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FETISH 69

Purge

FETISH 69 gehören zu den österreichischen Pionieren in Sachen Industrial Rock/Metal, die bereits 1987 erste Aufnahmen auf Musikkassette veröffentlichten, 1988 folgte in Eigenregie die erste Single „Pig Blood!“, die 1991 noch mal mit Label-Unterstützung erschien. Das erste Album „Antibody“ (mit dem Song „Pig blood!“) folgte 1993 und erschien hierzulande bei Nuclear Blast. Obwohl mir Industrial Rock, vor allem Leitfiguren wie MINISTRY und NINE INCH NAILS, zu dieser Zeit eher auf den Geist gingen, ebenso wie die damit verbundenen Crossover-Versuche im Alternative Rock, hatte ich durchaus eine Schwäche für die Österreicher. Zumal das erste Album „Antibody“ ein Selbstporträt des Aktionskünstlers Günter Brus, ein Vertreter des Wiener Aktionismus, mit verstörender Gesichtsbemalung zierte, das gut zur radikalen Musik passte und die eigentümliche Faszination für die Band verstärkte. Drei Jahre später erschien der Nachfolger „Purge“, veröffentlicht beim deutschen Label Community. Auch hier faszinierte gleich das Artwork, bei dem Teile eines Gemäldes („The Waiting Room“) des Extrem-Künstlers Joe Coleman verwendet wurden, der auch bei zwei Songs ein Intro und Spoken Words beisteuerte. Wer damals UNSANE, THE YOUNG GODS, FOETUS oder COP SHOOT COP mochte, kam nur schwer an „Purge“ vorbei. Erfreulicherweise ist das Album knapp 30 Jahre später immer noch gut hörbar und klingt so apokalyptisch, wie Colemans Artwork aussieht. Auch produktionstechnisch ist „Purge“ gut gealtert, die Band hatte schon eine klare Vision, wie sie sich präsentieren wollte, unterstützt von Earchache-Hausproduzent Paul Johnston und Billy Anderson, der ja auch mit NEUROSIS gearbeitet hatte. Auf den beiden folgenden Platten „Geek“ und „Atomized“ klangen FETISH 69 dann zwar deutlich elektronischer, eher wie TRICKY oder MASSIVE ATTACK, aber auch dieser stilistische Wandel funktionierte. Auf Vinyl erscheint „Purge“ jetzt das erste Mal, als Doppel-LP im Gatefold-Cover und dementsprechend kostspielig, und mit dem bisher unveröffentlichten Track „Feed the tumors“. Das Artwork wurde leicht verändert und zeigt jetzt auf dem Cover einen größeren und deutlich expliziteren Ausschnitt des provokanten Coleman-Gemäldes.

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