
„It’s only rock ’n’ roll (But I like it)“, hieß es einst bei den ROLLING STONES, und da die über jeden Zweifel erhaben sind, schleudere ich diesen Satz all jenen entgegen, die so krass auf „echten“ Punk und Hardcore eingeschossen sind, dass sie gar nicht nachvollziehen wollen oder können, wie man von brachialem Garage-Punk, wie ihn die HELLACOPTERS 1996 auf ihrem epochalen Debütalbum „Supershitty To The Max!“ darboten, zu „Overdriver“ gelangen kann. Dabei: rechtfertigen müssen sich weder die Band aus Stockholm noch all die Menschen, die den HELLACOPTERS bis heute auf ihrer Reise durch die Rockgeschichte gefolgt sind. Als 1996 nach ein paar Singles „Supershitty To The Max!“ erschien, hatte das in einer Zeit, alles viele auch erstmals auf TURBONEGRO und GLUECIFER stießen, etwas von der Vehemenz eines Urknalls. Punk-Energie mischte sich mit Rock-Wildheit, Glamour und Gitarrensoli – und die einen feierten das, die anderen sahen nur die Wiederholung von Klischees, verstanden das Spiel mit Zitaten und Rock’n’Roll-Standards nicht. Skandinavischer Rock war plötzlich ein Trademark und die HELLACOPTERS aus Stockholm führten den Tross an, schafften es sogar, ihren wilden Sound an die Amerikaner zu verkaufen, die das alles ja erfunden hatten. Viele gute Jahre (und Platten) folgten für die 1994 von Nicke „Royale“ Andersson (voc, gt), Andreas Tyrone „Dregen“ Svensson (gt), Kenny Håkansson (bs) und Robert „Robban“ Eriksson (dr) gegründete Band, die sich von 2008 bis 2016 eine Auszeit nahm. Nach der Reunion ließen sich Nicke und Co. bis 2022 Zeit mit einem neuen Album, doch nun folgt weniger als drei Jahre nach „Eyes Of Oblivion“ mit „Overdriver“ der neunte Longplayer und ich bin nach dem x-ten Hördurchlauf da, wo ich 1997 nach dem Releasekonzert zum „Payin’ The Dues“-Album im Stockholmer Tyrol auch schon mal war: Ich gestand der Band leicht derangiert und entsprechend euphorisiert meine Liebe und bezeichnete sie als beste Rock’n’Roll-Band der Welt. Mag in der Gesamtschau etwas übertrieben gewesen sein (im Schwedischen heißt das: overdriver), kam aber von Herzen. Fast forward nach 2025: Nach intensivem Dauerhören von „Overdriver“ gerate ich wieder ins Schwelgen. Schon der Opener „Token apologies“ packt mich, „(I don’t wanna be) Just a memory“ ist ein wundervoll schwelgerischer Rocksong an der Grenze zum Powerpop, „Faraway looks“ ein potenzieller Hit, „Coming down“ ein zeitloser Instant-Klassiker, „Do you feel normal“ ein genialer Schmoozer. Weiß der Teufel (und nur der kann es wissen, er hat mit Sicherheit Nickes Seele gekauft), wie die HELLACOPTERS es machen, aber sie haben hier ein weiteres famoses Album eingespielt, das mal eben 60 Jahre Rockmusikgeschichte subsummiert. „Overdriver“ packt dich überall da, wo einen gute Musik packen muss – such dir die Körperstelle(n) selber aus.
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