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KALK

Dirk Bernemann

In seinem letzten Roman „Schützenfest“ schickte der in Berlin lebende Dirk Bernemann seinen Protagonisten zurück in die westfälischen Wirkungsstätten seiner Kindheit. Auch Kalk, Mitte fünfzig, Mitarbeiter im Elektrohandel, kürzlich getrennt, kinderlos, reist seinen Kindheitserinnerungen hinterher. An die niederländische Nordseeküste nämlich, da wo Familie Kalk einst Jahr für Jahr ihren Campingurlaub verbrachte. Der erwachsene Kalk gönnt sich ein Hotelzimmer am Strand und versucht über fettiges Essen Nostalgie herzustellen. Dennoch bleibt die prägendste Erinnerung, die an den toten Surfer, der da aus dem Meer gefischt wurde. Ruhe und Erholung wollen sich nicht einstellen. Die Ex-Freundin nervt mit Textnachrichten, ihr Sohn will in den Krieg. Krieg ist ohnehin ein großes Thema in diesem Buch. Jener überall auf dieser Welt, der sich immer weiter Kalks Lebensrealität nähert, und der, der in ihm selbst tobt. Sein einziger Freund kommt zu Besuch und schlägt ihn im Tischtennis, erst glücklich verliebt, dann unglücklich besoffen. Alkohol fließt viel in diesem Buch, es wird auch mal ordentlich gekotzt. Leben werden gerettet, andere beendet. Mann Mitte fünfzig fährt in den Urlaub. Andere Autor:innen hätten etwas Lustiges daraus gemacht, den Protagonisten von einem Fettnapf in den nächsten steigen lassen. Wer seinen Bernemann gelesen hat, ahnt, dass Gags und Fettnäpfe hier nicht zu finden sind. Menschliche Abgründe, Einsamkeit, das ist Bernemanns Metier. Kaputte Menschen, kaputte Beziehungen und wer noch nicht kaputt ist, wird kaputt gemacht. Lieke zum Beispiel, die immer freundliche, immer lächelnde Rezeptionistin. „So“, würde Kalks Vater nun sagen. „So, lesen Sie dieses Buch.“

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