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FEINE SAHNE FISCHFILET

Wir kommen in Frieden

Der Titel dieser Platte ist natürlich glatt gelogen. Als ob FEINE SAHNE FISCHFILET je in Frieden gekommen wären. Nein. Da, wo diese Band ist, herrscht seit jeher Aufruhr. FEINE SAHNE FISCHFILET waren noch nie um ein Wort verlegen. Und sie sind es auch 2025 nicht. Womöglich polarisieren sie so sehr wie selten zuvor. Was irgendwie auch all die Dinge spiegelt, die in den vergangenen Jahren auf die fünf Musiker eingeprasselt sind. Da war und ist die mit der gewachsenen Popularität ebenso wachsende Ablehnung all jener, denen sich politisch klar positionierende Bands ein Dorn im Auge sind. Denn FEINE SAHNE FISCHFILET waren bei den Demos gegen rechts in Chemnitz an Start. Sie spielen und singen sich nach wie vor die Finger und Stimmbänder wund bei Konzerten in ostdeutschen Städten, in denen es keine linken Szeneclubs gibt. Sie waren im Mittelmeer und Nahen Osten dabei, wo Menschen im besten Fall auf See gerettet, nicht selten aber auch dem Tod überlassen wurden. Und natürlich waren da die bis heute nicht bewiesenen Vorwürfe von anonymer Seite gegen die Band wegen übergriffigen Verhaltens, die in der Szene, im Ox, überall thematisiert wurden und Monchi und Co. vor eine Zerreißprobe stellten. All das – man hört es, man spürt es – kulminiert nun in „Wir kommen in Frieden“. Kulminiert vor allem in diesem einen Song, der offensichtlich im Zentrum steht, weil er nicht nur der Hit der Platte ist, sondern auch der Mittelfinger der Band an all diejenigen, die FEINE SAHNE FISCHFILET am liebsten aus der linken und der Punk-Szene rausgekickt sehen würden: „Manchmal finde ich dich scheiße“. Diese Kollaboration mit dem „Asi-Rapper“ Finch ist ein Affront. Aber sie ist auch, wie das ganze Album, das mutige Meisterstück der Band. Denn es lehrt, wie all dem Mist dort draußen vielleicht am besten zu begegnen ist: Indem man auch all jenen die Hand entgegenstreckt, die eben nicht unfehlbar und trotzdem noch bei Sinnen sind, indem man sich mit ihnen gerade macht gegen die, die aus Überzeugung schlecht handeln. „Lass uns schaun, was uns verbindet – und nicht mehr, was uns trennt“, ist die beste Zeile, die der Punkrock hierzulande seit geraumer Zeit hervorbrachte. Ein Aufruf, nicht stur Szene-Klischees durchzusetzen und damit zig Menschen auszuschließen, sondern sich gegenseitig zuzuhören. Apropos: Zuhören: sollte man generell im Falle dieses Albums, das mit „Awarenesskonzept“ mindestens ein weiteres herrlich streitbares Lied enthält, mit dem Titelstück und „Viele Grüße ins Neandertal“ mindestens zwei weitere Hits und mit „Haut an Haut“ den sicherlich persönlichsten Song der Bandgeschichte. Darin singt Monchi von seiner noch frischen Vaterschaft – und das ist nicht peinlich, sondern berührend und stünde vielen anderen Möchtegern-Harten auch gut zu Gesicht. Eine tolle, wichtige Platte.

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