendet hat. Wenn das passiert, wollen wir dem unbewusst nachgehen und es weiter ausbauen.“ Die anstehende Remix-EP bietet die Gelegenheit dazu: „Die EP entstand aus einer sehr einfachen Idee“, sagt Richard. „Was passiert, wenn wir unsere Musik Künstlern geben, die wir bewundern? Da ‚Transmissions‘ bereits viele elektronische Elemente eingeführt hat, fühlen sich Remixes wie eine natürliche Erweiterung an und sind eine Gelegenheit, diese Seite weiter zu erforschen. Am meisten begeistert uns, die Neuinterpretation zu erweitern, was TELEPATHY sein können. Mit ‚Transmissions 2.0‘ haben wir gelernt, kollaboriert und die Grenzen unserer eigenen Identität als Band gedehnt. In der Welt der instrumentalen Tanzmusik sind Remixes selbstverständlich – ein Original-Song kann in viele verschiedene Richtungen gehen. Diese Logik wenden wir auf instrumentale Rockmusik an und schauen, was passiert.“
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