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BLACK LIPS

Season Of The Peach

Knapp drei Jahre nach dem vorzüglichen „Apocalype Love“-Album wirken BLACK LIPS verblüffend geerdet und fokussiert. In den Catskill-Bergen, fernab jeder urbanen Hektik, entstand in Drummer Oakley Munsons eigenem Studio ein Werk, das die anarchische Energie der frühen Jahre mit der Erfahrung und dem Songwriting-Gespür zweier Jahrzehnte Bandgeschichte verbindet. Die Entscheidung, auf analoges Band aufzunehmen, ist hier kein Retro-Gimmick, sondern ästhetisches Programm: „Season Of The Peach“ atmet Wärme, Raum und Spontaneität – so als würde man einer nächtlichen Session zusehen, in der Punk, Country und Psychedelia friedlich um denselben Aschenbecher kreisen. „The illusion part two“ eröffnet mit schräg-mystischer Bildsprache und taumelnden Gitarrenläufen, während „Kassandra“ an die trippige Energie der „Arabia Mountain“-Ära erinnert –, zugleich aber reifer klingt, fast kontrolliert in seiner Exzentrik. „Zulu Saints“ überrascht mit barockem Bläserarrangement, einer Flöte (Zumi Rosow hat als Multi-Instrumentalistin den Arrangements völlig neue Dimensionen eröffnet) und dieser unnachahmlichen Mischung aus Garage-Dreck und honky-tonk-hafter Ausgelassenheit. Zwischendrin blitzen Einflüsse auf, die von „Back From The Grave“-Teen-Garage (vor allem die KEGGS!), HiFi-Psych der CHOCOLATE WATCHBAND bis zu Jayne County reichen, ohne dass die Band ihre Identität verliert. Im Kern bleibt alles unverändert: Die BLACK LIPS spielen, als hätten sie nie etwas anderes gelernt, als zwischen Chaos und Charme die Balance zu halten. Unter der Oberfläche schwingt ein Hauch von Melancholie mit – das Wissen, dass man aus der Zeit gefallen ist, aber trotzdem weitermacht, weil man gar nicht anders kann. In einer Gegenwart, die ständig nach Perfektion strebt, ist diese rohe Unmittelbarkeit fast schon eine philosophische Haltung. Ein erstaunlich stimmiges wohldurchdachtes Album, das einen Reifungsprozess erahnen lässt.

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