
Therese Gift aka Giehse dürfte Kindern der 1980er wahrscheinlich weniger als renommierte Theaterschauspielerin und Kabarettistin denn als Gesicht auf der 100-Pfennig-Briefmarke (ab 1988) in Erinnerung sein. Diese Lücke kann dieser ursprünglich im Auftrag der Münchner Kammerspiele anlässlich Giehses 50. Todestages von Barbara Yelin angefertigte biografische Comic mühelos füllen. In leicht skizzenhaften, zerbrechlich und flüchtig anmutenden, aquarellkolorierten Zeichnungen setzt sie wichtige Passagen aus dem Leben der gebürtigen Münchnerin in Szene. Dabei möglichst umfassend und realitätsnah zu erzählen, entpuppte sich als kompliziertes Puzzlespiel, wie Yelin in den angefügten Bemerkungen zur Entstehungsgeschichte des Comics berichtet: Therese Giese hat ihr Privatleben nicht in die Öffentlichkeit getragen und nur selten Interviews gegeben. Trotz der dadurch mengenmäßig begrenzten Quellen ist es Yelin gelungen, ein umfassendes und tiefgründiges Porträt einer starken linken, lesbischen Frau zu zeichnen, die ihrer Zeit in einigen Belangen weit voraus war.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #185 April/Mai 2026 und Anke Kalau