Foto

NAKED LUNCH

Lights And A Slight Taste Of Death

Ein großer Fan dieser 1991 in Klagenfurt (ja, das passt) gegründeten österreichischen Band war ich nie. Sie veröffentlichten ihr Debütalbum 1992 bei Big Store, wo in den 1990ern auch andere geschmackvolle Indierock-Platten erschienen, neben NOTWIST viele Bands aus Waltrop und der näheren Umgebung. Danach gab es Versuche, bei Majorlabels Fuß zu fassen, später durfte Patrick Wagner (SURROGAT, GEWALT) mit seinem gescheiterten Label Louisville Records ran, inzwischen ist die Heimat von NAKED LUNCH Tapete geworden. Im Nachhinein ist mir die Vehemenz, mit der ich 2004 „Songs For The Exhausted“ zerlegt habe, fast schon etwas unangenehm, aber von einem Label wie Motor erwartete man auch nichts anderes als belanglosen weichgespülten Pop, der mit „müder NOTWIST-Abklatsch“ eigentlich noch nett umschrieben war. Wahrscheinlich hatte mich bei NAKED LUNCH auch immer der Name aufgeregt, denn was hatte dieses laue Indierock-Muckertum mit der verstörenden Leseerfahrung eines Burroughs-Buchs zu tun? So dürfen sich eigentlich nur Industrial-Bands der ersten Stunde nennen, die auf der Bühne Schafshirne verspeisen und im Hintergrund Underground-Pornos mit Akteuren zeigen, die sich einer Subinzision unterzogen haben. Auch „Lights And A Slight Taste Of Death“ macht mich nicht zum begeisterten NAKED LUNCH-Fan, zu schlaff sind die Songs und zu uncharakteristisch ist mir Oliver Welters Gesang. Dennoch berühren einen sein melancholisches Songwriting und die reduzierten, aber atmosphärischen Arrangements auf angenehme Weise. Altersmilde?

Anzeige