
In meiner Hitliste genialer Bandnamen steht „Die Böslinge“ ganz oben – wie könnte man den destruktiven Geist des Punk besser zum Ausdruck bringen, es aber trotzdem wie den Namen knuffiger Comic-Rowdies wirken lassen? Das Trio aus Wien, Österreich um Sänger und Gitarrist Erwin Bösling wurde 1979 von Erwin, Harry und Peter gegründet, 1981 veröffentlichten sie die 3-Song-EP „Scheiß Kibarei“ (ihre einzige Platte) mit eben jenem Hasslied auf die Polizei – im Wiener Slang Kibarei genannt. Die Single ist lange schon Discogs-Gold, 2016 kam via Bachelor eine Neuauflage für den kleinen Geldbeutel, und ebenfalls via Bachelor Records aus Austria gibt es nun die 16 Songs umfassende LP mit Demoaufnahmen, die 1980 mit einem simplen Kassettenrecorder im Proberaum der Band gemacht wurden. Nun hat man über die Jahre schon einiges an schrottigen Bootlegs über sich ergehen lassen, der Kultcharakter der Band trieb den Veröffentlichenden dennoch genug kaufwillige, devote Deppen ins Netz, aber hier ist es anders: HiFi ist das nicht, aber man erkennt alle Instrumente und den Gesang und bei aller Schraddeligkeit passt der Sound zur Band – ich habe nichts zu meckern. In „Polizeistaat“, „Discokeifa“, „Es is zum Scheissen“, „Pseudo Punx“, „Plastik is a Dreck“, „Kikara missn raus“, „Fernsehwelt“, „Atomzeitalter“, „Da Spiessa“, „Blede Leut“ und natürlich „Scheiß Kibarei“ wird – schon die Songtitel sind eindeutig – rausgerotzt, was sie an Welt, Gesellschaft und Mitmenschen ankotzt. Wäre ich Lehrer und würden mich Teenager fragen, was das eigentlich war, dieser „Punk“, ich würde ihnen DIE BÖSLINGE und ihre Texte (leider nicht abgedruckt ...) vorsetzen.
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