
Die französische Autorin Virginie Despentes, die 1994 mit ihrem Roman „Baise-moi“ für Aufmerksamkeit sorgte, hat als Hauptfigur ihrer in Frankreich ab 2015 (D: 2017) veröffentlichten Romantrilogie „Das Leben des Vernon Subutex“ eine männliche Figur entwickelt, eben jenen Vernon Subutex (Subutex ist ein Handelsname des Schmerzmittels Buprenorphin ...), einem erfolglosen Musikfan und Plattenladenverkäufer. Nachdem 2022 Teil 1 der unter Despentes Beteiligung entstandenen Comic-Adaption erschienen war, kam Anfang 2025 nun Teil 2 der deutschen Version, zeitgleich zum zehnten Jahrestag des islamistischen Mordanschlag auf die Redaktion der Pariser Satirezeitung „Charlie Hebdo“ am 07.01.2015, für die Luz tätig war. „Vernon Subutex, 1“, die französische Originalversion des ersten Teils der Romantrilogie, war am 07.01.2015 erschienen (wie auch Houellebecqs „Soumission“). Während der Corona-Pandemie entstand im Austausch von Despentes und Rénald „Luz“ Luzier, der bis heute wegen der Bedrohung durch Islamfanatiker unter Polizeischutz an einem geheimgehaltenen Ort leben muss, Teil 2 der Comic-Adaption, die mit ihren 368 Seiten in knapp A4-Format auch wieder die Dicke und das Gewicht eines Großstadt-Telefonbuchs aus Prä-Internetzeiten hat. Ich mag die Wildheit, Direktheit und latent konfuse Art der Umsetzung, man spürt allenthalben, dass Despentes und Luz einen ähnlichen subkulturellen-musikalischen Hintergrund haben, an zig Stellen werden Songs zitiert, inklusive THE CLASH, BLONDIE, THE CRAMPS und BAD BRAINS. Ermöglicht wurde die deutsche Version durch einen Übersetzer-Fonds – ein Glücksfall, vom französischen Original hätte hierzulande wohl kaum jemand etwas verstanden.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Joachim Hiller