LONGLEGS

Im überschaubaren Bonusmaterial der kürzlich erschienenen DVD und Blu-ray seines aktuellen Films „Longlegs“ gibt Regisseur Oz Perkins, Sohn von „Psycho“-Darsteller Anthony Perkins, unumwunden zu, dass „Das Schweigen der Lämmer“ ein großer Einfluss für ihn war. Aber auch „Roter Drache“, Thomas Harris’ erster Roman der Hannibal Lecter-Reihe, der zweimal verfilmt wurde, dürfte dabei seine Spuren hinterlassen haben. Die Parallelen liegen auf der Hand: Eine junge unerfahrene FBI-Agentin mit unverarbeitetem Kindheitstrauma und besonderem hellsichtigen Einfühlungsvermögen hinsichtlich ihrer Tätigkeit als Ermittlerin wird auf einen mysteriösen Serienmörder und Satanisten namens Longlegs angesetzt. Der bastelt in irgendeinem Keller mysteriöse Puppen, die anscheinend mit einer Reihe von Morden verknüpft sind, bei denen Väter ihre Familienangehörigen abschlachten und danach Selbstmord begehen. Und offenbar gibt es bei der FBI-Agentin und Longlegs eine schon weiter zurückliegende Verbindung ... Das leicht märchenhafte Element von Demmes „Das Schweigen der Lämmer“ bekommt bei Perkins eine bizarre und surreale Note (sehr schön auch, wie dabei „Get it on“ von T. REX regelrecht diabolisch zum Einsatz kommt), so als ob man sich in einem fortwährenden Albtraum befinden würde. Das charakterisierte schon Perkins’ inhaltlich schwachen, aber formal interessanten Film „Gretel & Hänsel“ von 2020 und ist auch im Trailer zu seiner im Februar anlaufenden Stephen King-Verfilmung „The Monkey“ wieder gut sichtbar. Ein „Das Schweigen der Lämmer“ wird „Longlegs“ sicher nie werden, aber Perkins kann dem abgelutschten Serienkiller-Genre in inszenatorischer Hinsicht durchaus neue Seiten abgewinnen und wartet mit einem der verstörendsten Serienmörder der Filmgeschichte auf, den wohl niemand besser als Nicolas Cage hätte verkörpern können.

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