
Die aus Heilbronn stammende Hardcore-Band veröffentlicht dieser Tage ihr Debütalbum „Resilience.“ bei Arising Empire. Wir sprechen mit Drummer Lukas über den Begriff der Resilienz und warum der so prägend für das Album ist.
Resilienz ist bedeutet ja so was wie „seelische Belastbarkeit“. Inwieweit spiegelt dies den Inhalt eures Albums wider?
Als wir das Album geschrieben haben, wollten wir alle möglichen Dinge ansprechen, die uns beschäftigen, belasten, aber auch wütend machen. Dabei waren das ganz unterschiedliche Themen, sowohl persönliche als auch Beobachtungen aus dem Weltgeschehen oder dem Umgang miteinander innerhalb der Gesellschaft. Als wir das Album fertig hatten und im Gesamten betrachtet haben, ist uns aufgefallen, dass die Inhalte, die wir behandeln, nicht immer einfach sind, es jedoch immer darum geht, sich dem zu stellen. Sich den Dingen zu stellen, und damit auseinandersetzen. Egal wie schlecht es aussieht – einfach weitermachen. Egal, was kommt.
Insgesamt beschäftigt ihr euch ja mit mit inneren und äußeren Konflikten. Kannst du uns für beides ein Beispiel nennen, wie diese eine Inspiration für die Songs gewesen sind?
Ja, das ist richtig. Ein gutes Beispiel für den inneren Konflikt ist unser Song „creep.“. Darin geht es um den dunklen Teil der Persönlichkeit, den jeder in sich trägt. Der Teil, der dir ständig auflauert, bei jedem Schritt hinter dir steht und dir schlecht zuredet. Es geht aber auch darum, sich dessen bewusst zu werden und zu akzeptieren, dass es diesen Teil gibt. Der Song „snake.eater“ behandelt Konflikte im Weltgeschehen, und stellt Regierungen oder Personen in Machtpositionen an den Pranger. Der Song ist eine deutliche Kritik an Kriegstreibern, die sinnlose Gewalt in Kauf nehmen, um für sich einen persönlichen Vorteil oder Nutzen daraus zu schlagen, währen die zivile Bevölkerung unter den Konsequenzen leidet. „death//rebirth.“ ist eine Mischung aus beidem. Zu einem Teil geht es um die Erwartungshaltung der Gesellschaft selbst, die einem vorschreiben möchte, wie man sein Leben zu führen hat. Auf der anderen Seite geht es darum, was das mit einem macht, aber auch um die Erkenntnis, dass die Entscheidung, sich dem Druck zu beugen, komplett bei einem selbst liegt und man sich auch davon befreien kann. Insgesamt kann man das Album als „Zwei Seiten der gleichen Medaille“ sehen. Das Innere, das Äußere, und das was daraus entsteht.
Inwieweit hast du dich dabei auch mit deinen eigenen Dämonen auseinandergesetzt?
Jeder von uns hatte Einfluss beim Schreiben der Texte, daher würde ich sagen, dass in allen Songs ein Teil von jedem steckt. Für mich sind aber „shattered.glass.“ und „deceiver.“ am relevantesten, da ich hier auch beim Schreiben den größten Anteil hatte. In „shattered.glass.“ spreche ich darüber, wie es mir nach dem Tod meines Bruders ging, und was das mit mir gemacht hat. Wenn man jemanden so plötzlich verliert, dann fühlt sich das an, als würde es einen zerreißen. Und selbst wenn man alles wieder zusammensetzt, fehlt ein Teil. In „deceiver.“ geht’s für mich um die Erkenntnis, dass es manchmal die Hoffnung selbst ist, die einen kaputtmacht. Jedes Mal, wenn man denkt: „Jetzt hab ich’s geschafft“, wird einem der Boden wieder weggezogen. Es fühlt sich an, als würde man ständig betrogen – nicht von anderen, sondern von dieser Vorstellung, dass alles bald besser wird. Trotzdem geht es für mich nicht nur ums Scheitern – sondern auch darum, dass man am Ende trotzdem weitermacht. Nicht aus Hoffnung, sondern weil ich gelernt habe, mich nicht mehr davon lenken zu lassen.
Auch in Deutschland nimmt die psychische Belastung der Menschen immer weiter zu und sind immer häufiger Grund für Krankmeldungen. Ist dieses Album für dich auch eine Art der Therapie? Und was, denkst du, können andere Menschen aus eurer Musik oder Musik allgemein ziehen?
Ja, auf jeden Fall. Wir haben alle sehr viel in den Songs verarbeitet, aber auch viel über uns selbst gelernt. Wir hoffen, dass andere Menschen durch unsere Musik selbst etwas Resilienz aufbauen können, und den Mut aufbringen können, ihre eigenen Probleme zu konfrontieren.
Um noch einmal auf den Albumtitel zurückzukommen – was, denkst du, hilft dir dabei, deine seelische Belastbarkeit aufrechtzuerhalten?
Man kann nicht alle Probleme auf einmal lösen. Manche kann man gar nicht lösen. In jeden Fall braucht man Zeit. Mir hilft es, mir dessen bewusst zu sein. Und egal vor welcher Aufgabe man steht, wenn man einfach weitergeht, kommt man irgendwann zum Ziel. Egal, wie klein die Schritte sind.
© by Fuze - Ausgabe #113 August/September 2025 und Dennis Müller
© by Fuze - Ausgabe #113 August/September 2025 und Jeannine Michèle Kock