
Die DEAD PIONEERS veröffentlichen mit „Po$t American“ den Nachfolger ihres selbstbetitelten Albums, das 2023 (in Europa 2024) erschienen ist. Das Interesse an der Band nach dem Debüt wuchs rasend schnell. Mittlerweile klopften PEARL JAM an die Tür und engagierten die Band als Live-Support. Auch Jello Biafra meldete sich und brachte zwischen den beiden LPs auf Alternative Tentacles in Zusammenarbeit mit Hassle die 7“ „Bad Indian“ raus, auf der drei Stücke zu hören sind, die bereits auf dem Debüt enthalten waren. Warum? Weil Jello Biafra von der Band begeistert war, als er sie das erste Mal live sah, und sie auch dem Alternative Tentacles-Publikum nahebringen wollte. Wie die Single auch vereint „Po$t American“ viel von dem, was Sänger und Frontmann Gregg Deal in all seinen Funktionen ausdrücken will. DEAD PIONEERS sind für ihn „lediglich“ eine weitere Form, seine Anliegen als antirassistischer, indigener Künstler unters Volk zu bringen. Gregg ist so vieles: Aktivist für Indigenenrechte in den USA, Street Artist, Perfomance-Künstler, Maler und eben Sänger und Textautor. Auch auf „Po$t American“ nehmen die Texte natürlich einen gewichtigen Part ein. DEAD PIONEERS bieten einerseits klassische knallige Punksongs, die voll mit klaren Messages sind, wie „My spirit animal ate your spirit animal“ (hier erinnert der Gesang teilweise gar an Johnny Rotten), „Pit song“ oder „STFU“. Außerdem gibt es Spoken-Word-Stücke, die mit Musik unterlegt sind („White wine“). Bei „The caucasity“ fühlt man sich gut 40 Jahre zurückversetzt – wer hier nicht an DEAD KENNEDYS denkt, hat sie nicht gehört. „Bloodletting carnival“ wartet dann als mit Piano und Synthesizer begleitetes Spoken-Word-Stück auf. Der Rassismus gegenüber Native Americans ist auch auf „Po$t American“ ein Thema, hier wird er von zwei Seiten beleuchtet. „Mythical cowboy“ zeigt den aggressiven, kalten, weißen Rassismus, den niemand besser verkörpert als John Wayne. Der andere, der „nette Rassismus“, der mit einem Lächeln daherkommt, wird in „STFU“ beschrieben. Da ruft eine weiße Frau die Polizei, weil schwarze Kinder am Straßenrand einen Limonadenstand betreiben und sie sichergehen möchte, dass sie eine Genehmigung dafür haben. Oder man beschwert sich, weil eine schwarze Familie irgendwo ein Picknick macht. Für „Love language“ hat schließlich Ren Aldridge, Sängerin der PETROL GIRLS, ein Feature beigesteuert. Nach 38 Minuten und dem letzten charakteristischen „Untitled spoken word no. 2“ ist der Spaß vorbei und lässt einen trotz aller Stimmigkeiten mit einem etwas mulmigen Gefühl zurück – weil wir in unserer privilegierten Situation eben so vieles nicht nachvollziehen können. In der Band findet sich übrigens noch ein illustres Mitglied: Gitarrist Abe Brennan ist seit kurzem neuer Sänger bei den RICH KIDS ON LSD.
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