
Wahrscheinlich würde es die inzwischen 55-jährige Neko Case, nicht als Kompliment empfinden, wenn man sie altersbedingt als Grande Dame des Alternative Country bezeichnen würde, zumal sie diesen Begriff nicht sonderlich mag. In letzter Zeit hatte sie sich als Solo-Künstlerin etwas rar gemacht, das letzte Album „Hell-On“ erschien 2018, dafür aber zwei mit den THE NEW PORNOGRAPHERS. Dies scheint auch ihrer Arbeit an ihren Memoiren geschuldet zu sein, die Anfang 2025 unter dem Titel „The Harder I Fight The More I Love You“ erschienen. Dass die songwriterischen Ambitionen von Case eigentlich schon lange über eine simple Neudefinition von Country hinausgehen, zeigt auch „Neon Grey Midnight Green“ wieder sehr schön, das zwar nicht verleugnet, wo Case herkommt, aber stereotype Genre-Elemente zu vermeiden versucht. Statt Country-Gitarren (die es auch noch gibt) bestimmen vor allem die geschmackvollen Klänge des PlainsSong Chamber Orchestra die sehr entspannten Songs, die selten mal wirklich rockig sind und sich fast schon dem eigenwilligen Pop von THE NEW PORNOGRAPHERS annähern, was aber auch schon auf „Hell-On“ zu beobachten war. Ein fast schon unspektakulär wirkendes Album, das einen aber mit seiner klanglichen Eleganz dennoch wieder begeistert, natürlich auch wegen der speziellen gesanglichen Qualität von Case, die ja bekanntlich auch nicht davor zurückschreckt, live „The number of the beast“ zu covern.
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