
THE EFFIGIES aus Chicago waren früh schon ein Mythos für mich, wie NAKED RAYGUN auch. Über BIG BLACK und „seltsame“ Namensgleichheiten zu NAKED RAYGUN war ich in Zeiten, als man solche Verbindungen noch nicht über einen Klick bei Discogs und Wikipedia herausfinden konnte, auf ihre Spur gekommen, hatte irgendwie ihre Alben „For Ever Grounded“ (1984), „Fly On A Wire“ (1985) und „Ink“ (1986) zusammengekauft, nachdem die Werkschau „Remains Nonviewable“ (1989) mein Einstieg gewesen war. Großes Glück dann bei einem USA-Urlaub Anfang der 1990er: ich stoße auf die grandiose „We’re Da Machine“-12“ von 1983, deren Titelsong ich seit der Werkschau abfeierte. Gekostet hat sie mich eine Handvoll Dollar, heute müsste man 100 Dollar dafür hinlegen. 2010 sind THE EFFIGIES neben NAKED RAYGUN und ARTICLES OF FAITH ein Grund, zum Riot Fest nach Chicago zu fliegen – ich feiere die späte Begegnung mit den Helden. Fast forward nach 2023: PEGBOY (noch so Chicago-Helden) spielen beim Rebellion Festival, ein Interview folgt – und ich erfahre vom tragischen Tod von John François Kezdy am 26. August 2023 im Alter von 64 Jahren durch einen unverschuldeten Fahrradunfall. John Kezdy (voc), Earl „Oil“ Letiecq (gt), Paul Zamost (bs) und Steve Economou (dr) hatten THE EFFIGIES 1980 gegründet, bis 1990 waren sie durchweg zusammen, es folgten Pausen und gelegentliche Aktivitäten, und dann ab 2023 die Arbeit an einem neuen Album, dem ersten seit dem Spätwerk „Reside“ von 2007. „Burned“ war zu 90% fertig, als das Schicksal Kezdy aus dem Leben riss, doch die Band – bis dahin bis auf die Gitarrenposition (Andy Gerber und Keith Shigeta sind hier zu hören) im Original-Line-up – beschloss es fertigzustellen. Kezdys Name und Lebensdaten prangen nun auf dem Innersleeve. J. Robbins mischte das Album, es erschien im Herbst 2024 auf BFD. Was das Label betrifft: bei BFD handelt es sich um einen reinen Fulfillment-Dienstleister, dessen sich Bands bedienen, die im Grunde alles selber machen. Keine neue Vorgehensweise bei EFFIGIES, die schon in den 1980ern mit Ruthless Records ein quasi bandeigenes Label betrieben. THE EFFIGIES, das erzählt Paul Zamost im Ox-Interview, machen weiter, haben mit Geoff Sabin einen neuen Sänger (hier noch nicht zu hören), und mit „Burned“ ein solides neues Album, das schon durch Kezdys markante Stimme und seine spezielle Art der Intonation all die Klassiker in Erinnerung ruft. Chicago hatte mit diesem untereinander befreundeten Zirkel von Bands – siehe oben – immer eine spezielle Klangfarbe, die von den EFFIGIES auch auf „Burned“ reproduziert wird: melodiös, immer auch das „Rock“ in Punkrock betonend, mit einem Sinn für hymnische, treibende Songs. Was ich mir nun wünsche? Eine Europatour – mit all den alten Hits und ein paar neuen Songs. They’re da machine! Kommt im Klappcover und mit Poster.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Daniel Schubert
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #22 I 1996 und Joachim Hiller
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #74 Oktober/November 2007 und Joachim Hiller