© by Noel RichterIn den 1990ern galten TOCOTRONIC als Role Models der Hamburger Schule. Mit Songs wie „Die Welt kann mich nicht mehr verstehen“ oder „Wir kommen um uns zu beschweren“ lieferten sie Slogans für eine ganze Generation. Dazu den Look für ihr linksintellektuelles Diskurs-Publikum mit Trainingsjacken, Cordhosen und Seitenscheitel.
Sie beteiligten sich an „I can’t relax in Deutschland“, einer Kampagne gegen Nationalismus in der Popkultur, und lehnten einst den Musikpreis Comet in der Kategorie „Jung, deutsch und auf dem Weg nach oben“ einfach ab. Mitte Februar erscheint mit „Golden Years“ das 14. Album von TOCOTRONIC. Und selbst wenn sie nicht mehr so wütend und verzweifelt sind wie in ihren Anfangstagen, legen Dirk von Lowtzow, Jan Müller und Arne Zank immer noch den Finger in die Wunde. Die drei Wahl-Berliner erzählen, was sie nach mehr als 30 Jahren immer noch antreibt.
Euer zweiter Gitarrist Rick McPhail ist nach 20 Jahren vorerst nicht mehr dabei. Wie geht’s ohne ihn weiter?
Dirk: Rick hat noch das komplette Album eingespielt und uns einige seiner schönsten Gitarrenspuren geschenkt. Da sind unglaubliche Soundscapes dabei. Also nicht, dass der Eindruck entsteht, wir hätten das Album zu dritt aufgenommen. Für die weitere Zukunft kann ich nur die sehr diplomatische Politiker-Antwort geben: Wie arbeiten dran. Man wird sehen, was passiert. Wir haben einige Ideen, also lasst euch überraschen.
„Golden Years“ heißt das neue Album. So heißt auch ein Song von David Bowie. Gibt’s da einen Bezug?
Dirk: Den Bezug zu David Bowie gibt es nur mittelbar. Ich habe das Stück eines schönen Morgens geschrieben und bin dabei an einem Buch vorbeigelaufen, das bei mir im Bücherregal steht. Das heißt eben „Golden Years“. Ein Reader über queere Subkultur und Avantgarde der 1960er und 1970er Jahre. Da steht in großen schwarzen Lettern auf weißem Grund „Golden Years“ drauf. Dieses Buch ist mit Sicherheit nach dem Song von David Bowie benannt. Irgendwie hat sich dieser Titel in mein Unterbewusstsein eingebrannt, so dass ich beim Schreiben des Refrains vom Titelsong plötzlich „Golden years“ gesungen habe. Fast unwillkürlich. Insofern habe ich den Bowie-Bezug über diese Bande gespielt. In der heutigen Zeit kann man diesen Albumtitel durchaus als sarkastisch bezeichnen. Dazu passt der Schrifttyp im Artwork. Mit diesen Zacken, irgendwo zwischen Crustpunk- und Black-Metal-Optik. Er kann aber auch im Sinne eines vorsichtigen Optimismus als goldener Streif am Horizont gelesen werden. Denn es gibt auch ein Stück, das heißt „Vergiss die Finsternis“. Also diesen utopischen Strang gibt es auf dem Album auch.
Die Grundfarbe des Songs ist typisch für TOCOTRONIC der Neuzeit. Ihr habt Hoffnung und Zuversicht und seid nicht mehr so zornig wie in den frühen Jahren.
Arne: In den Anfangsjahren der Band ging es uns tatsächlich oft um Abgrenzung. Das wird aber mit fortschreitendem Alter ein bisschen langweilig, wenn es so ein Automatismus ist. Außerdem hat Widerstand in der jetzigen Zeit auch einen anderen Klang bekommen. Dadurch hat sich unsere Perspektive verändert. Inzwischen gelten durchaus bedenkliche Standpunkte auf einmal als widerständig. Aus diesem jugendlichen Zugang haben wir uns inzwischen heraus entwickelt.
Dirk: Es gibt auf diesem Album aber auch eine ganze Menge rebellische Songs, die den Geist der frühen TOCOTRONIC-Alben in die Jetztzeit transportieren. „Bye bye Berlin“ ist so ein Song, der aus so einer Anti-Haltung entstanden ist. Oder auch „Ein Rockstar stirbt zum zweiten Mal“, in dem es so eine theatralische Trotzigkeit gibt. Oder „Der Seher“, der schon fast etwas nostalgisch Rabaukiges hat. Bei uns gibt es immer verschiedene Pole. Alles, was wir machen, ist doppelsinnig oder von einem inneren Widerspruch gekennzeichnet. Deshalb gibt es diese Stücke, die versöhnlicher sind oder vielleicht auch altersmilde, es gibt aber auch Stücke, in denen wir eine gewisse Wut entfachen.
Jan: Ich glaube, dieses Einverstandensein mit Dingen wie in „Golden years“ gab es auch schon früher. Das spüre ich etwa in dem Stück „Drüben auf dem Hügel“. Seitdem dieser Hass in den sozialen Medien so präsent wurde, gibt es bei uns aber eine Awareness im Vokabular. Das erste Lied unseres 1995er Debütalbums „Digital ist besser“ fängt noch an mit der Zeile „Ich weiß nicht, wieso ich euch so hasse“. Die Vokabel „Hass“ ist heutzutage in niederträchtige Zusammenhänge geraten. Auch deshalb suchen wir im Jahr 2025 andere Ausdrucksformen.
Ich finde, die Songs von TOCOTRONIC sind klanglich im Laufe der Jahre wärmer geworden. Ihr habt auch angefangen, ungewöhnliche Instrumente zu verwenden, nicht nur Gitarre, Bass und Schlagzeug.
Dirk: Das ist natürlich Ausdruck der Tatsache, dass wir uns nie als eine Genre-Band empfunden haben. Von Anfang an nicht. Wir sind total in den Punk- und Hardcore-Sound hineinpubertiert, das ist die Musik, mit der wir aufgewachsen sind. Aber wir haben uns nie einem bestimmten Genre verpflichtet gefühlt. Wegen der musikalischen Limitierung war uns lange Zeit nichts anderes möglich, aber im Laufe der Zeit sind natürlich auch andere Sounds dazugekommen, die uns gefallen haben. Als wir 1997 mit „Es ist egal, aber“ erstmals ein Album mit Streichern und Hans Platzgumer als Produzent aufgenommen haben, haben wir zum ersten Mal zugelassen, dass wir arrangierte Musik wie von BEACH BOYS toll fanden. Dinge wie Easy Listening oder Scott Walker sind erst allmählich in unsere musikalische DNA diffundiert. Wir fanden es immer schön, das auch zuzulassen. Man merkt, dass die musikalische DNA der Band immer wieder erweitert wird, und das finde ich sehr spannend. Es macht mich glücklich, dass so etwas in diesem offenen Konzept TOCOTRONIC möglich ist. Dass wir nicht einen Markenkern haben und diese eine Musik bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag wiederholen müssen.
Textlich setzt ihr allerdings auf ganz zentrale Themen. Wiederkehrende Motive sind Liebe, Tod und Unterwegssein. Warum kehrt ihr immer wieder zu diesen Themen zurück?
Dirk: Das neue Album ist ziemlich klassisches Songwriting und es sind natürlich genau diese Themen, die in fast allen Stücken vorkommen. Die werden auch nie richtig langweilig. Ich habe neulich auf Arte eine Dokumentation über die Entstehung der Country-Musik gesehen. Da fand ich erstaunlich, wie stark sich die Inhalte doch gleichen und wie gut man diese zwei oder drei zentralen Themen variieren kann. Das ist das Interessante an dieser kleinen Form Popmusik. Im Gegensatz zur großen Literatur ist das eine kleine Literatur. Das finde ich faszinierend. Im Prinzip sind es immer wieder nur drei Minuten. Und was passt in drei Minuten schon rein? In einem guten Folk- oder Country-Song ist aber alles drin. Schon Van Morrison hat getextet: „Three chords and the truth“.
Jan: Liebe und Tod sind natürlich die Themen jeglicher Kunst. Und das Unterwegssein bringt der Beruf mit sich.
Dirk: Anders als bei vielen anderen Bands ist bei uns, und das zeichnet uns als Kinder unserer Epoche aus, dass wir die Metaebene in unseren Songs immer mitgedacht haben. Es gibt also immer wieder Zitate oder Texte übers Musik machen. Das ist eine Technik, die sehr typisch für die 1990er Jahre ist. Für Bands wie PAVEMENT, SILVER JEWS oder CAT POWER, die die eigene Unzulänglichkeit und das Nicht-Erfüllen von Kriterien in der Musikgeschichte mitgedacht haben. Es zeichnet uns bis heute aus, dass wir wissen, dass Popkunst eine Zitatkunst ist und dass alles schon einmal gemacht wurde.
Ein zentraler Track auf dem Album ist „Denn sie wissen, was sie tun“. Ein sehr politischer Song. Worum geht es?
Dirk: Allgemein betrachtet, meinen wir damit Menschen, die Niedertracht zur Durchsetzung ihrer Interessen verwenden. Es ist eine Tatsache, dass Niedertracht eine wachsende Hegemonie in der Gesellschaft bekommen hat. Man kennt Hass und Hetze in den sozialen Medien. Wenn man den Song politisch deuten möchte, kann ich sagen, dass er entstanden ist, als die Umfragewerte der AfD bundesweit auf über 20% gestiegen sind. Sofort wurde das immer mit dem Mythos des Protestwählers erklärt. Wie schon so oft. Und wir haben uns gefragt: Was wäre, wenn die AfD-Politiker und -Politikerinnen, aber auch ihre durchaus gewaltbereiten Anhänger und Anhängerinnen genau diese Niedertracht, gerade diesen Faschismus, diesen Rassismus, diese irrsinnige Ideologie an der Macht sehen wollen? Das war eigentlich der Impuls, diesen Song zu schreiben.
Mit welchen Gefühlen betrachtet ihr die aktuelle politische Entwicklung in Deutschland? Das Ampel-Aus, Neuwahlen und das Erstarken der AfD?
Jan: Unabhängig davon, ob wir Musiker sind oder nicht, treibt das jeden Menschen gerade um, der etwas Positives im Kopf hat für unsere Gesellschaft. Das ist sehr frustrierend und es erfordert eine große Anstrengung, nicht zu resignieren. Kapitulation wäre jetzt auf jeden Fall das Falsche. Ich wundere mich immer über die Schockstarre, die uns teilweise suggeriert wird. Als sei man gewissen Entwicklungen ausgeliefert. Es gibt aber durchaus Möglichkeiten, sich zur Wehr zu setzen. In vielen Fällen würde es schon reichen, geltende Gesetze umzusetzen.
Dirk: Ich denke, man kann den Kampf schon mit einer gewissen Entschlossenheit führen, wenn man etwa an das Parteiverbotsverfahren gegen die AfD denkt. Diese Möglichkeit gibt es und wir sind der Meinung, dass das viel zu zögerlich in Angriff genommen wird. Wir wären sehr dafür. Man kann es vielleicht für naiv halten, aber man könnte auf EU-Ebene schon auch einiges machen, was die Reglementierung von Social-Media-Plattformen betrifft. Deren Algorithmen führen uns vom Angel-Tutorial auf dem schnellsten Weg zu Hass und Hetze. Diese Algorithmen kann man eingrenzen. Da könnte man schon was machen, wenn es den politischen Willen gäbe. Ich glaube schon, dass das auf lange Sicht einen Effekt zeigen würde. Aber es ist natürlich wahnsinnig schwierig und man merkt, wie die Zeiten sind, gerade in Amerika. Dort gibt es eine wegweisende Gerichtsentscheidung, dass man Social-Media-Plattformen nicht als Teil der Presse bezeichnet und dass die Inhaber dieser Plattformen eben nicht haften im Sinne des Presserechts. Das hat tatsächlich fatale Folgen. Seitdem sind der Bewirtschaftung von Ressentiment und Groll keine Grenzen der Verantwortung mehr gesetzt.
Ihr alle habt eine gewisse Punk-Sozialisation. Aber seit „K.O.O.K.“ 1999 ist jede eurer Platten in den Top Ten der Albumcharts gelandet. Sind TOCOTRONIC im Grunde eine Mainstream-Band?
Jan: Es gibt kommerziell wesentlich erfolgreichere Bands als uns. Ich habe aber auch nie an den Widerspruch zwischen Punk und Erfolg geglaubt. Das habe ich immer als wahnsinnig kleinkariert wahrgenommen. Wenn man das historisch betrachtet: Wir haben unabhängig bei einem Indielabel angefangen, und nachdem wir als Band genug Kraft gesammelt haben, sind wir eher unfreiwillig zu einem Majorlabel gekommen. Das ist aber viel zu langweilig, um das alles zu erklären.
Arne: Mit dieser Diskussion und diesen Wiedersprüchen sind wir quasi aufgewachsen. In meiner Jugend gab es nur Punkrock und dann habe ich ein Schülerpraktikum bei einer großen Plattenfirma in Hamburg gemacht, bei der meine Helden wie THE DAMNED ihre Platten veröffentlicht haben. Diese frühen 1977er-Punkbands waren alle auf Majorlabels und trotzdem sind wir mit dieser Musik aufgewachsen. Später ging es weiter mit Hardcore und dieser politischen Korrektheit. Da hat es immer diese Debatten gegeben, was richtig und was falsch ist. Wenn ich das jetzt mit über fünfzig betrachte, finde ich diese Diskussionen auch ein bisschen witzig. Aber natürlich ist es auch fruchtbar, dass sich alle gegenseitig auf die Füße treten. Das ist völlig in Ordnung.
Jan: Mir fallen dazu zwei Punk-Legenden aus Hamburg ein, die ganz unterschiedliche Wege gegangen sind. Zum einen Jens Rachut, der ganz kompromisslos war, nie etwas mit großen Plattenfirmen zu tun haben wollte und auch stark dagegen polemisiert hat. Zum anderen Frank Z., der in meinen Augen genauso glaubwürdig war, er ist ja vor kurzem gestorben. Der war genauso radikal, hat mit seiner Band ABWÄRTS aber alle Majorlabels durchgemacht. Es geht also beides, finde ich.
Zurück zum Album. Worum geht’s im Song „Bye bye Berlin“? Flucht aufs Land? Gentrifizierung?
Dirk: Um Flucht aufs Land geht es nicht, es gibt eine Zeile in dem Song, die lautet „Schluss mit Uckermark“. Das Landleben ist für uns also keine Lösung, das können wir so festhalten. Der Hintergrund des Stückes ist ein Bild des amerikanischen Malers Austin Martin White, das ich in einer Galerie in Berlin gesehen habe. Das ist ein Künstler aus Detroit, der sehr viel über elektronische Musik arbeitet, und zwar aus einer dezidiert schwarzen Perspektive. Der hat ein Bild geschaffen, das heißt „fireatthechurchofclubs (Bye Bye Berghain)“. Das hat mich so begeistert, dass ich nach Hause gegangen bin und dieses Stück geschrieben habe. Und in dem Text von „Bye bye Berlin“ brennt dann auch das Berghain. Der Song ist inzwischen politisch geworden, durch die beschlossenen Kürzungen im Kulturetat in Berlin. Da hat man schon den Eindruck, dass Berlin wesentlich abweisender wird, als es ohnehin schon in den vergangenen Jahren geworden ist. Verglichen mit der räumlichen Utopie der 2000er Jahre. Es ist eine sehr gefährliche Entwicklung, das macht mich sehr traurig. Aber in seiner ursprünglichen Intention war der Song kein Abgesang auf Berlin. Es war also nicht als Berlin-Bashing gemeint, sondern inspiriert von dem Bild.
Wie funktioniert heute euer Bandleben? Geht ihr noch ganz klassisch in den Proberaum?
Dirk: Das ist immer noch ein ganz wichtiger Ort für uns. Wir proben mit richtigen Instrumenten und drehen unsere Verstärker auf. Gerade treffen wir uns regelmäßig und arbeiten an der Setlist für unsere Konzerte. Wir teilen uns den Raum mit der Musikerin Masha Qrella und haben uns da ganz gemütlich eingerichtet. Manche Proben arten dann auch in einen Kaffeeklatsch aus. Bei uns kann das schnell passieren, haha. Das sind schon mal regelrechte Kuchenorgien, die da stattfinden.
Jan: „Golden Years“ ist nicht im Proberaum entstanden. Aber große Teile des letzten Albums „Nie wieder Krieg“ sind im Proberaum entstanden. Das aktuelle Album haben wir tatsächlich ungeprobt eingespielt. Jetzt ist aber der Proberaum der Ort, wo wir die Stücke, die wir auch live spielen, durchmischen mit älteren Stücken. Der Proberaum ist für uns schon sehr wichtig.
Inzwischen habt ihr alle Bücher veröffentlicht. Jan hat seinen Podcast, Arne seine Trickfilme, Dirk war als Schauspieler zu sehen. Ist die Musik immer noch ganz oben auf der Prioritätenliste?
Arne: Die Musik mit TOCOTRONIC steht immer noch an erster Stelle. Gleichzeitig wissen wir seit den Anfängen, dass wir auch ein Leben abseits der Band führen möchten. Da waren wir uns alle immer einig. Wir hatten unsere Work-Life-Balance immer im Blick, damit auch ein gesunder Lebenswandel möglich ist. Deshalb müssen Projekte abseits der Musik möglich sein, weil wir uns alle mannigfaltig für Kunst oder Literatur interessieren. Deshalb haben wir es allen ermöglicht, sich auf anderen Spielwiesen auszutoben. Diese Kreativität kommt der Band auch wieder zugute.
Ihr lebt seit Jahren alle drei in Berlin. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung seid ihr immer noch Hamburger. Wie viel Hamburg steckt noch in TOCOTRONIC?
Dirk: Ich als einziger Nicht-Hamburger in der Band finde, dieser Style, den Hamburg in den 1990ern hatte, dass Musik nicht nur Musik war, sondern eben auch Politik oder Kunst, dieser Ansatz steckt immer noch in uns drin. Im Gegensatz zu vielen Bands, die man aus Berlin kennt.
Jan: Es gibt eine Ebene jenseits der Karriere der Band, die verbinde ich stark mit Hamburg. Das sitzt tief in uns drin und das ist auch schön, finde ich. Es ist aber auch schön, das von Berlin aus zu betreiben.
Aktuell wird viel auf die Szene zurückgeschaut, in der ihr angefangen hat. Es gibt Dokumentationen und Bücher über die Hamburger Schule. Wie findet ihr das?
Arne: Ich finde es ganz erfreulich, dass man alte Bekannte aus dieser Zeit wiederentdeckt. Wir schauen aus einer eher dankbaren Perspektive auf diese Zeit zurück, weil wir durchgehend erfolgreich waren. Wir müssen uns nach all diesen Jahren nicht dazu positionieren. Ich finde es auch lustig, wenn ich diese Streitigkeiten von damals sehe, eben auch weil wir uns nicht daran beteiligen mussten. Ich freue mich aber auch für viele Leute, dass sie noch einmal in die Öffentlichkeit kommen. Denn das war schon eine sehr spezielle und wichtige Zeit für deutsche Popmusik. Deshalb hat dieser Rückblick absolute Berechtigung.
Jan: Ich finde es beeindruckend, wie viele Protagonisten aus dieser Zeit noch aktiv sind. Ich war kürzlich bei den GOLDENEN ZITRONEN, die ihr 40-jähriges Bühnenjubiläum gefeiert haben. Oder auch Bernd Begemann und Bernadette La Hengst. Viele Menschen machen noch Musik.
Was wäre aus euch geworden, wenn aus TOCOTRONIC nichts geworden wäre?
Jan: Dirk und ich haben gemeinsam Jura studiert. Deshalb sähe ich mich ganz klar als Richter am Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Denn das Verwaltungsrecht fand ich immer am erfrischendsten im Studium der Rechtswissenschaften. Ich erinnere an den spannenden Klostein-Fall, dem ich mich in einer vierwöchigen Hausarbeit gewidmet habe, haha.
Dirk: Ich glaube, ich wäre ein wahnsinnig unglücklicher Mensch geworden.
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