VIDEO SCREAM

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Horror - und Splatterfilm-Videothek

Christian Pelka, 27, betreibt seit 1991 in Hagen die Horror - und Splatterfilm-Videothek „Videoscream". Er konnte das verwirklichen, wo von andere Splatterfans träumen: Die Verbindung von Hobby und Beruf. Ich unterhielt mich mit ihm über die speziellen Probleme eines Videothekars, der auf ganz legale Weise Videos unter's Volk bringt, die jeder Jugendschützer am liebsten im Giftschrank sehen würde.

Wie kamst du auf die Idee, eine Videothek speziell für Horrorfilme zu eröffnen?

Mein größtes Hobby war schon immer die Beschäftigung mit Horror/ Science Fiction, und so hoffte ich insgeheim, dieses Hobby zum Beruf machen zu können. Vor drei Jahren wurde das Projekt einer Videothek dann konkret. Damals wollte und konnte ich in meinem alten Beruf nicht mehr weitermachen. Ich stand vor der Entscheidung umzuschulen, oder etwas ganz anderes zu machen. Ich habe mich dann hierfür entschieden, was ein gewisses Risiko war, aber es ist gut gegangen.

Liegt Hagen nicht etwas zu abseits, um eine so spezielle Sache aufzuziehen?
Ich würde sagen, dass Hagen noch so gerade an der Grenze liegt. Wenn es noch weiter entfernt vom Ruhrgebiet läge, wäre es schon etwas kritisch geworden.

Hast du anfangs von Seiten der Behörden keine Probleme mit der Videothek bekommen?
Nee, überhaupt nicht. Ich werde ständig danach gefragt und muss die Leute dann immer enttäuschen. Vielleicht liegt es daran, dass Hagen in dieser Hinsicht ein recht ruhiges Pflaster ist. Ich habe höchstens mal Probleme mit irgendwelchen 0 8 / 1 5 - Kunden, die sich über nicht deutschsprachige Filme aufregen, teilweise auch noch Filme aus Hongkong oder Thailand, mit fürchterlichen Schriftzeichen drauf, die kein normaler Mensch versteht. Dass jemand zufällig so einen Film in die Finger bekommt, ist eher selten. Leuten, denen ich das ansehe, rate ich auch meistens davon ab.

Und wie hat das konkret begonnen? Aufgrund der gesetzlichen Bestimmungen in Deutschland ist es doch nicht ganz u n problematisch diese Art Geschäft zu betreiben.
Wir wissen, wie es mit den Gesetzen - was die Filme betrifft -, und dem Jugendschutz in Deutschland aussieht und solange wir uns daran halten, also keine verbotenen Filme in den Laden stellen oder Werbung für indizierte Filme machen, ist das überhaupt kein Problem. Hier sind sicherlich Filme dabei, wo mancher mit dem Kopf schütteln würde, aber trotzdem bewegt sich alles im legalen Bereich.

Und was musst du dabei beachten? Ich habe letztens noch von einem Fall gelesen, wo ein Videothekar eine Geldstrafe aufgebrummt bekam, weil sein nicht jugendfreies Sortiment auch von außen zu begutachten war.
Die Hauptsache ist natürlich, dass außen gut sichtbar ein Schild angebracht ist: Für Jugendliche kein Zutritt! Man darf von außen keine Einsicht in die Videothek haben, aber das ist eine Bestimmung, die nicht nur speziell mich betrifft, sondern generell für jede Erwachsenen-Videothek gilt. Man sollte nach Möglichkeit auch keine Poster von indizierten Filmen ins Schaufenster hängen. Aber ansonsten gibt es keine speziellen Regelungen für eine Videothek, die mit fremdsprachigen Filmen handelt. Für den Versand gelten ähnliche Bestimmungen. Man darf nur keine indizierten Kassetten verschicken und die Empfänger müssen mit einer Kopie des Personalausweises nachweisen, dass sie mindestens 18 Jahre alt sind.

Aber du hast doch hier offensichtlich Filme stehen, die in dieser Form indiziert oder beschlagnahmt sind - mit dem Unterschied, dass sie nicht deutschsprachig sind.
Indizierte Filme darf ich mir schon in den Laden stellen. Ich darf nur keine Werbung dafür machen. Eine Indizierung an sich ist keine zu große Einschränkung. Bei einer Beschlagnahmung ist dann natürlich überhaupt nichts mehr möglich. Der Film muss dann konsequent rausgenommen werden.

Aber sich indizierte Filme in Deutschland in den Laden zu stellen, die die FSK vorher in den Fingern hatte, ist doch relativ witzlos, weil die in den meisten Fällen geschnitten sind.
Im Großen und Ganzen lohnt es natürlich nicht besonders, sich deutsche Filme in den Laden zu stellen. Aber es gibt noch die eine oder andere Perle, die übrig geblieben ist oder irgendwie unbemerkt ungeschnitten durchrutscht. Das ist aber eher die Ausnahme. Gerade deswegen greifen die Leute immer mehr auf englischsprachige Originalfassungen von Filmen zurück.

Wobei man da ja auch wieder aufpassen muss. Es gibt ja doch einige Länder, die ähnlich restriktiv mit bestimmten Filmen umgehen wie Deutschland.
Deshalb greift man zum größten Teil auf Länder zurück, wo es nicht so aussieht wie in Deutschland. In England breitet sich diese Zensurgeschichte auch immer mehr aus und deswegen werden in letzter Zeit immer seltener Sachen aus England bestellt. Man greift dann hauptsächlich auf holländische Versionen zurück. Hongkong ist auch ein Paradies. Die meisten Länder sind von dieser ganzen Geschichte glücklicherweise aber noch verschont.

Bedeutet das für die Praxis, dass du ständig auf der Jagd nach irgendwelchen bestimmten Versionen von Filmen bist?
Ja, sicher! Man achtet schon darauf, wenn man einen bestimmten Verdacht hat oder wenn jemand , den man kennt, eine bestimmte Version schon mal in den Händen hatte und fragt den dann. Aber das spricht sich auch sehr schnell rum, wenn irgendeine Fassung geschnitten zu sein scheint.

Das heißt aber für das Geschäft, dass du unter einem ständigen Beschaffungsdruck stehst.
Klar! Der absolute Höhepunkt war „Braindead". Als der so langsam ins Rollen kam, da gab es wirklich täglich Anrufe und Leute, die persönlich vorbeigekommen sind und wissen wollten, wann der den endlich erscheint, wann er im Verleih steht, wann man ihn kaufen kann. Die Leute sind schon fast süchtig nach einigen Filmen.

Wie sieht deine Kundschaft denn im Einzelnen aus? M a n kann wahrscheinlich nicht sagen, dass der Horrorfan ein spezielles Erscheinungsbild hätte.
Die kommen aus den unterschiedlichsten Ecken. Man kann auch nicht sagen, dass die zum größten Teil aus einer bestimmten Berufssparte kommen oder einen bestimmten Schulabschluss haben. Und jetzt zu sagen, dass die alle irgendwie etwas unterbelichtet wären, das ist das größte Vorurteil überhaupt. Ich würde bei Leuten, die sich für den Horrorfilm, bzw. für den phantastischen Film interessieren, eher genau das Gegenteil behaupten . Da trennt sich schnell die Spreu vom Weizen. Wenn Leute hier nach einem Film fragen und dann die Antwort bekommen, dass der Film zwar da ist, aber in der englischsprachigen Version, dann verlieren die schon das Interesse, weil sie Englisch meist nicht verstehen. Ob man da jetzt von den gehobeneren Schichten sprechen kann, weiß ich nicht. Auf jeden Fall kann ich über die Leute, die ich bisher kennen gelernt habe, sehr wenig Negatives sagen. Da habe ich mit dem 08/15-Videokunden wesentlich mehr Probleme, als mit den Leuten, die sich für spezielle Bereiche interessieren.

Diese Fans scheinen über ein gutes Informationssystem zu verfügen, denn viel Werbung machst du ja nicht für den Laden. Ich würde durch eine Anzeige im SPLATTING IMAGE auf euch aufmerksam.
Am Anfang habe ich überhaupt keine Werbung gemacht, weil ich damals dachte, dass zu viel Werbung auch schaden kann, wenn das Leute mitbekommen, auf die ich nicht so scharf bin. Anfangs war ich da etwas zu ängstlich, aber mittlerweile weiß man, was zulässig ist und was nicht. Deshalb ist es überhaupt kein Problem, Werbung zu machen, was wir jetzt auch verstärkt betreiben. Es sind auch etliche Kunden durch die Werbung dazugekommen. Man könnte das schon als weit verzweigtes Netz bezeichnen. Ich weiß nicht, wie viele Horrorfans es alleine in NRW gibt, aber die kennen sich auch untereinander, was für mich eigentlich ein Nachteil ist, da von den Leuten sehr viel untereinander ausgetauscht wird und sich so einige den Weg in die Videothek sparen.

Aber gerade diese Horror-Subkultur hat doch eine ganze Zeit überhaupt nur existieren können, weil irgendwelche Raubkopien im Umlauf waren.
Da hast du schon recht, und teilweise bekommt man das finanziell unangenehm zu spüren. Es ist natürlich nicht zu bestreiten, dass die ganze Sache auch teilweise davon lebt.

Du profitierst offensichtlich von der Situation in Deutschland, wodurch überhaupt erst eine starke Nachfrage nach bestimmten Filmen besteht. In anderen Ländern wärst du ja nur einer unter vielen.
Das ist das wirklich Lustige an der Geschichte , denn wenn das in Deutschland nicht so extrem verfolgt würde, wäre das Interesse für bestimmte Filme wahrscheinlich gar nicht so groß und man selbst hätte gar nicht so großen Spaß daran. Verbotene Früchte schmecken eben besser.

Wie stehst du denn allgemein zum Jugendschutz?
Bis zu einem gewissen Punkt ist das schon in Ordnung, aber wenn jemand volljährig ist, sollte er schon selbst entscheiden können, welche Filme er sich anschaut. Aber in der Regel ist es so, dass man als Erwachsener gesagt bekommt, in welcher Form man sich einen Film ansehen darf, also welche Szenen man sich ansehen darf und welche nicht. Bis zum 18. Lebensjahr ist es schon in Ordnung, denn vielleicht ist wirklich der eine oder andere Jugendliche dabei, der einen bestimmten Film nicht so ganz verkraftet, den etwas zu ernst nimmt und daraufhin etwas Unüberlegtes tut.

Hast du Probleme damit, durch die Medienberichterstattung gesellschaftlich in eine Schmuddelecke gedrängt zu werden?
Nein, denn alles, was von den 08/ 15-Leuten als „nicht normal" eingestuft wird, gehört schon zu einer ganz üblen Randgruppe. Außer dass ich diese Videothek mache, besitze ich einen Bullterrier und gehöre damit auch noch zu der Randgruppe, die sich fürchterliche Kampfhunde hält, die kleine Kinder zerfleischen. Außerdem bin ich auch noch Vegetarier.

Bist du denn als Berater gefragt, auch bei Leuten mit speziellen Vorstellungen?
Das ist teilweise schon sehr aufwendig. Beim 08/15-Kunden läuft das Gespräch relativ zügig ab, während das beim Horrorfan dagegen schon eine ziemlich ausgedehnte Sache ist. Die wollen auch richtig beraten werden, das gehört schon dazu.

Du musst dir also schon so ziemlich alles anschauen, ob du jetzt willst oder nicht?
In der Regel schon. Manchmal macht es ein Kollege, auf den ich mich geschmacklich verlassen kann, damit ich mir nicht unbedingt alles angucken muss. Aber die meisten Sachen schaue ich mir schon an, auch wenn ich manchmal überhaupt keine Lust dazu habe.

Was war denn filmtechnisch so der Geheimtip der letzten Zeit?
„Man Bites Dog", würde ich sagen. Und vielleicht enttäusche ich jetzt den einen oder anderen, aber „True Romance" gefiel mir auch sehr gut.

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