
Trevor, Sänger der Band aus Massachusetts, bekam seine ADHS-Diagnose erst im Erwachsenenalter und mit „Silk & static“ gibt es einen Song darüber auf der neuen EP „I Don’t Belong Here“. Wir sprechen mit ihm über die Diagnose und welchen Einfluss sie auf ihn und seine Musik hat.
Wie hast du von deiner ADHS erfahren und wie beeinflusst sie deinen Alltag?
Ich gehöre zu den Fällen, bei denen die Diagnose erst im Erwachsenenalter gestellt wurde. Tatsächlich habe ich sie offiziell erst etwa einen Monat vor Veröffentlichung des Songs erhalten. Ich glaube, ich habe es in den letzten fünf Jahren bemerkt. Als Kind fühlte ich mich immer ein bisschen anders, aber erst mit Anfang 20 begann ich wirklich, die Kluft zwischen mir und meinen Freunden und anderen Gleichaltrigen zu spüren. Ich fühlte mich immer fauler, dümmer und unreifer als die Menschen um mich herum. Ich sah, wie Leute in meinem Umfeld Karriere machten und Häuser kauften, während ich das Gefühl hatte, ohne echte Perspektive zurückzubleiben. In den letzten fünf Jahren wurde mir das immer klarer. Ich bekam mit, dass Menschen online über ADHS sprachen, oder ich unterhielt mich mit anderen Betroffenen, und was ich hörte, traf mich sehr. Das hat mich dazu inspiriert, mich endlich untersuchen zu lassen. Die einzige wirkliche Veränderung in meinem Alltag ist, dass ich mich jetzt selbst ein bisschen besser verstehe. Endlich kann ich die notwendigen Schritte unternehmen, um mein Leben besser in den Griff zu bekommen. Das ist sehr befriedigend.
Hast du das Gefühl, dass ADHS dich auch als Musiker beeinflusst hat?
Ich habe immer persönliche Texte über komplizierte Gefühle und Geschichten geschrieben, die ich erlebt habe. Aus meiner Perspektive nehme ich alle Erlebnisse und Gefühle durch die Brille von ADHS und Angstzuständen wahr. Aber ich wollte meine Texte immer so schreiben, dass sich jeder, der sich darin wiedererkennt, sich auch damit identifizieren kann. Unabhängig davon, ob man ADHS hat oder nicht. Aber die Vorstellung, dass meine Worte und meine Musik Menschen Trost spenden können, die die Welt so sehen wie ich, ist äußerst bereichernd. Ich glaube, den Menschen wird zunehmend bewusst, wie verbreitet ADHS tatsächlich ist. Ich habe meine Reise damit begonnen, darüber zu sprechen und mich damit auseinanderzusetzen. Wenn unsere Musik Menschen dabei helfen kann, ein tieferes Verständnis aufzubauen oder sich aufgrund ihrer Empfindungen weniger allein zu fühlen, dann machen wir unseren Job richtig. Wir wollen einfach nur auf dieser tiefen emotionalen Ebene mit unseren Zuhörern verbunden sein.
Wie hat sich dein Leben verändert, seit du die Diagnose erhalten hast?
Da ADHS mein ganzes Leben lang ein Teil von mir war, wäre ich dumm zu sagen, dass es keinen Einfluss auf meine kreative Arbeit oder mein Privatleben hatte. Aber ich kann nicht wirklich sagen, wie es mich künstlerisch beeinflusst hat. Beruflich kann es allerdings eine Herausforderung sein. Als Musiker muss ich viele Dinge in meiner Freizeit erledigen, Schreiben, Social-Media-Beiträge oder auch dieses Interview, aber es fällt mir schwer, mich aufzuraffen und anzufangen, und meistens verschwende ich tagelang Zeit, indem ich diese Dinge, die ich selbst in der Hand habe, ignoriere. Ehrlich gesagt ist das für mich persönlich das Schwierigste: Zeit- und Aufgabenmanagement. Aber schau mich an. Ich habe eine Aufgabe erledigt! Und ich möchte mich einfach nur dafür bedanken, dass du dieses Thema angesprochen hast. Wir brauchen mehr davon! Danke für alles!
© by Fuze - Ausgabe #114 Oktober/November 2025 und Dennis Müller
© by Fuze - Ausgabe #114 Oktober/November 2025 und Sebastian Koll