
Die Band, die 1980 schon ihren gefühlt dritten Frühling erlebte, spielte nach dem Auslaufen des Sire-Vertrags vermehrt wieder an der US-Westküste, wo sie als Antithese des aufkeimenden Haight Ashbury-Sounds 1965 bereits auf brettharten Rock’n’Roll mit Garage/Soul-Tendenzen setzten. Ein Auftritt aus San Francisco von 1980, ergänzt um drei Songs aus dem selben Jahr, aufgenommen im Old Waldorf, ist nun auf Liberation Hall erschienen. Die Groovies zelebrieren sich und ihre Roots aus den mittleren 1960ern, und es scheint fast so, als würden sie in erster Linie ein Set für sich selbst mit den eigenen Lieblingsliedern spielen. Ein Haufen Coverversionen, darunter „Hard day’s night“ und „Back in the U.S.S.R.“ von den BEATLES, „River deep – mountain high“ von IKE & TINA TURNER, „Paint it black“ von den ROLLING STONES sowie Songs von Chuck Berry THEM, BYRDS und MOBY GRAPE machen den Bärenanteil des Gigs aus. Angesichts ihres starken eigenen Materials mag das zunächst irritieren, wo bleiben „You tore me down“, „Slow death“ oder „Teenage head“? Es zeigt natürlich ihre Vielseitigkeit, jedoch klingen sie trotz der brennenden musikalischen Performance unfreiwillig wie eine Oldie-Revival-Truppe. Wenigstens gibt es unter den Waldorf-Nummern noch eine knackige Version von „Shake some action“, und unterm Strich bleibt „Let It Rock“ (was für ein beknackter Titel!) eine Momentaufnahme einer Band, die Garage, Westcoast-Rock und Powerpop stets mit absoluter Hingabe spielte und die eben stets glühende Fans ihrer eigenen Einflüsse bleiben sollten.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Gereon Helmer