
Ich mag den Buchtitel. Er passt zu Bernadette La Hengst, zu ihrer Aufmerksamkeit auf sich ziehenden Artikulation von Inhalten. Seien es Texte, seien es Lieder, gesprochen und gesungen, mit und ohne Gitarre. Und ihre Texte haben diesen Habitus, der zwischen ironischem Weltverständnis, Riot Girl und souveränem Umgang mit Sprache oszilliert, niemals den Kontext aus dem Auge verliert und trotzdem persönlich bleibt. Damit liefert sie schon seit DIE BRAUT HAUT INS AUGE bis hin zu ihren großartigen Solo-Alben eine präzise Analyse der Welt. Und damit sind alle gesellschaftspolitischen Themen gemeint, auch wenn diese sich in kleinen poetischen Perlen verstecken und die Ironie nicht aus dem Auge verlieren – wie in „Runterfahrn“: „Fahrn fahrn fahrn / Alles runterfahrn“. La Hengst hat damit eine der besten Beschreibungen der Corona-Zeit geschrieben. Und liest man sich durch ihre Texte, ist besonders die große Anzahl von Liebesliedern auffällig. Auch wenn die Liebe manchmal sehr metaphorisch geschildert wird. Und da alle Songtexte einen Kommentar zur Entstehungsgeschichte enthalten, kann man den gesellschaftlichen Kontext des jeweiligen Liebesliedes sehr leicht identifizieren. Sie enthüllt sogar ein sehr persönliches Geheimnis: „Das ist ja sowieso ein alter Trick von mir; politische Diskurse als Liebeslied zu tarnen, als ein trojanisches Pferd sozusagen.“ Und die übergreifende Gültigkeit ihrer Texte formuliert Bernadette La Hengst in „Kill your idols“: „Ich bin jede Frau, ich bin eine von euch“. Letztendlich sprechen bei erneutem Durchhören ihrer Platten die knapp zwanzig Alben, die Songs und die Texte, für sich. Sehr unterhaltsam!
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Thomas Neumann