
Bereits 2012 erschien Roman Polanskis frühes Meisterwerk „Ekel“ („Repulsion“), seine erste englischsprachige Produktion, das erste Mal auf Blu-ray in ansprechender Qualität und versehen mit einigen Extras wie einem Audiokommentar des Regisseurs und der Dokumentation „A British Horror Film“. Die aktuelle Blu-ray-Neuauflage entspricht den inzwischen vergriffenen vorherige Editionen. Ähnlich wie Polanski bescherte „Ekel“ auch der französischen Darstellerin Catherine Deneuve trotz dieser äußerst verstörenden Rolle größere internationale Bekanntheit. Deneuve spielt in „Ekel“ eine junge Belgierin, die in einem Schönheitssalon in London arbeitet – zu Männern hat sie ein eher gestörtes Verhältnis – und zusammen mit ihrer Schwester ein Appartement bewohnt. Als ihre Schwester verreist, isoliert sich die introvertierte junge Frau immer weiter und wird von Wahnvorstellungen und Albträumen über Mord und Vergewaltigung verfolgt, was schließlich in konkrete Aggression umschlägt. Polanski, der den Zuschauer hier zum Voyeur eines schockierenden Persönlichkeitswandels macht, siedelte seinen surrealen Horror- und Psychothriller über die Vereinsamung von Großstadtmenschen in einem verwirrenden Grenzbereich zwischen Realität und Traum an. Zusammen mit „Rosemary’s Baby“ (1968) und „Der Mieter“ (1976) gilt „Ekel“ als Auftakt der sogenannten Mieter-Trilogie von Polanski, deren Hauptschauplatz eine Wohnung ist. Der kompromisslose Journalist und spätere FAUST-Manager Uwe Nettelbeck, der oft über Filme schrieb, mochte den Film damals allerdings nicht sonderlich und ließ sich 1965 darüber auch deutlich in der „Zeit“ aus, wo er Polanski Empfindungslosigkeit und Misogynie unterstellte, was angesichts der Vorwürfe, die den polnischen Regisseur seit Ende der 1970er bis heute verfolgen, ein durchaus interessantes Statement ist.