ANDY WARHOLS FRANKENSTEIN

Nach Paul Morrisseys Tod Ende 2024 sind kaum noch Menschen übrig, die aus erster Hand über Andy Warhol und seine Factory berichten könnten. Morrissey galt Ende der 1960er als „rechte Hand“ Warhols, managte THE VELVET UNDERGROUND und drehte nach „Lonesome Cowboys“ ohne Beteiligung des Pop-Art-Künstlers zahlreiche provokante Underground-Filme wie „Flesh“ (1968), „Trash“ (1970) und „Heat“ (1972), alle mit Joe Dallesandro in der Hauptrolle, einer der Superstars von Warhols Factory. Nach den hintereinander gedrehten italienisch-französischen Koproduktionen „Flesh for Frankenstein“ und „Blood for Dracula“ von 1973 und 1974 endete aber Dallesandros Zusammenarbeit mit Warhol und Morrissey. In Deutschland wurden sie als „Andy Warhols Frankenstein“ und „Andy Warhols Dracula“ vermarktet, ob Warhol überhaupt noch als Produzent daran beteiligt war, ist fraglich. Die langjährige Indizierung ist inzwischen aufgehoben und beide Filme sind in ungeschnittener Form frei verkäuflich – aktuell erschienen schöne Mediabook-Releases mit UHD und Blu-ray und jeder Menge Bonusmaterial. Bei „Frankenstein“ sind auch zwei 3D-Fassungen enthalten – die anaglyphe lässt sich mit beigelegter Brille ohne 3D-Fernseher ansehen. Udo Kier spielt in beiden Filmen die Hauptrolle, und seine Darstellung von Dracula (der Jungfrauenblut benötigt) und Baron Frankenstein (der in Nazi-Manier eine neue Herrenrasse züchten will) gehört sicherlich nicht zu den schlechtesten Verkörperungen dieser ikonischen Figuren der Schauerliteratur. Für echte Genre-Parodien sind beide, mit schöner Musik von Claudio Gizzi unterlegte Filme allerdings zu ernsthaft und stilvoll inszeniert, stehen aber dennoch ganz in der Tradition der morbiden und grotesken Grand Guignol-Theaterstücke, was ihren exzessiven Blut- und Sex-Gehalt angeht.

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