
Sechs Jahre ist es her, dass LA DISPUTE 2019 ihre letzte LP „Panorama“ veröffentlichten, ihre erste auf Epitaph. Auch wenn die Musik stark war, hielt sie sich auffällig im Hintergrund, Ausbrüche gab es da nur sehr wenige. Den Weg dorthin prägten neben zig Singles vor allem die Alben „Somewhere At The Bottom Of The River Between Vega And Altair“ (2008), „Wildlife“ (2011) und „Rooms Of The House“ (2014). Jede Platte hatte ihre grandiosen Songs, die meisten Hits landete die Band aus Michigan allerdings mit „Wildlife“, zu dessen zehnten Geburtstag es eine Jubiläumstour gab – woraus aufgrund von Corona dann der zwölfte wurde. Gemeinsam ist allen Platten die interessante, spannende und persönliche Erzählweise des Sängers Jordan Dreyer, die noch mehr in den Vordergrund geriet, als die Musik immer ruhiger wurde. Nach „Panaroma“ erschienen um die zehn Songs noch digital, darunter einige auf einer LP zusammengefasst, deren Musik so reduziert ist, dass sie kaum mehr zu vernehmen war. Dann wurde „No One Was Driving The Car“ angekündigt und es wäre nicht verwunderlich gewesen, wären es reine Spoken-Word-Stücke geworden. Doch weit gefehlt: Gleich der erste Song „I shaved my head“ macht das Gegenteil. Dreyer steht quasi vor der Tür, schlägt auf sie ein, schreit sich die Seele aus dem Leib – und tritt sie schließlich ein. „Man with hands and ankles bound“ führt das Chaos fort und „Autofiction detail“ setzt dem Ganzen mit seinem lethargischen Grunge-Vibe noch die Krone auf – der Bass gibt hier die Richtung vor. Das erste von vier Kapiteln der Doppel-LP endet mit „Environmental catastrophe film“, einem neunminütigen Stück, das alle bekannten Stärken der Band vereint – es ist eine musikalisch treibende lange Kurzgeschichte mit einem zunächst vordergründig ruhigen Vibe, der allerdings ziemlich nervös macht. Bis es dann knallt. Zehn weitere Lieder bilden die anderen drei Kapitel, die allesamt stark sind – und wie immer wunderbar ohne Hooks und Singalongs auskommen. Inhaltlich wurden die Kurzgeschichten (ausgedruckt ergeben diese 20 A4-Seiten!) Dryers vom Film „First Reformed“ von Paul Schrader inspiriert und bringen die bedrückende Atmosphäre gut rüber. Die Band nimmt sich mit 65 Minuten auch mehr Zeit als je zuvor. Aufgenommen haben LA DISPUTE die LP in Eigenregie in Michigan, Großbritannien, Australien und auf den Philippinen – finanziert durch kleine Touren vor Ort. Im Ergebnis ist „No One Was Driving The Car“ eine enorm beeindruckende, typisch untypische Platte – einerseits erscheinen LA DISPUTE härter als zuvor und bieten auch einiges Neue und Unerwartete. Wenn Sänger Jordan Dryer andererseits dann seine langen Kurzgeschichten in diesem vertrauten und ganz eigenen Stil erzählt, die dann auf ruhigere Musik gelegt sind, ist alles so wie immer.
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