
In eigentlich sämtlichen musikalischen Genres neigen viele Bands dazu, zum Stereotyp ihrer selbst zu werden, nicht zuletzt im Black Metal mit seiner extremen stilistischen Over-the-Top-Ästhetik. Wie so oft stellt sich dabei die Frage der Authentizität, was die Norweger MAYHEM aufgrund ihrer bewegten Bandgeschichte aber kaum betreffen kann. Zu Buche schlugen dabei in den Anfangsjahren gleich zwei Todesfälle: Zuerst nahm sich der schwedische Sänger Per Yngve „Dead“ Ohlin (vorher bei MORBID), der bei MAYHEM Maniac nach der ersten legendären EP „Deathcrush“ von 1987 ersetzte, 1991 das Leben. Zwei Jahre später wurde Gitarrist Euronymous, Betreiber des Plattenladens Helvete und des Labels Deathlike Silence Productions, von Bassist Count Grishnackh (Varg Vikernes, der mit BURZUM ebenfalls musikalische Pionierarbeit leistete, aber ein unbelehrbarer Faschist der übelsten Sorte ist) ermordet. 1994 erschien dann posthum das für Black Metal absolut wegweisende Album „De Mysteriis Dom Sathanas“, eingespielt mit dem ungarischen Sänger Attila Csihar und Schlagzeuger Hellhammer, die auch heute noch bei MAYHEM aktiv sind, neben dem 1995 zurückgekehrten Gründungsmitglied und Bassisten Necrobutcher. Erstaunlich ist immer wieder, dass in diesem „kranken“ Umfeld überhaupt dermaßen revolutionäre Musik entstehen konnte. Und auch danach noch konnten MAYHEM mit Platten wie „Grand Declaration Of War“ oder „Esoteric Warfare“ Black Metal innovativ erweitern und klingen auf ihrem neuen Album „Liturgy Of Death“ (nach „Daemon“ von 2019) so brutal kompromisslos und nihilistisch wie eh und je – als würden sich die Pforten der Finsternis tatsächlich einen Spalt breit öffnen.
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