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UPCHUCK

I’m Nice Now

Es gibt ja wirklich blasierte, gelangweilte, abgefrühstückte Menschen, die einerseits der Meinung sind, es gebe keine spannenden neuen Bands mehr, und die andererseits immer nur den gleichen alten Scheiß hören. Wie langweilig so ein Leben sein muss! Wie unbegründet so eine Attitüde ist! Wie viele spannende Bands man dann verpasst! Zum Beispiel DIE SPITZ. Und MARIA ISKARIOT. Und UPCHUCK. Die kommen aus Atlanta, bestehen aus KT (voc), Mikey Durham (gt), Hoff (gt), Ausar Ward (bs) und Chris Salado (dr/voc), und gerade ist ihr drittes Album „I’m Nice Now“ auf Domino Records erschienen. Ihr Debüt „Sense Yourself“ kam 2022 auf Famous Class und wurde letztes Jahr, von ihrem Freund Ty Segall neu abgemischt, noch mal aufgelegt, und das zweite Album „Bite The Hand That Feeds“ kam 2023. In Europa hatte man die Band bislang nicht auf dem Schirm, dabei machen UPCHUCK in Sache Punkrock sehr viel richtig. Sie sind einerseits packend und eingängig und andererseits auch Vertreter:innen einer jungen, diverseren Generation. Sängerin KT erzählt im Ox-Interview, dass sie in Atlanta einst auf Punkshows fast die einzige PoC war – und dann einfach mit mehr Freunden wiederkam und sich das änderte. Und bei „Homenaje“ und „Un momento“ ist dann auch Drummer Chris Salado zu hören, der auf Spanisch singt – ein Wink in Richtung der großen Hispanic-Punk-Szene in den USA, die wiederum erstaunlich wenig in Europa wahrgenommen wird. UPCHUCK sind in den USA längst keine Unbekannten mehr, touren im ganzen Land, aber erst jetzt, da ihr Manager Cyrus, der die beiden ersten Platten auf seinem Label Famous Class veröffentlichte, seine Connections zu Domino (eigentlich aus UK, aber in den USA wie in Deutschland präsent) spielen ließ und zudem Ty Segall als Fan und Freund der Band die Produktion von „I’m Nice Now“ übernahm, nahm die Sache Fahrt auf. Im Herbst sind KT und Band auf Tour, und ich bin gespannt, was dieser schon aus der Konserve sehr druckvolle, mit wunderbar bratziger Gitarre aufwartende, enorm wütende Punkrock auf der Bühne entfacht. Schon auf Platte spürt man – bei allem Sinn auch für melodiöse Momente, siehe „New case“ – eine sehr direkte Roughness, das ist wohl die Handschrift von Ty Segall. Und sowieso, Wut ist ein Thema, „anger is an energy“, in einem Land, in dem Polizeitruppe ICE Menschen zur Abschiebung aus ihren Wohnungen zerrt. KT: „Bei jeder Show sage ich so etwas wie ‚Fuck ICE!‘, und ja, es hilft, etwas sagen zu können und auch gehört zu werden.“ Die Wut muss raus, in Zeiten wie diesen ist der Satz „Allein machen sie dich ein!“ so wahr wie nie, und UPCHUCK liefern die Songs, mit denen man wütend gegen die Beschissenheit der Verhältnisse ansingen kann. „In uns brodelt die Wut“, sagt KT, und genau das vermittelt „I’m Nice Now“ – auch wenn der Albumtitel das Gegenteil zu behaupten scheint.

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