
Fangen wir mal so an: Wäre das durchaus populäre Punk-Subgenre Oi! eine Metalband, dann wäre es AMON AMARTH. Klingt seltsam? Nun ja. Tut es. Ist aber wahr, denn für diejenigen, die es nicht wissen sollten: AMON AMARTH singen seit Anbeginn ihrer mittlerweile beachtlich steil nach oben verlaufenden Karriere über Wikinger und die nordische Mythologie. Ausschließlich und mit heller Freude an den tiefer gestimmten Gitarren. Oi! wiederum ist parallel dazu eben das engstirnigste und unabwechslungsreichste Subgenre des Punk – weil es in seinem Umfeld ebenfalls nur um ein Thema geht: Der Wikinger des Oi! ist die Working Class. Wenn’s hoch kommt, noch der Fußball mitsamt Randale und einem lauten „No one likes us, we don’t care!“ im Nachklapp. BOOZE & GLORY, gegründet 2009 in Großbritannien, wiederum sind Oi! durch und durch. Sie sind, wenn man so will, sogar die konsequenteste Variante davon – weil sie nämlich nicht nur Oi! spielen und über die Working Class singen. Sondern weil sie auch noch den Oi!-Chefs COCK SPARRER und COCKNEY REJECTS bis in den hintersten Hook-Winkel und die äußerste Ecke des an den Working-Class-Fußballclub West Ham angelehnten, in Claret & Blue gefärbten Band-Universums nacheifern. Warum also sollte jemand, der nicht zum absoluten Kern der (britischen) Working Class gehört, BOOZE & GLORY hören? Widme ich mich doch lieber Gehaltvollerem, bei dem es nicht nur um Arbeiterklasse, Bier und Fußball geht. Oder um Wikinger. Aber dann legt man eben doch – nur zum Probieren – „Whiskey Tango Foxtrot“ auf, das sechste Album und das erste seit sechs Jahren, und entdeckt nicht nur dieses nette kleine Wortspiel dahinter („WTF“: „What The Fuck“), sondern bemerkt: Es macht einfach einen umwerfenden Spaß, BOOZE & GLORY zu hören. Das neue Album strotzt zwar nur so vor Klischee gewordenen Songs ... nee, umgekehrt, in denen jedenfalls das meist harte Leben der Arbeitenden und die Gemeinschaft besungen, manchmal beklagt, meist gefeiert werden. Ein wenig mehr Street- als Oi!-Punk vielleicht. Aber so gut wie jeder Song – allen voran die famosen „Boys will be boys“ (der mit „Oi! Oi! Oi!“ eingeleitete Opener), „Mad world“, „Brace up“ oder „Till the last breath“ – holt einen ab und schraubt Hookline um Hookline in Gehör und Hirn. Und am Ende ist man froh, dass es genau diese Band gibt auf der Welt. Denn die erwähnten COCK SPARRER und COCKNEY REJECTS werden ja auch nicht jünger, ziehen sich mehr und mehr zurück. Und wer soll denn in Zukunft auf diese dem Oi! so herrlich eigene Art die „Unity“ und das „Hauptsache, wir haben uns, scheiß auf den Rest, lasst uns noch einen trinken!“ hochhalten, wenn nicht diese fünf Freunde von der Insel jenseits des Ärmelkanals? Eben. „Stand up and fight! Until the last breath you still believe!“ Absolut, Jungs!“
© by - Ausgabe # und 6. September 2023
© by Fuze - Ausgabe #113 August/September 2025 und Dennis Müller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #131 April/Mai 2017 und Frank Weiffen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #146 Oktober/November 2019 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Markus Franz
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #129 Dezember16/Januar17 2016 und Dirk Klotzbach
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #131 April/Mai 2017 und Frank Weiffen
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #146 Oktober/November 2019 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #162 Juni/Juli 2022 und Frank Weiffen
© by Fuze - Ausgabe #114 Oktober/November 2025 und Andreas Regler
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #181 August/September 2025 und Frank Weiffen