
Im Sommer ein kurzer Blick auf ein Handydisplay: Dateien in einem Cloud-Ordner ... ein gerauntes „... neues Album“. War ja auch fällig, „Definitiv: Ja!“ ist schon von 2017, das auf sieben Singles verteilte Quasi-Album zum vierzigsten Geburtstag von 2019. Anfang Oktober dann tauchte beim Konzert in Hannover plötzlich das frisch gepresste Album auf, aber Pech: es war eine Fehlpressung, auf der A-Seite stattdessen die Nebenband TROOPS OF THE SUN – ein paar Leute haben jetzt Discogs-Gold im Regal. Mehr Glück am 16.11. beim Konzert im KAW Leverkusen: unterwegs erste Gestalten mit einer Platte in der Hand auf dem Weg zum Auto – wir beschleunigten unsere Schritte, zack, zum Merchstand, 20 Euro gezückt für zwei Exemplare in milchweißem Vinyl. Ha! Kurz darauf dann der A-Seiten-Opener „Vergoldet“ live auf der Bühne, dargeboten vom neuen, aber gar nicht mehr so neuen Line-up, denn Oddel ist schon Jahre raus und am Bass ist Philipp Heidemann zu hören, der unter anderem mal bei ENFOLD, THE NOW-DENIAL und ENTROPY war/ist. Er war auch mit Maul, Nico und Junge früher im Jahr im Werner Wiese Studio. Am Sonntag dann die Platte aus der Hülle geholt, mit gestanztem Loch in der Mitte (also das Cover) und verstanden, wie das gemeint ist: auf dem Etikett das Innere einer Steckdose, auf Seite 1 mit einem Loch, auf der B-Seite mit zwei – zusammen mit dem aufs Cover gedruckten Blendrahmen ergibt das eine Steckdose. Der Titel? Zwei Punkte • • auf dem Rücken. Kurze Nachfrage bei einem Beteiligten: „Die Punkte sind der symbolische Titel.“ Aha. Und später im Gegenlicht in der Auslaufrille das Wort „stecker“ entdeckt, was Kalle S. so deutet: „Die Punkte symbolisieren einen ‚Stecker‘, was bei ‚Jungen und Technik‘ einen Kreis schließen würde. Bei EA80 passiert nichts ohne Grund.“ Weise Worte. Breadcrumbs für die hungrige Gemeinde, die in den Folgetagen und nach meinem Post zum Konzertkauf zu (ver)zweifeln begann: keiner der üblichen Shops listete das Album ... Also endlich die Platte auf den Teller gelegt ... und it’s a sort of homecoming. Alles gut im Hause EA80. Kein schwächelndes Spätwerk. Ein sehr druckvoll aufgenommenes Album mit 13 Liedern, die von den langsameren, getragenen, fast schon so was wie Pathos ausstrahlenden Nummern bis zu peitschenden Brechern („Vergoldet“, Kapitulation“) alles abdecken. Textlich wird Martin/Junge teils erstaunlich direkt, etwa bei „Stecker“ (kann man tatsächlich als Fortschreibung von „Jungen und Technik“ ansehen) oder „Elektrizität“, bei „Scherbe“ könnte man Autobiografisches unterstellen, „Die Goldene Stadt“ haut in die gleiche Kerbe wie PASCOW mit „Monde“ – wie geht es mit unseren Städten weiter? Und „Kaum Widerstand“ – typischer könnte ein EA80-Song nicht sein, mit Gitarrenarbeit zum Niederknien. EA80 – eine Band, die im 45. Jahr ihrer Existenz keine Zeichen von Schwäche zeigt. Bitte immer weitermachen!
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